Luftbild vom Hessentag in Bad Hersfeld
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Die Überlegungen der Stadt, den Hessentag kleiner zu gestalten, seien nachvollziehbar: Das finden viele Bürger, die an unserer – nicht repräsentativen – Umfrage teilgenommen haben. (Archivbild)

„Schade, aber nachvollziehbar“

Abgespeckter Hessentag: Fuldaer Bürger zeigen Verständnis

  • Sabrina Mehler
    vonSabrina Mehler
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Seit langem fiebert die Region dem Hessentag im kommenden Mai entgegen: einem Fest mit glanzvollen Veranstaltungen, zigtausenden Besuchern und einem herausgeputzten Fulda, das zur Hauptstadt Hessens werden soll. Doch nun soll vieles anders und manches kleiner werden. Was sagen die Bürger und Bürgerinnen zu diesen Plänen?

Fulda - Der Plan von Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld (CDU), im Mai kommenden Jahres eine abgespeckte Version des Hessentags mit weniger Tanz und großen Konzerten auf die Beine zu stellen, hat dieser Tage für lebhafte Diskussionen in der Kommunalpolitik gesorgt. Die meisten Bürger und Bürgerinnen zeigen angesichts der anhaltenden Corona-Pandemie aber Verständnis.

Zum Beispiel Theresa Müller: „Wir wissen nicht, wie sich die Situation entwickeln wird“, sagt die 26-Jährige aus Fulda. Sie habe sich zwar schon auf „einige schöne Highlights“ im Mai kommenden Jahres gefreut, aber die Überlegungen der Stadt seien nachvollziehbar, findet sie. „Es ist schwierig, im Moment mit großen Veranstaltungen zu planen.“ Sie unterstreicht: „Man muss das Beste aus der Situation machen.“

Wegen Corona: Bleiben die Besucher ohnehin fern?

Eher enttäuscht ist Anja Hampl aus Fulda: „Ich wäre dafür, den Hessentag ganz normal durchzuziehen.“ Sie erinnert daran, dass viele Gewerbetreibende und allen voran die Gastronomen von der zehntägigen Veranstaltung sehr profitieren würden. „Und zum Schutz können wir ja alle einen Mundschutz tragen“, erklärt sie.

Olaf Günter aus Künzell weist darauf hin, dass die Ansteckungsgefahr dort am größten ist, wo viele Menschen zusammenkommen.

Olaf Günter aus Künzell weist darauf hin, dass die Ansteckungsgefahr dort am größten ist, wo viele Menschen zusammenkommen. Der 55-Jährige betont aber: „Bevor der Hessentag gar nicht stattfinden kann, sollte er lieber verkleinert werden.“

Für einen solchen „Mittelweg“ plädieren auch Christian Willsan und Katharina Breit aus Geisa. Beide haben im vergangenen Jahr den Hessentag in Bad Hersfeld besucht und wissen daher: „Da gab es ein ganz schönes Gedränge.“ Willsan befürchtet ohnehin, dass viele Besucher aus Sorge vor einer Ansteckungsgefahr den größeren Veranstaltungen fern bleiben könnten.

Konsequentes tragen von Mund-Nasen-Schutz als Lösung?

„Hin- und hergerissen“ zeigt sich Michelle Schücke:„Ich habe natürlich Verständnis für eine Verkleinerung, fände es aber schade, weil der Hessentag etwas Besonderes ist.“ Ob auch ein schlankeres Fest ein Erfolg werden könnte? „Das kommt darauf an, wie er gemacht ist“, überlegt die Fuldaerin und schlägt vor, die Hessentags-Veranstaltungen über mehrere Wochen zu verteilen: „Wenn an jedem Wochenende ein bisschen was geboten wird, wäre das sicher auch schön.“

Ihre Schwiegermutter, die Künzellerin Christina Dittrich, ist hingegen optimistisch: „Wir haben schon jetzt so wenige erkrankte Menschen. Ich glaube, dass im Mai nächsten Jahres niemand mehr über Corona reden wird.“ Deshalb würden sich die Menschen umso mehr auf einen großen Hessentag freuen, ist sie sich sicher.

Die Fuldaerin Doris Schlüter hingegen glaubt nicht, dass die Pandemie so schnell abebbt: „Wir werden alle lernen müssen, künftig anders mit unseren Freizeitbeschäftigungen umzugehen.“ Daher findet sie, dass das Landesfest unbedingt „schlanker“ werden sollte. Sie freue sich auf die Veranstaltung, appelliert aber: „Jeder sollte dann vernünftig bleiben, Abstandsregeln einhalten und einen Mundschutz tragen.“

Auch bei Verschlankung des Hessentags: Bürger glauben an den Erfolg

„Manchmal ist es kleiner schöner als groß – und gemütlicher“, glaubt Hannelore Rotter aus Schlitz.

„Manchmal ist es kleiner schöner als groß – und gemütlicher“, glaubt Hannelore Rotter aus Schlitz. Die Überlegungen der Stadt findet sie richtig: „Wenn der Hessentag nur halb so groß wird, wäre das ausreichend.“ Stattfinden sollte er aber auf jeden Fall, meint sie. „Denn die Leute müssen doch einfach raus.“

Annette Eckert meint: „Es hat schon seinen Grund, dass die Stadt jetzt anders plant.“

„Schön wäre es natürlich, wenn das Fest in einem normalen Rahmen stattfinden könnte“, erklärt Annette Eckert. „Aber es hat schon seinen Grund, dass die Stadt jetzt anders plant.“ Auch sie freut sich auf den Hessentag, auch wenn er kleiner wird: „Denn in Fulda wird und wurde gerade extra alles so schön gemacht.“ Und sie fügt hinzu: „Man will ja raus, man will weg, man will Gesellschaft.“

Bedenken, dass der Hessentag kein Erfolg werden könnte, wenn die großen Konzerte fehlen, hat Thomas Gutgesell nicht.

Thomas Gutgesell (43) erinnert an die Investitionen und den Aufwand, der jetzt schon in die Vorbereitungen für den Hessentag 2021 gesteckt worden seien. „All das sollte jetzt nicht im Sande verlaufen.“ Bedenken, dass das Landesfest kein Erfolg werden könnte, wenn die großen Konzerte fehlen, hat der Künzeller nicht: „Fulda ist eine tolle Stadt und kann so viele Möglichkeiten bieten – auch mit kleinen Veranstaltungen.“

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