Trotz Ausgangssperre ist die Zahl der Corona-Neuinfektionen im Landkreis Fulda gestiegen.
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Trotz Ausgangssperre ist die Zahl der Corona-Neuinfektionen im Landkreis Fulda gestiegen. Nun nennt der Landrat die Hintergründe.

Hohe Inzidenz

Der Kreis Fulda ist Hessens Corona-Hotspot: Landrat erklärt, warum es so viele Infektionen gibt

  • Selina Eckstein
    vonSelina Eckstein
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731 positive Corona-Fälle sind dem Gesundheitsamt des Landkreises Fulda in der vergangenen Woche übermittelt worden. Die 7-Tage-Inzidenz schnellt damit in die Höhe und liegt am Mittwoch bei 327,6. Landrat Bernd Woide erklärt nun, woher die Neuinfektionen kommen.

Fulda - Die 7-Tage-Inzidenz im Landkreis Fulda hat zum wiederholten Mal den Wert von 300 überschritten und lag am Sonntag bei 359,0. Mit einer Inzidenz von 327,6 am Mittwoch hat der Landkreis Fulda immer noch den höchsten Wert in Hessen und befindet sich auch bundesweit im oberen Bereich.

Nämlich nach aktuellen Corona-Inzidenz-Zahlen des Robert Koch-Instituts vom Montag bundesweit auf Platz 22. Aus diesem Grund haben sich Landrat Bernd Woide und Gesundheitsdezernent Frederik Schmitt (beide CDU) am Sonntagabend nach der Analyse der Zahlen über die Hintergründe der Pandemie-Situation geäußert.

Landkreis Fulda: Großteil der neuen Corona-Fälle sind Folge von privaten Treffen

Etwa 750 positive Corona-Fälle seien in der vergangenen Woche dem Gesundheitsamt in Fulda übermittelt worden: „Auf der Grundlage der Fallermittlungen können wir sagen, dass rund 500 Fälle innerhalb des Hausstandes oder bei privaten Treffen aufgetreten sind; rund 200 Fälle betreffen Pflegeeinrichtungen mit Schwerpunkten in Fulda, Hünfeld, Flieden und Bad Salzschlirf. Die 500 Infektionsfälle aus dem privaten Umfeld verteilen sich dabei quer über den Landkreis. Ein regionaler Schwerpunkt ist nicht festzustellen“, sagte Gesundheitsdezernent Frederik Schmitt.

Coronavirus: Welche Rolle spielen Weihnachten und Neujahr?

„Daraus lässt sich der Schluss ziehen, dass die überwiegende Zahl der Ansteckungen zumeist im privaten Umfeld beziehungsweise sehr häufig im selben Haushalt erfolgt ist. Bezieht man zudem den Zeitfaktor mit ein, dann wird deutlich, dass sich die Mehrzahl dieser Ansteckungen zwischen den letzten 7 und 14 Tagen ereignet haben muss. Also zwischen Weihnachten und Neujahr“, fügte Frederik Schmitt an.

„Die hohen Fallzahlen führen jetzt erneut zur Diskussion darüber, was der Staat tun sollte, ob die verhängten Maßnahmen nicht greifen und ob sie verschärft werden müssten“, sagte Landrat Bernd Woide.

Landrat Bernd Woide (CDU): Wir haben ein Akzeptanzproblem

Außerdem fügte Woide an: „Zunächst gilt, dass ab dem morgigen Montag schärfere Regelungen gelten. Ab morgen darf sich im öffentlichen Raum nur noch ein Hausstand mit einer Person eines anderen Hausstandes treffen. Das ist eine sehr einschränkende Maßnahme. Klar ist aber auch, wir haben keineswegs zu wenige Regelungen. Die Wahrheit ist eine ganz andere: Wir haben in Teilen der Bevölkerung ein Akzeptanzproblem. Zu viele Menschen halten sich immer noch nicht an die bereits bestehenden Regelungen. Der Staat wird die Fallzahlen nicht durch ein Mehr von Anordnungen senken können. Das kann nur jeder Einzelne tun, der bereit ist, die Vorgaben zu akzeptieren und danach zu handeln.“

Kommt jetzt der 15-Kilometer-Radius im Landkreis Fulda? - Landrat gibt Antworten

Zu entscheiden sei jetzt, wie der Landkreis Fulda die Vorgabe aus dem Corona-Eskalationskonzept des Landes Hessen im Hinblick auf den 15-Kilometer-Radius umsetze. „Es ist mitnichten so, dass sich dann niemand mehr weiter als 15 Kilometer von seinem Wohnsitz entfernen darf. Ausschließliches Ziel der 15-Kilometer-Regelung ist es, den Tagestourismus einzuschränken, um dadurch an den jeweiligen touristischen Orten Kontakte zu reduzieren. Im Landkreis Fulda betrifft das in erster Linie den Besucherandrang in der Rhön, speziell auf der Wasserkuppe. Diese Kontaktreduzierung haben wir am Wochenende ganz konkret durch die Sperrung von Straßen und Parkplätzen erreicht“, sagte Bernd Woide.

Zum Thema Schulen erklärt der Landrat: „Nach der Vorgabe der Landesregierung soll in den Abschlussklassen grundsätzlich Präsenzunterricht unter Wahrung des Mindestabstandes durch Teilung der Klassen durchgeführt werden. Gleichzeitig hat das Kultusministerium die Möglichkeit eröffnet, phasenweise auch in den Abschlussklassen Distanzunterricht abzuhalten. Aufgrund der pandemischen Situation empfiehlt der Landkreis Fulda den Schulen hiervon Gebrauch zu machen.“

Gesundheitsdezernent nennt Details zu hoher Corona-Inzidenz der vergangenen Tage

Zur richtigen Einordnung der starken Steigung der Corona-Inzidenz in den vergangenen drei Tagen sagte Frederik Schmitt: „Das aktuelle Fallgeschehen setzt leider den Trend von vor Weihnachten fort. Der Landkreis Fulda lag am 25. Dezember bereits bei einer Inzidenz von 319 mit bis dahin steigender Tendenz. Der Rückgang der Inzidenz zwischen den Jahren bildet aber augenscheinlich keinen realen Rückgang der Infiziertenzahl ab. In der Zeit an und zwischen den Feiertagen wurden einfach weniger getestet. Die Dunkelziffer in dieser Zeit war dadurch deutlich höher.“

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