Vera Vogt und Max Dudyka hätten in Fulda das Hessentagspaar 2021 werden sollen. Doch Corona machte ihnen einen Strich durch die Rechnung.
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Vera Vogt und Max Dudyka hätten in Fulda das Hessentagspaar 2021 werden sollen. Doch Corona machte ihnen einen Strich durch die Rechnung.

Erlebnisse trotz Pandemie

Lockdown statt Landesfest: Heute hätte in Fulda der Hessentag begonnen - So geht es dem Hessentagspaar

  • Andreas Ungermann
    vonAndreas Ungermann
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Eigentlich wäre für Vera Vogt (30) und Max Dudyka (32) am heutigen Freitag der große Tag gewesen. Aber Corona macht dem Hessentagspaar und dem Landesfest, das ab heute unter dem Motto „Foll hessisch“ in Fulda stattfinden sollte, einen Strich durch die Rechnung.

Fulda - „Wir müssten mal zählen, wie viele Fulda-Lilien wir inzwischen in unserer Wohnung haben“, sagt Vera Vogt mit einem Lachen, das verrät: Es müssen sehr viele sein. „Ja, bis hin zum kleinsten Anstecker oder Ohrstecker“, stimmt ihr Partner Max Dudyka zu und zeigt auf das Revers seines Hessentags-Zwirns, an dessen Revers eine kleine silberne Lilie prangt, ebenso wie an ihrer Jacke. Viele der Lilien, so berichten sie, hätten sie geschenkt bekommen, seit bekannt wurde, dass sie als Hessentagspaar Fulda repräsentieren sollten.

Mit der „Heimat im Herzen und der Freude an der Begegnung mit Menschen“ wollten sie ihr Amt ausfüllen. Es sind eben jene Eigenschaften, die der 30-jährigen Polizeibeamtin und dem zwei Jahre älteren Niederlassungsleiter bei einem Personaldienstleister im Gespräch deutlich anzumerken sind – etwa dann, wenn Vera Vogt betont: „Die Nachrichten, dass wir Hessentagspaar werden und ich von Frankfurt ins Polizeipräsidium Osthessen – in die Heimat – versetzt werde, kamen an einem Tag. Das war schon wahnsinnig toll.“

Corona macht Hessentagspaar und Landesfest in Fulda einen Strich durch die Rechnung

Dabei ging der Antrieb, sich als Paar für den Hessentag zu bewerben, nicht einmal von ihnen selbst aus. „Max’ Mutter hat mich angerufen und erzählt, dass die Stadt ein Hessentagspaar sucht“, erinnert sich Vogt, die in Eiterfeld-Betzenrod aufgewachsen ist. Sie war sich bald sicher, das dies eine „tolle Möglichkeit“ sei, die Stadt zu vertreten und sie noch besser kennenzulernen“. Beim Pizzaessen in der Innenstadt genoss sie mit ihrem Partner den Flair Fuldas – und überzeugte auch ihn. Der gebürtige Hofbieberer war nämlich zunächst – und selbst bis zum ersten Casting noch – skeptisch. „Ich und die Öffentlichkeit – das funktioniert nicht, habe ich gedacht“, räumt der passionierte Golfspieler ein.

Im Stadtschloss sah sich der Personaler dann einer für ihn eher ungewohnten Situation gegenüber. Da war nicht er es, der das Bewerbungsgespräch führte, sondern eine Kommission aus elf oder zwölf Leuten. „Vor denen ist dann alles so aus mir rausgesprudelt“, berichtet der 32-Jährige, der sich zusammen mit seiner Lebensgefährtin doch irgendwie öffentlichkeitstauglich präsentiert haben muss. Ab der ersten Castingrunde, während der sich eine engere Auswahl von vier Paaren gebildet habe, sei er dann Feuer und Flamme gewesen. Der Wunsch stand fest: „Wir wollen das Hessentagspaar werden.“

Dieser sollte sich nach einer zweiten Castingrunde tatsächlich erfüllen. Max Dudyka hatte das Telefonat gar nicht angenommen, seine Freundin erwischte der Anruf, als sie gerade in Frankfurt in den ICE gen Fulda stieg. „Ich habe das alles erst einmal nur halb verstanden, weil ich nur das Rauschen am Bahnsteig gehört habe“, erinnert sich Vera Vogt.

Abgespeckte Variante des Hessentags in Fulda hätte sich Hessentagspaar gut vorstellen können

Doch bald schwebte über der Amtszeit der beiden das permanente Schwert der Corona-Pandemie. Zunächst wurde der Hessentag in Bad Vilbel abgesagt. „Das tat uns für unsere Vorgänger sehr leid, dass sie den Höhepunkt nicht miterlebt haben. Und auch für uns fiel ja damit die feierliche Übergabe der Hessentagsfahne aus“, sagen sie. Heute, gut ein Jahr später, da auch „ihr“ Hessentag nicht stattfindet, können sie die Enttäuschung noch sehr viel besser nachvollziehen und teilen die Auffassungen der Stadt Fulda, die gegenüber unserer Zeitung mitteilten: „Selbstverständlich war die Absage des Hessentages ein schwerer Schlag für alle Geschäftsleute sowie für die Gastronomie und Hotellerie in der Innenstadt – und natürlich für alle, die mit Herzblut und Engagement in die Vorbereitungen involviert waren.“

Eine abgespeckte Variante des Hessentags hätten sich Vera Vogt und Max Dudyka aus diesem Grund gut vorstellen können. „Als wir von der Stadt gefragt wurden, ob wir uns vorstellen könnten, bei einem kleineren Hessentag mitzumachen, haben wir sofort zugesagt. Fulda hätte sich auch in diesem Rahmen sehr gut präsentiert. Und vielleicht hätte ein solcher Hessentag ein Publikum begeistern können, das nicht so auf Großveranstaltungen, sondern auf familiärere Formate steht. Es wäre in jedem Fall ein Erfolg gewesen“, sind sich die Wahlfuldaer sicher, die sich ihr kleines grünes Paradies in der Innenstadt eingerichtet haben. Die Wege zu den Festorten wären also kurz gewesen. Durchaus ein Argument für Fulda: „Ich lebe gerne in der Stadt und wollte nicht in einer Großstadt leben“, sagt Max Dudyka.

Video: Vera Vogt und Max Dudyka hätten das Hessentagspaar 2021 werden sollen

Was für das Paar bleibt, sind nicht nur die vielen Fulda-Lilien und die schicke Tracht. Aus den vergangenen Monaten nehmen sie schon jetzt viele schöne Begegnungen mit früheren Hessentagspaaren und vielen weiteren Menschen mit. Darunter Fuldas Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld und Ministerpräsident Volker Bouffier (beide CDU), „die wir von ihrer persönlichen Seite sonst nie kennengelernt hätten“. Allerdings hatten sie noch auf weitere Begegnungen während der Festtage und anderer Termine im Jahreslauf gehofft. Die bislang freigewordene Zeit nutzten sie während der Corona-Pandemie dann, um die Rhön zu erwandern. Fast alle Extratouren seien sie im vergangenen Jahr gelaufen.

Und was wäre, wenn – wie es in Aussicht steht – Fulda im Jahr 2026 noch einmal den Hessentagszuschlag erhalten sollte? Würden sie wieder das Paar des Landesfestes und ihre Heimat repräsentieren wollen? „Stand jetzt auf jeden Fall, wenn es in unsere privaten Planungen und in unsere Lebenssituation passt.“

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