Ein Arzt impft einen Mann in einem Impfzentrum gegen Corona
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Noch ist der Wille im Landkreis Fulda groß, sich gegen Corona impfen zu lassen. (Symbolfoto)

Impfzentrum noch ausgelastet

Corona in Fulda: Hohe Impfbereitschaft im Kreis - aber wie lange noch?

  • Daniel Krenzer
    VonDaniel Krenzer
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Während in Deutschland bereits über Impfanreize diskutiert wird, um einer sinkenden Impfbereitschaft entgegenzuwirken, ist davon in der Region wenig zu spüren. Das Impfzentrum sowie die Ärzte sind derzeit noch gut ausgelastet.

Fulda - „Aktuell sind von rund 180.000 impfberechtigten Personen im Landkreis Fulda 130.000 mindestens einmal geimpft. Knapp 100.000 haben bereits eine Zweitimpfung erhalten“, berichtet Gesundheitsdezernent Frederik Schmitt (CDU). Die Zahlen belegten, dass der Landkreis Fulda mit dem Impfzentrum und den Corona-Impfungen bei Haus- und Fachärzten ein gutes Tempo gegangen sei. „In den kommenden drei bis vier Wochen plant der Landkreis mit jeweils rund 1000 bis 1200 Impfungen im Impfzentrum pro Tag. Alle, die sich registriert haben, sind innerhalb dieses Zeitraums terminiert“, führt Schmitt aus.

Neue Anmeldungen kämen aktuell allerdings kaum hinzu. Das heißt: Derzeit sieht es danach aus, dass die Zahl der Erstimpfungen in drei bis vier Wochen spürbar zurückgehen könnte. „Deshalb appellieren wir an die Bürgerinnen und Bürger: Vereinbaren Sie einen Termin im Impfzentrum oder bei Ihrem Hausarzt. Bei einer Registrierung über das Landesportal erhalten Sie aktuell zügig einen Impftermin“, betont Schmitt.

Corona in Fulda: Hohe Impfbereitschaft im Kreis - aber wie lange noch?

In den hessischen Impfzentren sind zuletzt bis zu einem Drittel der vereinbarten Termine nicht wahrgenommen worden. Dies liege nur selten daran, dass sich Menschen plötzlich doch gegen eine Impfung entscheiden würden. Meistens hätten sie sich an mehreren Stellen für eine Impfung angemeldet und dann den frühestmöglich verfügbaren Termin wahrgenommen. Darauf verwies unter anderem Axel Wintermeyer (CDU), Chef der Staatskanzlei in Wiesbaden. Andere Anmeldungen seien bei einer Zusage unverzüglich abzusagen, appellierte der Minister.

„Insgesamt ist aktuell eine hohe Impfbereitschaft festzustellen“, teilt das Hessische Ministerium für Soziales und Integration auf Nachfrage unserer Zeitung mit. Konkrete Überlegungen, wie die Impfnachfrage hochgehalten werden kann (zum Beispiel mit Gewinnspiel-Losen als Corona-Impfanreiz), gibt es offenbar nicht. „Wir beobachten die Lage sehr genau, gegebenenfalls wird über weitere Maßnahmen nachzudenken sein“, schreibt das Ministerium – und fügt an: „Bußgelder für nicht wahrgenommene Termine erscheinen auch im Hinblick auf die Freiwilligkeit der Wahrnehmung von Impfangeboten nicht als sinnvoll.“

Terminabsage

Das Land Hessen bittet die Bürger, fürs Impfzentrum gebuchte Termine nicht einfach verfallen zu lassen, falls sie diese nicht wahrnehmen können oder wollen. Wer etwa die Chance auf eine frühere Impfung bei Hausarzt oder Hausärztin erhält, möge zeitnah die Registrierung für den Termin im Impfzentrum löschen, heißt es im Informationsportal der Landesregierung. Eine reine Terminstornierung sei nicht ausreichend. Der Account bleibe sonst bestehen und die so registrierten Bürger bekämen automatisiert einen neuen Impftermin zugewiesen.

Die Landesregierung verweist zugleich auf die Bedeutung der Impfungen: „Mit der Löschung Ihrer Registrierung zeigen Sie sich solidarisch, da der Termin somit anderen Bürgerinnen und Bürgern, die noch nicht geschützt sind, zur Verfügung steht.“

Für die Löschung einer Registrierung sind die Vorgangskennung und das Passwort notwendig. Wer sich nicht über das Online-Terminvergabeportal des Landes registriert hat, kann den Termin gegebenenfalls auch im Call-Center stornieren unter (0611) 505 92 888.

Mit Sonderaktionen wollen hessische Kommunen mehr Menschen für die Teilnahme an Impfungen gewinnen. Dafür setzen sie etwa auf mobile Impfteams, die in einzelnen Stadtteilen bereitstehen und auch Menschen ohne Voranmeldung die Impfdosen verabreichen.

Video: Landes-Kassenarztchef fordert massive Einschränkungen für Ungeimpfte

Der Main-Kinzig-Kreis etwa hatte die Aktion „Dein Pflaster“ ins Leben gerufen, bei der ein Impfbus in verschiedenen Quartieren, wie etwa in Schlüchtern, auf Impf-Interessenten wartet.

Hönscher: Wegen Sorge vor Delta-Variante möchten sich viele nun doch impfen lassen

fuldaerzeitung.de hat Ralph-Michael Hönscher, Vorstandsvorsitzender des Gesundheitsnetzes Osthessen, gefragt, wie sich zuletzt die Impfbereitschaft der Patienten entwickelt hat, mit welchen Impfstoffen derzeit geimpft werde und mit welchen nicht. Dazu nannte Hönscher auch die Gründe.

Wie hat sich in den vergangenen Wochen das Impfprozedere in den Hausarztpraxen eingespielt?
Das hat sich alles soweit gut eingespielt, wir haben in unserer Praxis inzwischen etwa 2000 Menschen geimpft. Schwierig wird es immer dann, wenn Patienten Änderungswünsche haben oder ihren Termin vergessen. Die Impfdosen sind genau kalkuliert, das ist dann immer ein großer organisatorischer Aufwand fürs Team, in solchen Fällen alles passend umzudisponieren. 
Wie hat sich zuletzt die Impfbereitschaft der Patienten entwickelt?
Die Impfbereitschaft ist weiterhin hoch. Nicht zuletzt die Sorgen vor der Delta-Variante haben dazu geführt, dass sich viele nun doch impfen lassen möchten. Bei uns kommen noch viele Anfragen für Erstimpfungen ein, zudem haben wir noch einige Zweitimpfungen fest eingeplant.
Mit welchen Impfstoffen wird derzeit geimpft, mit welchen nicht – und was sind die Gründe dafür?
Wir impfen inzwischen ausschließlich mit Comirnaty, dem Impfstoff von Biontech. Wer zuerst Astrazeneca bekommen hat, bekommt nun auch den mRNA-Impfstoff. Zum einen lautet inzwischen die Empfehlung dementsprechend, zum anderen wollen die Patienten auch gezielt diesen Impfstoff haben. Soweit ich weiß, impfen nur noch einzelne Ärzte in der Region mit AstraZeneca.

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