Eine Betriebsimpfung bei der RhönEnergie
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Bei der RhönEnergie in Fulda sind die Corona-Impfungen am Donnerstag losgegangen.

Kritische Infrastruktur

Landkreis Fulda startet Pilotprojekt: Seit dieser Woche wird in Betrieben gegen Corona geimpft

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  • Sabrina Mehler
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  • Eike Zenner
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  • Norman Zellmer
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In einigen Unternehmen der Region werden seit dieser Woche nicht nur im übertragenen Sinne die Ärmel hochgekrempelt, sondern wortwörtlich: Der Landkreis Fulda hat ein Pilotprojekt gestartet, bei dem erstmals Mitarbeiter der sogenannten kritischen Infrastruktur im Betrieb geimpft werden.

Fulda - Nach dem Corona-Impfzentrum in der Esperantohalle und den niedergelassenen Ärzten werden jetzt auch Unternehmen als dritte Säule in die Impfstrategie des Landkreises Fulda eingebunden. In Pilotprojekten erhalten dieser Tage Mitarbeiter von Unternehmen, die in die kürzlich geöffnete Priorisierungsgruppe 3 fallen, den Piks in den Oberarm.

Das sind unter anderem Betriebe in den Bereichen Logistik, Energieversorgung, Transportwesen, Medien und Lebensmittelwirtschaft; insgesamt sind derzeit mindestens acht Unternehmen dabei: die RhönEnergie, K+S, Zufall, der Verlag Parzeller und Osthessennews, die Bäckereien Pappert und Happ sowie RhönSprudel. Bereits am Montag hatte der Landkreis Fulda begonnen, die Feuerwehrleute gegen Corona zu impfen.

Corona in Fulda: Landkreis startet Pilotprojekt für Betriebsimpfungen

Die Unternehmen werden über den Landkreis Fulda beziehungsweise das Impfzentrum mit den Impfstoffen von Biontech und Moderna versorgt. Zunächst sind das insgesamt 1000 Dosen in dieser und der kommenden Woche. Während der Kreis außerdem eine Kraft für die Dokumentation abstellt, organisieren die Betriebe selbst den Ort, die Impfstruktur und auch die Ärzte. Sie legen ebenfalls selbst fest, welche Mitarbeiter wann geimpft werden. (Lesen Sie hier: Corona-Experte aus Fulda verteidigt Impfstoff Astrazeneca: „Impfung ist unsere einzige Chance“)

Von dem Modellversuch verspricht sich der Landkreis Erkenntnisse, wie effizient und effektiv die betriebliche Impfung ist: „Wir erwarten, dass die Wege kurz und schnell sind und dass wir deshalb in wenig Zeit möglichst viel verimpfen können“, sagt Erster Kreisbeigeordneter und Gesundheitsdezernent Frederik Schmitt (CDU). Zudem soll bewertet werden, wie gut die Organisation läuft. Von zwei Unternehmen, die bereits Anfang dieser Woche mit den Impfungen begonnen hatten, habe es positive Rückmeldungen gegeben.

Auch die Mitarbeiter der Spedition Zufall werden im Rahmen des Pilotprojekts geimpft.

Das Unternehmen Papperts in Poppenhausen hatte am Dienstag mit Corona-Schutzimpfungen der ersten Mitarbeiter begonnen, wie Marketingleiter Thomas Bertz berichtete. Sämtliche 55 vom Landkreis zugeteilten Dosen seien von einem mobilen Impfteam des Kreises und dem Betriebsärztlichen Dienst verimpft worden, nachdem zuvor das Unternehmen eine Priorisierungsliste erstellt und die Impfkampagne mithilfe des Landkreises organisiert hatte. (Mit dem Corona-Ticker für Fulda bleiben Sie auf dem Laufenden.)

Das Unternehmen Papperts in Poppenhausen hatte am Dienstag mit den Corona-Impfungen begonnen.

Bei der RhönEnergie in Fulda ist es am Donnerstag losgegangen: „Unsere Belegschaft ist täglich im Einsatz, um die Region am Laufen zu halten. Deswegen freuen wir uns über das Angebot für Kolleginnen und Kollegen in besonders relevanten Funktionen der Energieversorgung und des ÖPNV und sind sehr dankbar für dieses Pilotprojekt“, sagt Martin Heun, Sprecher der RhönEnergie Fulda. „So kommen wir gemeinsam Schritt für Schritt zurück in die Normalität.“ 

Video: Helge Braun (CDU): Konkrete Erleichterungen für Geimpfte in Aussicht

Sollte das Pilotprojekt erfolgreich sein, soll dies auf weitere Unternehmen, die ebenfalls zur kritischen Infrastruktur beziehungsweise der Priorisierungsgruppe 3 zählen, ausgeweitet werden. Das hänge aber auch von den gelieferten Impfstoffmengen ab, sagt Schmitt, der davon ausgeht, dass neben der Einhaltung der AHA-Regeln die Erhöhung des Impftempos entscheidend ist. Derzeit hätten kreisweit 60.000 Personen eine Erstimpfung erhalten, und mittlerweile gebe es erste Anzeichen, dass die dritte Welle im Kreis abklinge und der dauerhafte Anstieg der Inzidenzzahlen gestoppt sei. (Lesen Sie hier: Corona-Impfungen: Jetzt starten die Hausärzte in Osthessen - Nachfrage nach Terminen ist riesig)

Frisch geimpft: Pförtner Arno Halbleib und Werksärztin Dr. Almuth Kramer-Trautwein. Im Hintergrund Werkleiter Roland Keidel.

Im Rahmen des Pilotprojekts hat der Landkreis Fulda auch dem K+S-Standort Neuhof-Ellers in einem ersten Schritt 110 Corona-Impfdosen zur Verimpfung an die Belegschaft zur Verfügung gestellt. Werksleitung und Betriebsrat haben, so erklärt K+S, „nach objektiven Kriterien die in Frage kommende Personengruppe dafür festgelegt und den Mitarbeitern eine freiwillige Impfung angeboten“. Die ausgewählten Personen haben die Impfungen am Dienstag vom medizinischen Dienst vor Ort erhalten.

Die erste Impfung erhielt der im Werk als Pförtner beschäftigte Arno Halbleib, der sich über die Einladung der Werksleitung zur Impfung ganz besonders freute: „Heute ist mein Geburtstag. Ein schöneres Geschenk hätte man mir nicht machen können.“

Auch bei RhönSprudel wird geimpft.

Als systemrelevantes Unternehmen der Lebensmittelindustrie haben am Donnerstag auch 110 Mitarbeiter des Mineralbrunnens RhönSprudel ihre erste Corona-Schutzimpfung am Betriebsstandort in Weyhers erhalten. „Wir sind sehr erleichtert, dass wir jetzt den überwiegenden Teil unserer Mitarbeiter mit dem Angebot der Erstimpfung gegen das Coronavirus potenziell vor schwerwiegenderen Krankheitsverläufen schützen können. Unser Dank geht insbesondere an das Organisations- und Ärzteteam, welche die Infrastruktur und Logistik für die Impfaktion innerhalb kürzester Zeit auf die Beine gestellt haben“, erklärt Christian Schindel, geschäftsführender Gesellschafter von RhönSprudel.

In der kommenden Woche soll auch bei der Spedition Dröder geimpft werden.

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