Arbeiten am Küchentisch oder im Wohnzimmer: Wegen Corona sollen Unternehmen noch mehr Homeoffice möglich machen. (Symbolfoto)
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Arbeiten am Küchentisch oder im Wohnzimmer: Wegen Corona sollen Unternehmen noch mehr Homeoffice möglich machen. (Symbolfoto)

Bußgelder sind möglich

Homeoffice-Pflicht im Corona-Lockdown: So reagieren Fuldas Unternehmen

Arbeiten am Küchentisch oder im Wohnzimmer: Wegen Corona sollen Unternehmen noch mehr Homeoffice möglich machen. Die Bundesregierung erhöht nun den Druck durch eine entsprechende Verordnung. Theoretisch sind auch Bußgelder möglich. Kritiker, unter anderem Michael Konow, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Fulda, warnen vor zu viel Bürokratie.

Region - Unternehmen in Deutschland sollen zumindest vorübergehend über eine neue Verordnung dazu angehalten werden, Beschäftigten in der Pandemie mehr Homeoffice anzubieten. Nach langen Diskussionen über das Thema legte Bundesarbeitsminister Hubertus Heil dem Kabinett eine entsprechende „Corona-Arbeitsschutzverordnung“ vor.

Sie bedarf keiner weiteren Zustimmung und soll nach Angaben des SPD-Politikers voraussichtlich Mitte kommender Woche in Kraft treten. Die Regeln darin sind befristet bis zum 15. März dieses Jahres. Aus der Wirtschaft kommt Kritik, und nicht nur der Koalitionspartner Union warnt vor einem „Bürokratiemonster“.

In der Corona-Verordnung, heißt es wörtlich: „Der Arbeitgeber hat den Beschäftigten im Falle von Büroarbeit oder vergleichbaren Tätigkeiten anzubieten, diese Tätigkeiten in deren Wohnung auszuführen, wenn keine zwingenden betriebsbedingten Gründe entgegenstehen.“ (Bleiben Sie hier mit unserem Corona-Ticker für Hessen auf dem Laufenden).

Neue Homeoffice-Regeln im Corona-Lockdown: Kritik von CDU und CSU aus Fulda

Gabriele Leipold, Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft Fulda sieht diese Corona-Regelung als sinnvoll an. Sie sieht allerdings Probleme bei der Umsetzung. „Dass Arbeitgeber Homeoffice anbieten müssen, ist sinnvoll. Aber im Handwerk ist es in vielen Bereichen gar nicht möglich. Zum Teil geht die Forderung an der Realität vorbei. Da, wo es möglich ist, wird das auch schon von vielen Betrieben praktiziert.“

Außerdem fügt Leipold hinzu, dass die Arbeit im Homeoffice im Corona-Lockdown die Firmen vor Herausforderungen stellt: „Nicht alles lässt sich auf den Heimarbeitsplatz verlagern. Hinzu kommt: Als Arbeitgeber ist man dem Arbeitsschutzgesetz verpflichtet. Der Arbeitnehmerschutz darf nicht außen vor gelassen werden. Da gibt es Vorgaben, die für manche Firmen auf die Schnelle schwer umsetzbar sind. Technisch müssen die Unternehmen für Homeoffice aufrüsten, in diesen unsicheren Zeiten überlegt man sich sowas genau.“ 

Neben Homeoffice-Pflicht: Vorgaben für mehr Infektionsschutz vor Corona am Arbeitsplatz

Vor wenigen Tagen hatte ein Sprecher der Bundesregierung noch gesagt, in Sachen Homeoffice stehe „keine zwingende Regelung auf der Tagesordnung“. Das Arbeitsministerium spricht nun in seinen der Corona-Verordnung beigefügten Erläuterungen von einer „Pflicht“, Homeoffice anzubieten, „soweit dies nach den betrieblichen Gegebenheiten möglich ist“.

Für die Beschäftigten besteht demnach auf der anderen Seite keine Verpflichtung zur Annahme und Umsetzung eines Homeoffice-Angebots. Neben der Heimarbeitsregelung enthält die Corona-Verordnung weitere Vorgaben für mehr Infektionsschutz am Arbeitsplatz, etwa zu Abstand und Masken.

Homeoffice: Nur im Zweifelsfall kontrollieren Behörden und verteilen Bußgelder

Auf die Frage, wie kontrolliert werde, ob Firmen Homeoffice anbieten, riet Heil dazu, dass Arbeitnehmer zunächst mit ihrem Arbeitgeber sprechen sollten oder sich gegebenenfalls an den Betriebsrat oder im Konfliktfall an die Arbeitsschutzbehörden der Länder zu wenden. Nur im Zweifelsfall würden die Behörden kontrollieren und im „allergrößten Notfall“ seien auch Bußgelder möglich. Das stehe aber nicht im Vordergrund, sagte der Minister.

Bei dem Fuldaer Unternehmen Jumo wird die Möglichkeit, im Homeoffice zu arbeiten, bereits gut genutzt. Das sagt Alexandra Dantmann, Personalleiterin bei Jumo. „Wir bieten Homeoffice schon jetzt an: Bei der Frage, wie viele Mitarbeiter das nutzen, muss man aber klar differenzieren. In unseren produzierenden Bereichen vom Wareneingang über die Produktion bis zum Versand ist Homeoffice nicht oder nur sehr eingeschränkt möglich.“ Für die 650 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gelte deshalb bereits seit Beginn der Corona-Pandemie ein konsequentes Hygienekonzept, das regelmäßig angepasst werde.

Video: Pflicht zum Homeoffice? Das bedeutet die neue Verordnung

Dantmann sagte außerdem: „In den administrativen Bereichen (zum Beispiel Personalabteilung, Entwicklung, Vertrieb) arbeiten rund 700 Personen. Für diese haben wir Homeoffice-Möglichkeiten geschaffen. Aktuell nutzen 85 Prozent regelmäßig oder ausschließlich die Möglichkeit, mobil zu arbeiten. Wo es zwingend nötig ist (etwa in der IT-Abteilung), ist eine wechselnde Minimalpräsenz vor Ort gewährleistet. Schwierigkeiten gab es mitunter auf der technischen Seite bei der Verfügbarkeit von Hardware wie Headsets oder Webcams, da war der Markt leer gefegt. Auch an der Stabilität der Internetverbindung scheitert ab und zu eine Videokonferenz.“

Ralph Brinkhaus: „Müssen aufpassen, dass wir kein Bürokratiemonster kriegen“

CDU und CSU tragen als Koalitionspartner in der Bundesregierung Heils Verordnung zwar mit, äußern sich aber kritisch. Beim Thema Homeoffice müsse man „aufpassen, dass wir kein Bürokratiemonster kriegen“, sagte Unionsfraktionschef Ralph Brinkhaus. CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt betonte, es sei klar, dass beim Homeoffice kein individueller und einklagbarer Rechtsanspruch entstehe.

Auch der Vorsitzende der Industrie- und Handelskammer Fulda, Michael Konow, warnt vor unnötiger Bürokratie. „Die Corona-Beschlüsse sind eine Enttäuschung für unsere Wirtschaft. Wir vertreten da dieselbe Meinung wie der Hessische Industrie- und Handelskammertag“, erklärt Konow. Die Fortschreibung pauschaler Geschäftsschließungen bis Mitte Februar sei hart, die wirtschaftliche Lage für die Betriebe der besonders betroffenen Branchen zunehmend schlechter.

Michael Konow: „Die Corona-Beschlüsse sind eine Enttäuschung für unsere Wirtschaft“

Hinzu käme die Ungewissheit, ob der Verzicht und die Schließungen eine Wirkung auf die Infektionszahlen haben. „Die Homeoffice-Pflicht führt zu unnötig viel Bürokratie und Unsicherheit in hessischen Betrieben. Eine eigenverantwortliche Umsetzung wäre sinnvoller. Die staatlichen Ressourcen zur Kontrolle der Homeoffice-Plicht wären besser in die Nachverfolgung von Infektionen investiert“, zitiert Konow Eberhard Flammer, Präsident des Hessischen Industrie- und Handelskammertages.

Kritik kam auch aus der Wirtschaft. Der Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall, Oliver Zander, bezeichnete die beschlossenen Vorgaben für mehr Homeoffice als „inakzeptabel“. Die Vorgaben für mehr Homeoffice überschritten die Grenze der unternehmerischen Selbstbestimmung in unzulässiger Weise, sagte der Bundesgeschäftsführer des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft, Markus Jerger.

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