Martin Gremm ist Geschäftsführer des Esperanto-Hotels in Fulda. Er und sein Team bereiten sich auf mehr Nachfragen vor.
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Martin Gremm ist Geschäftsführer des Esperanto-Hotels in Fulda. Er und sein Team bereiten sich auf mehr Nachfragen vor.

Nach sieben Monaten Pause

Hotels im Kreis Fulda dürfen seit Montag öffnen: So reagieren Hoteliers auf die Corona-Lockerung

  • Sarah Malkmus
    vonSarah Malkmus
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Die Stufe 1 der Hessischen Landesregierung erlaubt Hotels in Hessen die Öffnung für Touristen seit Montag. Ob es deswegen Grund zum Aufatmen gibt oder ob das nur ein Tropfen auf den heißen Stein ist, bewerten Hoteliers im Kreis Fulda in unterschiedlicher Weise. 

Fulda - „Stressig“ nennt Waldemar Neidert, Inhaber der Sieberzmühle, die aktuelle Situation in seinem Hotel in Hosenfeld. Der Frühling wäre eigentlich die Hauptsaison in seinem Hotel gewesen, Corona hat dieser jedoch einen gewaltigen Strich durch die Rechnung gemacht. „Was weg ist, ist weg, das holt man auch nicht wieder“, sagt er gegenüber unserer Zeitung und fügt hinzu: „Sieben Monate sind eine lange Zeit.“ Trotz allem stellt er eine vorsichtig optimistische Prognose für die kommende Jahreszeit: „Der Sommerurlaub im eigenen Land wird stärker gefragt sein, das gibt uns Hoffnung.“

Die Zeit, in der das Hotel geschlossen war – insgesamt sieben Monate – habe man dennoch nicht tatenlos verstreichen lassen, wie der Inhaber berichtet. „Wir haben in unserem Hotel renoviert.“ Seit Montag laufe der Betrieb nun wieder – und habe einen guten Start hingelegt. „Das, was wir belegen dürfen, haben wir auch an Nachfragen.“ (Lesen Sie hier: Diese Lockerungen gibt es nun)

Corona in Fulda: Hoteliers blicken auf die Öffnung für Touristen

Kai Gelhausen, Inhaber des Best Western Plus Konrad Zuse Hotels in Hünfeld, ist indes zwar optimistisch, dass es Hoffnung gebe – „sonst wäre ich nicht mehr hier“ –, dennoch ist er sicher, nichts werde noch einmal wie vor der Pandemie. Besonders schlimm für ihn seien die zahlreichen Restriktionen, „die Gäste erziehen zu müssen“, falle ihm schwer. Außerdem: „Das Bisschen mehr, was wir jetzt beherbergen dürfen, das wird uns auch nicht retten.“ Prognosen, wie es weitergeht, möchte er nicht wagen, denn: „Das ist immer nur der Blick in die Glaskugel.“ (Lesen Sie auch: Durch neues Holiday Inn Express wächst Konkurrenz für Hotels)

Martin Gremm, Geschäftsführer vom Esperanto-Hotel in Fulda, kämpft sich derweil durch die „verwirrende Bürokratie“, die im Zuge der Öffnungen unweigerlich auf ihn zugekommen ist. Dennoch: Er und sein Team sind „guter Dinge. Wir hoffen, dass wir jetzt für immer öffnen dürfen.“ Im Hotel selbst habe man sich gut vorbereitet. Und auch die Nachfrage lasse sich sehen. Seine einzige Befürchtung für den Sommer: „Die Menschen könnten unvorsichtiger werden.“

Uwe Rettig ist Hoteldirektor des Best Western Hotels Rhön Garden in Poppenhausen. Er und sein Team planen, ab dem 14. Juni zu öffnen. Der Grund: „Die Stufe 1 ist weder für die Gäste, noch für uns angenehm.“ Schließlich müssten die Gäste alle zwei Tage getestet werden. „Dieses Spiel wollen wir nicht mitmachen“, sagt er. Wirtschaftlich sei dies außerdem kaum rentabel. Mit der späteren Öffnung hoffe er auf weitere Lockerungen, die es schließlich für sein Team und die Gäste einfacher machen würden. (Mit dem Corona-Ticker für Fulda bleiben Sie auf dem Laufenden)

Video: Außengastronomie in Fulda öffnet nach langer Corona-Pause

Die Stimmung beim Personal sei derweil gut. „Wir stehen in den Startlöchern.“ Ein wenig Ungewissheit schwingt hier jedoch ebenfalls mit: „Ich hoffe, dass wir auch offen bleiben dürfen und dass es im Herbst nicht noch einmal nach hinten losgeht.“ Ob dies noch auszuhalten wäre, ist die Frage, die ihn umtreibt. „Sieben Monate geschlossen und keine Einnahmen, aber die Kosten laufen weiter – das ist eine große Herausforderung.“ In solchen Zeiten könne schließlich auch nichts angespart werden.

Für den Sommer ist Rettig jedoch optimistisch: „Ich bin sicher, dass es gut laufen wird.“ Da das Hotel insbesondere von älterem Publikum nachgefragt werde, mache er sich da weniger Sorgen: „Viele wollen einfach in Deutschland bleiben.“ Nun stehe jedoch erst einmal etwas anderes an: „Das ganze Haus muss vorbereitet werden, wir haben sehr viel zu tun.“

Corona: So reagieren Touristiker auf die Öffnung der Hotels im Kreis Fulda

„Wir freuen uns, dass der Kreis Fulda aus den Bestimmungen der ,Bundesnotbremse‘ gefallen ist und die Stadt Fulda wieder Gastgeber sein darf“, sagt Elisabeth Schrimpf vom Tourismus- und Kongressmanagement Fulda. „Wir möchten allen unseren Besuchern einen Aufenthalt mit hoher Erlebnisqualität bieten.“ Man sei gut gerüstet mit vielen interessanten Angeboten. „Wir und unsere Partner haben alle Hygieneregeln den neuen Bestimmungen angepasst, sodass sich jeder Gast in Fulda sicher fühlen kann und die Barockstadt entspannt genießen kann.“ Da die Inzidenzen im Moment unter 50 seien, freue man sich, bald in die Stufe 2 der Öffnungsperspektive Hessens zu kommen. Blieben die Infektionszahlen stabil auf niedrigem Niveau, könnten schon ab Montag, 7. Juni, Stadtführungen angeboten werden.

„Ich freue mich, dass die Hotellerie wieder öffnen kann“, sagt Dehoga-Vorsitzender Steffen Ackermann. Was er nun von der Politik erwarte, sei die Antwort auf die Frage, was in Stufe 3 und 4 zu erwarten sei. Grundsätzlich ist er jedoch sicher, dass „der Tourismus schnell wieder anlaufen wird“. Sorge bereite ihm lediglich der Tagungs- und Kongressbereich, die Digitalisierung und ihre Möglichkeiten in diesem Bereich hätten Anreize für Unternehmen geschaffen – zulasten der Hotelbranche. Zudem haben nach Ackermanns Schätzungen etwa 30 bis 40 Prozent des Personals die Branche verlassen, auch Anmeldungen für Ausbildungswege seien derzeit rar. In der Summe zeigt er sich jedoch optimistisch: „Zumindest der Individualtourismus wird schnell wieder anziehen.“

Poppenhausens Bürgermeister Manfred Helfrich (CDU), der Vorsitzender des Vereins für Tourismus sowie Sprecher der Touristischen Arbeitsgemeinschaft „Die Rhöner“ ist, sieht die Hotelbranche indes „gut gerüstet“. Die Zeit der Einschränkungen hätten einige Gastgeber genutzt, um ihre Anlagen instand zu setzen, Rücklagen seien dafür sinnvoll genutzt worden. „Sie stellen sich gut, um eine möglichst hohe Nachfrage zu generieren.“ Insgesamt glaubt er außerdem, dass die Menschen auch im Urlaub an ihrem Standard festhalten wollen, sodass sie generell gewillter seien, mehr Geld für ihren Urlaub auszugeben – ein Grund zum Hoffen in der Branche. Der Inlandstourismus werde davon profitieren. Auslandsreisen hingegen würden wahrscheinlich zurückhaltender nachgefragt. Mit großer Sorge blicke er auf den Personalmangel in der Branche. „Viele sahen während der Krise einfach keine Perspektive mehr.“

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