Eine Messfeier wie 2019 mit Hunderten dicht gedrängt stehenden Gläubigen im Schlossg arten in Fulda und mit anschließender gemeinsamer Prozession wird es diesmal nicht geben.
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Eine Messfeier wie 2019 mit Hunderten dicht gedrängt stehenden Gläubigen im Schlossg arten in Fulda und mit anschließender gemeinsamer Prozession wird es diesmal nicht geben.

Das ist Donnerstag geplant

Corona in Fulda: Auch an Himmelfahrt 2021 keine Prozessionen mit Blasmusik und Flurgönder

  • Sabrina Mehler
    vonSabrina Mehler
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Wegen der Coronakrise verzichten viele katholische Pfarrgemeinden auf Prozessionen an Christi Himmelfahrt und Fronleichnam. Dafür gibt es vielerorts Gottesdienste unter freiem Himmel und Aktionen, die das Gemeinschaftsgefühl der Gläubigen an den Hochfesten stärken sollen.

Update vom 12. Mai, 15.50 Uhr: Neben den alternativen Aktionen in Fulda, Künzell, Großenlüder, Bimbach, Bad Salzschlirf, Kleinlüder, Müs, Rasdorf, Eiterfeld und Weyhers (siehe Erstmeldung unten) finden im Bistum Fulda an rund um Christi Himmelfahrt und Fronleichnam noch weitere Angebote anstatt der wegen Corona abgesagten Prozessionen statt.

Alle Veranstaltungen finden laut Bistum Fulda unter Einhaltung der Corona-Regelungen, mit Abstandshaltung und unter Beachtung der geltenden Hygienevorschriften statt. In Flieden wird am Montag (17. Mai) ein ökumenischer Open-Air-Gottesdienst gefeiert. In Eichenzell wird zum Ökumenischen Kirchentag am Freitag (14. Mai) ein ökumenisches Abendlob im Garten der Trinitatiskirche.

Zudem wird an Christi Himmelfahrt der Ökumenische Kirchentag in Frankfurt eröffnet. Er findet größtenteils digital statt. Auch Bischof Dr. Michael Gerber hat dafür einen größeren Programmpunkt mitgestaltet - einen Video-Beitrag mit dem Titel „Wie sind deine Augen geöffnet worden?“ Gezeigt wird die Produktion ab Samstag (15. Mai), um 8 Uhr unter anderem auf der Homepage des Bistums Fulda unter www.bistum-fulda.de.

Corona in Fulda: Keine Himmelfahrt-Prozessionen mit Blasmusik und Flurgönder

Erstmeldung vom 12. Mai, 6.58 Uhr: Fulda - Christi Himmelfahrt steht vor der Tür – erneut wegen Corona aber im Landkreis Fulda weitgehend ohne die großen traditionellen Flurprozessionen. „Wenn Menschen in Bewegung sind, wird es noch schwieriger, die Sicherheitsabstände einzuhalten. Deshalb können Prozessionen nicht wie gewohnt stattfinden“, erklärt Matthias Reger, Sprecher des Bistums Fulda.

Das heißt nun aber nicht, dass die kommenden Hochfeste nicht ihrer Bedeutung entsprechend gewürdigt werden. Vielerorts haben sich die Kirchengemeinden anderes überlegt – ob nun wie in Rasdorf nur der Pfarrer eine Runde am Anger dreht und an vier dort aufgebauten Altären Halt macht oder wie in Weyhers am Heiligenhäuschen ein atmosphärischer Gottesdienst unter freiem Himmel stattfindet.

Pfarrer Joachim Hartel, leitender Pfarrer der Gemeinden Großenlüder, Bimbach, Bad Salzschlirf, Kleinlüder und Müs, berichtet ebenfalls davon, dass die Prozessionen am Himmelfahrtstag nur eingeschränkt stattfinden. Stellvertretend ziehen morgen nur Pfarrer und Messdiener durch die Straßen, mancherorts begleitet von Pfarrgemeinderatsmitgliedern oder einem Kantor, der seine Gesänge per Lautsprecher verbreitet.

Die Gläubigen können sich mit Abstand an der Wegstrecke aufstellen oder auch zu den Stationen kommen, um sich dort segnen zu lassen. Dass die traditionelle Prozession mitsamt Blasmusik und anschließendem Flurgönder ausfällt, findet Hartel schade. Denn die Festzüge seien eine öffentliche und „bewusste Demonstration des Glaubens an einen Gott, der uns trägt und schützt. Dabei habe ich auch ein bisschen Sorge, dass diese Tradition in der Corona-Pandemie abbricht“, sagt er.

Mit Veränderungen in der Zukunft rechnet auch der Fuldaer : „Es wird künftig eine Mischung geben mit alten Traditionen sowie neuen Dingen, die sich in der Coronazeit entwickelt haben.“ Bereits im vergangenen Jahr habe er von einigen Gläubigen die Rückmeldung bekommen, dass sie den Flurprozessionen gar nicht unbedingt nachtrauern, sondern sich mit Alternativen anfreunden könnten.

Zu den neuen kreativen Ideen gehört in der Stadtpfarrei die „Familienpizza-Aktion“ von 2020, die an Fronleichnam eine Wiederauflage erfahren soll: Eltern und Kinder legen Mini-Blumenteppiche in Pizzakartons, um sie später am Domplatz vor dem Hauptaltar abzulegen.

An dem Festtag, dem 3. Juni, wird es diesmal zudem eine abgespeckte Prozession geben, bei der nur Bischof und Messdiener die Monstranz vom Domplatz zur Stadtpfarrkirche tragen. Am Himmelfahrtstag findet eine Open-Air-Messe im Bischofsgarten mit 150 Gläubigen statt – falls das Wetter hält. „Wir wollen das Beste aus der Situation machen“, sagt Buß.

Pfarrer Rudolf Liebig von der Pfarrgemeinde St. Antonius Künzell äußert Ähnliches: „Wir haben uns mittlerweile daran gewöhnt, mit den Umständen der Pandemie zu leben.“ Zum Schutz der Menschen sei es notwendig, vorsichtig zu sein: „Gerade als Kirche müssen wir mit gutem Beispiel vorangehen.“

Daher gibt es diesmal in der Bittwoche nicht wie üblich jeden Tag Bittprozessionen, dafür aber Gottesdienste unter freiem Himmel. Am Donnerstag findet eine Messe im Pfarrgarten statt. „Notprogramm“ nennt Liebig das pragmatisch. Er weist aber darauf hin, dass am Ende des Himmelfahrt-Gottesdienstes – auch wenn es keine Wallfahrt mit Stationen gibt – dennoch das Allerheiligste ausgesetzt und der sakramentale Segen gespendet wird.

Auch der Eiterfelder Pfarrer Markus Blümel ist bereits dazu übergegangen, die Abendmessen nach draußen zu verlegen: ans Abt-Sauer-Denkmal in Ufhausen oder am Point Alpha zum Beispiel. Auch am Feiertag gibt es zwar keine Prozession, aber eine Messe an den Reckröder Teichen.

Video: Geschichte, Tradition und Brauchtum: Vatertag vs. Christi Himmelfahrt

„Es ist uns Priestern ein Anliegen, rauszugehen und den Himmel zu sehen, um so zum einen die Himmelfahrt Jesu nachspüren zu können und zum anderen auch das Gefühl der Freiheit und der Lösung von den Problemen in der Pandemie zu empfinden – und damit auch eine Ermutigung“, sagt Blümel. Außerdem würden sich die Menschen zurzeit draußen immer noch sehr viel sicherer fühlen als drinnen auf den Kirchenbänken.

Trotzdem bedauert Blümel, dass der eigentliche Charakter der Bittgänge rund um Himmelfahrt wegfällt. Der Pfarrer erinnert an die vor vielen Jahrhunderten entstandene Tradition, an diesem Tag über die Flur und auf die Felder zu gehen, um für eine gute Ernte zu bitten. Dafür sei aber nicht unbedingt ein Priester nötig, sagt Blümel. Warum nicht mal alleine auf weiter Flur oder gemeinsam mit der Familie im Gedenken an die Himmelfahrt Jesu durch die Natur wallen?

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