Mediziner aus Fulda geben Antworten auf häufig gestellte Fragen zur Corona-Impfung.
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Mediziner aus Fulda geben Antworten auf häufig gestellte Fragen zur Corona-Impfung.

„Soll ich mich impfen lassen?“

FAQ zur Corona-Impfung: Experten aus Fulda beantworten häufig gestellte Fragen

  • Volker Nies
    vonVolker Nies
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Wie sinnvoll ist eine Corona-Impfung? Und wie groß sind die Risiken - auch beim Impfstoff von AstraZeneca? Diese Fragen beschäftigen die Menschen in der Region. Mediziner geben Antworten.

Fulda - Sechs Mediziner haben bei einer Telefonaktion von Stadt und Landkreis Fulda Fragen zur Corona-Impfung beantwortet. Dabei standen die Telefone nicht still. Einige Fragen haben besonders viele Anrufer gestellt.

Sollten sich auch Patienten mit geschwächtem Immunsystem impfen lassen?
PD Dr. Carsten Schmidt: Die Stärke des Immunsystems lässt sich im klinischen Alltag nur eingeschränkt bestimmen. Dennoch ist es unstrittig, dass viele Erkrankungen (wie Tumorerkrankungen, Diabetes) und Therapien (wie mit Cortison, immunsuppressiven Medikamenten oder Chemotherapien) die „Abwehrkräfte“ schwächen. Grundsätzlich wird eine Impfung dieser Patienten mit Totimpfstoffen als sicher und effektiv betrachtet. Dazu zählen sowohl die mRNA-Impfstoffe (von BioNTech/Pfizer und Moderna) als auch die Vektorimpfstoffe der Firmen AstraZeneca und Johnson & Johnson.
Ob immunsupprimierte Patienten eine geringere Ansprechrate auf die Impfung zeigen, ist bisher nicht ausreichend untersucht. Ganz sicher ist jedoch eine Impfung besser als der Verzicht darauf, gerade weil eine erhöhte Gefährdung aufgrund der Einschränkungen des Immunsystems besteht. Zukünftige Untersuchungen werden zeigen, ob bei einzelnen Patienten eine zusätzliche Impfung sinnvoll und notwendig ist.

FAQ zur Corona-Impfung: Experten aus Fulda beantworten häufig gestellte Fragen

Wie steht es um die Impfungen bei den niedergelassenen Ärzten?
Dr. Margitta Moalem: Wir als niedergelassene Allgemeinmediziner und -medizinerinnen sind vorbereitet auf die Impfaktion gegen Covid-19* und warten schon sehnsüchtig darauf. Gerade unsere Hausbesuchspatienten sind bisher im Regen stehengelassen worden und haben bisher noch keine Impfung erhalten, obwohl sie in die Risikogruppe 1 fallen. Sie warten sehnsüchtig darauf, dass wir endlich impfen dürfen. Die Hausärzte beweisen jedes Jahr bei der Grippeimpfung, dass sie in der Lage sind, Millionen Dosen innerhalb von kurzer Zeit zu verimpfen.
Auch gerade für ältere Patienten sind kurze Wege zur Impfung wichtig. Ein großes Problem derzeit stellt aber noch die Bürokratie dar, die mit der Verimpfung einhergeht. Hier würden wir uns wünschen, dass von politischer Seite eine Vereinfachung der Dokumentation erreicht wird. Wir können auf jeden Fall versichern: Wenn genügend Impfstoff da ist, dann stehen wir bereit zum Impfen.
Soll ich mich überhaupt gegen Corona impfen lassen?
Prof. Dr. Peter Kern: Das ist eine Frage, die derzeit wegen der Diskussion um den AstraZeneca Impfstoff viele bewegt. Wie oft in aufgewühlten Situationen geht der Sinn für das Große und Ganze verloren. Wir sind mitten in der Pandemie. 2,6 Millionen Menschen in Deutschland waren bereits nachweislich infiziert, die Dunkelziffer der tatsächlich Infizierten wird auf 10 bis 15 Millionen geschätzt – ein Sechstel der Bevölkerung. Hätten wir die Pandemie ungebremst laufen lassen, dann hätte sie drei bis vier Monate gebraucht und 450.000 Menschen getötet. Bisher sind 75.000 Todesopfer zu beklagen – ein Sechstel der Modellrechnung.
Bisher ist es uns also nur gelungen, das Sterben zu verzögern. Aber wir haben Zeit gewonnen, Impfstoffe zu entwickeln. Nur eine schnelle, flächendeckende Impfung kann das Leben der anderen fünf Sechstel retten. Es gibt nur einen Weg zu überleben: Immun werden. Und es gibt nur zwei Wege, immun zu werden: Infektion oder Impfung. Deshalb sollen, deshalb müssen Sie sich impfen lassen!

Diese Fragen zur Corona-Impfung werden häufig gestellt - Mediziner aus Fulda antworten

Sollten sich Schwangere impfen lassen? Und was ist mit Tumorpatienten?
Dr. Stephan Born: Schwangere sollten sich nicht impfen lassen. Sehr wahrscheinlich besteht kein Risiko für die Schwangere und ihr Kind, aber es gibt noch keine Studien über die Verträglichkeit bei Schwangeren. Die Ständige Impfkommission empfiehlt deshalb, Schwangere nicht zu impfen, solange keine Daten vorliegen. Wenn eine Schwangere versehentlich geimpft wurde, dann ist das nicht schlimm. Ausdrücklich empfohlen wird, dass sich das Umfeld einer Schwangeren durch eine Impfung schützt. Zwei Menschen aus dem Umfeld – etwa der Vater und die im gleichen Haus lebende Mutter der Schwangeren – rücken in die Prioritätsgruppe 2 auf.
Impfen lassen sich nach Rücksprache mit ihrem Arzt auch Tumorpatienten, selbst bei laufender Chemotherapie. Sie werden bevorzugt geimpft. Auch frühere Krebspatienten, deren Behandlung bis zu fünf Jahren zurückliegt, gehören zur Priorisierungsgruppe 2 und werden bevorzugt geimpft.

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Ich hatte bereits mehrfach eine Thrombose. Kann ich mich bedenkenlos gegen Corona impfen lassen?
Dr. Florian Kircher: Patienten, die an Covid-19 erkranken, haben ein deutlich erhöhtes Thromboserisiko. Ein großer Teil der Todesfälle bei Covid-19 sind auf thromboembolische Ereignisse zurückzuführen. Insofern ist die Corona-Impfung bei Patienten mit erhöhtem Risiko für Thrombose besonders wichtig. Die in Deutschland zugelassenen Impfstoffe haben bislang kein erhöhtes Risiko für Thrombosen gezeigt.
Wie die aktuellen Meldungen um den Imfstoff von AstraZeneca genau zu bewerten sind, kann erst nach Abschluss der aktuellen behördlichen Prüfung sicher gesagt werden. Die Äußerung des Paul-Ehrlich-Instituts deutet an, dass es sich jedoch nicht um „klassische“ Thrombosen, die meist die tiefen Beinvenen treffen, gehandelt habe, sondern um eine Erkrankung der Thrombozyten mit Ausbildung einer Venenthrombose im Gehirn. Sollte sich dies bestätigen, bestünde für Patienten mit Thromboseneigung auch beim Impfstoff mit AstraZeneca kein erhöhtes Thromboserisiko.
Wann werde ich geimpft? Und mit welchen Impfstoff?
Ralph-Michael Hönscher: Die Antwort darauf ist nicht einfach, da zu wenig Impfstoff vorhanden ist und bislang nicht möglich ist, Patienten in Praxen zu impfen. Sehr viele Hausärzte warten sehnsüchtig darauf, ihre Patienten zu impfen. Die aktuelle Entwicklung mit dem Impfstopp für AstraZeneca, der prädestiniert für die Arztpraxen wäre, vergrößert das Problem. Die Ärzte müssen also weiter die Priorisierung der Impfverordnung einhalten. Jetzt stehen nur die Impfstoffe von Biontech und Moderna zur Verfügung. Die Patienten dürfen sich aber darauf verlassen, dass wir niedergelassenen Ärzte weiter dafür kämpfen, schnellstmöglich Anlaufstelle für Impfungen zu werden.
Patienten, die nun auf eine zweite Impfung mit AZ warten oder bereits einen Impftermin haben, bitte ich darum, Geduld zu haben. „Es macht keinen Sinn, für die zweite Impfung einen anderen Impfstoff zu verwenden und es können nicht alle Patienten auf etwa Biontech getauscht werden. Es wird sicher nicht jeder den Impfstoff erhalten, der auf seiner Wunschliste steht.

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