Schloss Bieberstein/Gemeinde Hofbieber/Hessen/Germany
In Corona-Zeiten interessieren sich mehr Schüler für Internate.
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In Corona-Zeiten interessieren sich mehr Schüler für Internate.

Trend auch auf Schloss Bieberstein

Nachfrage nach Plätzen im Internat boomt in Corona-Zeiten - Präsenzunterricht statt Homeschooling

  • Daniela Petersen
    vonDaniela Petersen
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Die Corona-Pandemie und das damit verbundene Homeschooling beschert auch der Lietz-Schule auf Schloss Bieberstein einen regen Zulauf.

Hofbieber - „Einige Schüler kommen mit dem Homeschooling nicht gut klar und haben Schwierigkeiten, den Tag zu strukturieren. Im Internat konnten wir bis auf eine Woche komplett im Präsenzmodus unterrichten“, sagt Michael Meister, der seit 2015 Internats- und Schulleiter des Lietz Internats auf Schloss Bieberstein im Kreis Fulda ist. Während der Corona-Pandemie seien vier Schüler aufgenommen worden, die „aufgrund der Situation eine andere Betreuung wünschten“, wie Meister erklärt. Zuvor seien sie in eine reguläre Schule gegangen.

In Hessen gibt es insgesamt 23 Internate. Die Nachfrage nach Plätzen ist bei fast allen gestiegen: „Internatsschulen wurden als Haushalte eingestuft, so dass deren Klassenverbände während des Lockdowns weiter zusammenbleiben und zusammen lernen konnten. Daher mussten die Internate in der Regel nicht schließen und konnten den Unterricht weiter anbieten“, sagt Falk Raschke, Geschäftsführer des Verbands Deutscher Privatschulen, der Deutschen Presse-Agentur.

Fulda: Nachfrage nach Plätzen im Internat boomt in Corona-Zeiten

Auch wenn die Pandemie vorbei ist, rechnet Raschke mit weiter steigender Nachfrage. Es gebe viele Kinder, die durch Corona Probleme in der Schule hätten. „Für diese Kinder können Internate eine Lösung sein.“ Die Betreuung sei eng, die Schulgemeinschaft motiviere, das könne mögliche Defizite ausgleichen. (Lesen Sie hier: Nach langer Corona-Pause sind Schüler in Fulda wieder in ihren Klassen)

Die Hygienemaßnahmen seien in den Internaten sehr ernst genommen worden, Rückkehrer seien getestet worden. Der Verband weiß von keinem Corona-Ausbruch in einem hessischen Internat.

Auch in Bieberstein hat das Hygienekonzept offenbar funktioniert: „Unter den Schülern hatten wir keinen Corona-Fall. In der Lehrerschaft gab es einen Fall, der aber durch einen Test sofort aufgefallen ist“, erklärt Meister. Insgesamt lernen 85 Schülerinnen und Schüler im Alter von 15 bis 20 Jahren auf Schloss Bieberstein. Wie in allen Schulen gelten auch dort in den Klassenräumen Maskenpflicht und Abstandsgebot.

Corona-Pandemie auf Schoss Bieberstein: „Bis auf eine Woche komplett im Präsenzmodus“

Im Speisesaal hingegen sei das unrealistisch, sagt Meister. Dort seien Internatsschüler und interne Lehrer aber ohnehin unter sich. „Im Prinzip leben wir hier wie unter einer Glocke“, erklärt der Schulleiter. Im Herbst sei ein Hygienekonzept aufgelegt worden, das vor allem auf Tests setze. So müssen sich die circa 50 externen Mitarbeiter – Lehrer, Reinigungskräfte, Hausmeister – regelmäßig testen lassen.

Die Schüler selbst sollten möglichst am Berg bleiben und persönliche Kontakte außerhalb des Internats vermeiden. So wurden beispielsweise die Heimatbesuche unterbunden, die sonst alle zwei Wochen stattfinden. „Dafür konnten sich die Schüler aber hier oben relativ frei bewegen, und auch viele AGs waren weiterhin möglich. Aber natürlich haben manche Schüler das Zuhause vermisst“, erklärt Meister.

Video: EU-Behörde gibt grünes Licht für Biontech-Corona-Impfstoff für Kinder

Es sei ein zweischneidiges Schwert: „Einerseits war es für die Schüler nervig, dass zum Beispiel der Pizzadienst nicht kommen durfte, andererseits haben sie die Gemeinschaft unter Gleichaltrigen auch genossen und das Privileg, zur Schule gehen zu können, durchaus zu schätzen gelernt.“

Michael Meister (57), Internats- und Schulleiter der Lietz-Schule, erklärt in einem kurzen Interview, wie der Unterricht in der Corona-Pandemie auf Schloss Bieberstein ablief.

Für wie wichtig halten Sie Präsenzunterricht?
Es gibt Schüler, die kommen mit dem Distanzlernen gut zurecht. Für die meisten ist der Präsenzunterricht aber die natürlichere Form. Auch für die Lehrer ist das so. Die persönliche Begegnung kann motivierend sein. Das hat eine andere Dynamik als über Video. Da schaut man mitunter in zehn stumme, ausdruckslose Gesichter. Manche Kinder und Jugendliche kommen damit auf Dauer gar nicht gut zurecht und werden depressiv und antriebslos.
Sie bieten das Programm E-International an, bei dem die Schüler ins Ausland gehen. Wie lief das während der Pandemie?
Mit E-International können unsere Schüler das Halbjahr im Ausland, etwa Nepal oder Südafrika, absolvieren. Sie nehmen dort an sozialen oder erlebnispädagogischen Projekten teil und lernen über E-Learning. Insofern haben wir Distanzunterricht schon vor Jahren eingeführt. Die Aufenthalte in Nepal und Südafrika mussten 2020 ausgesetzt werden. Nur in Europa konnte das Programm durchgeführt werden.
Wie ist das Lietz Internat Schloss Bieberstein durch die Krise gekommen?
Wir sind gut durch die Zeit gekommen. Wir haben die Möglichkeit, Distanzunterricht zu machen, konnten aber bis auf eine Woche im Präsenzunterricht bleiben. Das war ein Vorteil. Alle Außenkontakte haben wir nahezu auf Null gefahren. Wir haben einen Hygieneplan, alle externen Mitarbeiter und auch die Schüler werden regelmäßig getestet.

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