Corona-Schnelltest
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Schnelltests sollen ein wichtiger Baustein für vorsichtige Lockerungen des Lockdowns werden.

Pläne der Landesregierung

Chaos um kostenlose Corona-Schnelltests: Ärzte und Apotheker in Fulda ratlos - Kann es heute losgehen?

  • Bernd Loskant
    vonBernd Loskant
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Ministerpräsident Bouffier hat angekündigt, dass jeder Bürger ab Montag Anspruch auf wöchentlich einen kostenlosen Schnelltest hat. So weit, so gut. Bei denen, die die Tests durchführen sollen, herrscht allerdings Verwirrung. Denn die Tests stehen überhaupt nicht in den erforderlichen Mengen zur Verfügung. Viele Fragen sind ungeklärt.

Fulda/Wiesbaden - Wer nach der Tagung des hessischen Corona-Kabinetts am Donnerstagmittag dem Ministerpräsidenten und seinem Gesundheitsminister aufmerksam zuhörte, hatte keinen Zweifel: Nach dem von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) ausgelösten Schnelltest-Chaos hat die Landesregierung in Hessen das Heft des Handelns in die Hand genommen: Landesvater Volker Bouffier (CDU) erklärte, die Tests seien für die Bürger ab Montag beim Arzt, in der Apotheke oder im Testzentrum möglich. Und Minister Kai Klose (Grünen) sprach von einer „ausreichenden Verfügbarkeit von Schnelltests“.

Doch offenbar wurde vergessen, vorher diejenigen zu informieren, die die Tests durchführen sollen. Ralph-Michael Hönscher, Hausarzt und Vorsitzender des Gesundheitsnetzes Osthessen (GNO) in Fulda, sagte am Freitag auf die Frage, ob es am Montag losgehe mit den Tests: „Das können Sie vergessen. Die meisten Praxen haben lediglich Schnelltests für das eigene Personal, aber nicht für eine große Zahl von Patienten.“ Bund und Länder hätten sich das zwar wunderbar ausgedacht, Massenschnelltests seien jedoch kurzfristig nicht durchführbar. Man arbeite aber mit dem Landkreis Fulda an einem Konzept. Auch ruhr24.de berichtet von vielen Fragen, die in Bezug auf die Corona-Schnelltests* noch offen sind.

Kostenlose Corona-Schnelltests in Hessen: Apotheker und Ärzte in Fulda sind ratlos

Ein weiterer Arzt aus dem Kreis Fulda, der nicht genannt werden möchte, erklärte, er habe aus der Presse erfahren, dass er ab Montag Schnelltests durchführen solle – und von Patienten, die in seiner Praxis massenweise nach Terminen fragten. Also wurde er selbst aktiv, kontaktierte die Kassenärztliche Vereinigung (KV), wo er ans Sozialministerium verwiesen wurde. Aber auch dort keine Antwort auf Fragen wie: Wo kommen die Tests her, wie werden sie abgerechnet? Das solle er mit der KV klären. (Lesen Sie hier: Corona-Selbsttests für Schüler: Stadt und Landkreis Fulda besorgen 37.000 Tests für Schulen)

Auch bei unserer Recherche herrschte allenthalben Achselzucken. Wo genau können sich die Bürger ab Montag hinwenden und wie ist das Prozedere?, fragten wir KV-Sprecher Karl Roth. Seine Antwort: „Das ist ziemlich unklar, und ich kann es Ihnen derzeit nicht beantworten. Ansprechpartner sollten die hessische Staatskanzlei beziehungsweise das Sozialministerium sein.“ Dort wiederum hieß es auf unsere Anfrage: „Wir stehen mit der Kassenärztlichen Vereinigung, der Landesapothekerkammer und den kommunalen Spitzenverbänden im Gespräch.“ Später erreichte die Redaktion dann eine Presseerklärung aus Wiesbaden: Man arbeite daran, den Testanspruch zeitnah umzusetzen und bitte um Geduld. Nur eines scheint klar: Ärzte sind nicht verpflichtet, die Tests durchzuführen.

Schnelltest-Pläne der Landesregierung voerst nicht umsetzbar - Keine kostenlosen Schnelltests ab Montag

Doch sind überhaupt genug Tests verfügbar? KV-Sprecher Roth sagt: „Es weiß ja niemand, wie hoch der Bedarf sein wird. Insofern kann ich das derzeit seriös nicht beantworten. Die Frage, ob es genügend Zeit für eine vernünftige Vorbereitung dessen gibt, allerdings schon. Die Antwort lautet: Nein!“ Immerhin: „Die Abrechnung erfolgt auf Basis der Corona-Testverordnung, das Honorar beläuft sich auf 15 Euro pro Test“, sagt Roth. (Lesen Sie hier: Corona-Lockerungen in Fulda: So geht es mit Impfungen und Schnelltests weiter)

Video: „Unverständlich und wenig durchdacht“: Hausärzte kritisieren Corona-Beschlüsse

Apotheker Michael Sapper, der ein privates „Autoschalter-Testzentrum“ in Fulda betreibt, weist darauf hin, dass auch in Apotheken und in seinem Testcenter ab Montag keine kostenlosen Schnelltests möglich sind. Die Datenlage sei noch „sehr dünn“, auch was die Abrechnung und die „Bedürftigkeitskontrolle“ betreffe. „Sie müssen das ja auch dokumentieren und sicherstellen, dass eine Person sich nicht mehrmals pro Woche testen lässt“, sagt Sapper. Wenn die Fragen geklärt seien, halte er Massenschnelltests für eine „stemmbare Aufgabe“ – auch weil er die Tests räumlich vom Apothekengeschäft trennen könne. (Lesen Sie hier: Mit dem Corona-Ticker für Fulda bleiben Sie auf dem Laufenden)

Verkauf von Corona-Selbsttests im Handel gestartet

Der großflächige Verkauf von Corona-Selbsttests im Einzelhandel hat begonnen. Beim Discounter Aldi sind die Tests seit Samstagmorgen direkt an der Kasse erhältlich. Vielerorts waren sie aber bereits nach kurzer Zeit ausverkauft. Auch der Konkurrent Lidl und die Supermärkte von Rewe und Edeka wollen bald mit dem Verkauf beginnen. Die Drogeriemarkt-Ketten Rossmann und dm planen den Start für Dienstag. Apotheken wollen die Produkte ebenfalls anbieten.

Bei Aldi ist die Abgabemenge der in Deutschland produzierten Tests zunächst auf eine Packung pro Kunde begrenzt. Eine Packung kostet rund 25 Euro. Sie enthält fünf Tests. Aldi Nord und Aldi Süd hatten schon vorab darauf hingewiesen, dass die Aktionsware bei einer sehr hohen Nachfrage auch schon am ersten Aktionstag vergriffen sein könnte. Dies sei aber eine erste Charge, mehr Ware sei bereits unterwegs, sagte ein Sprecher von Aldi Süd der dpa am Freitag. (dpa)

Der Fuldaer Hausarzt, der sich vergeblich um Informationen bemühte, hält das Chaos indes für „weniger wichtig“. Wichtig sei dagegen, dass die Logistik stimme, wenn es zu Impfungen beim Hausarzt kommen könne. Schon im März sei wahrscheinlich mehr Impfstoff da, als in den Impfzentren gespritzt werden könne. Auf diese Situation müsse man sich jetzt vorbereiten. *ruhr24.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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