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In Hessen wird seit dem 1. September die dritte Corona-Impfung verabreicht. Doch das Fuldaer Impfzentrum sowie einige Hausärzte bieten die Auffrischung nicht an.

Debatte um dritten Piks

Corona in Fulda: Warum das Impfzentrum und viele Hausärzte keine Auffrischimpfung anbieten

  • Sarah Malkmus
    VonSarah Malkmus
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Seit dem 1. September wird in Hessen die dritte Corona-Impfung verabreicht. Das Impfzentrum Fulda bietet die Auffrischung jedoch nicht an. Ebenso längst nicht jeder Hausarzt. 

Kreis Fulda - Knapp neun Monate ist es her, da haben die ersten Menschen aus dem Landkreis Fulda im Impfzentrum den ersten Piks gegen das Coronavirus bekommen. Wenige Wochen später folgte der zweite. Landauf, landab wird – mit Blick auf die Virusmutationen und den mit der Zeit vermutlich nachlassenden Impfschutz – über Auffrischungsimpfungen diskutiert. Der Bund empfiehlt einen solchen dritten Piks, die Ständige Impfkommision (Stiko) bislang noch nicht.

Im Impfzentrum Fulda wird es solche Auffrischungsimpfungen gegen das Coronavirus nicht geben. Das teilte der Landkreis Fulda jüngst in einer Pressemitteilung mit. „Im Hinblick auf die Tatsache, dass gegenwärtig noch keine Empfehlung der Stiko zur Auffrischungsimpfung vorliegt, hält es der Landkreis für sinnvoll, dass sich Interessierte zunächst mit dem Hausarzt in Verbindung setzen, um das weitere Vorgehen zu besprechen“, heißt es darin. Dem sei nichts hinzuzufügen, erklärte der Landkreis auf Nachfrage, ob die geplante Schließung des Zentrums September dabei ebenso eine Rolle spiele.

Corona in Fulda: Darum bieten Impfzentrum und Hausärzte keine dritte Impfung an

Siegfried Quast aus Gläserzell, Leser der Fuldaer Zeitung, ist ob dieser Tatsache wütend: „Ich fühle mich verarscht“, sagt der 81-Jährige gegenüber unserer Zeitung. Als er gelesen habe, dass Drittimpfungen für über 80-Jährige, deren Zweitimpfung mindestens sechs Monate zurückliegt, am 1. September in Hessen starten, hat er sich sofort auf den Weg ins Impfzentrum in Fuldaer Esperanto gemacht, schließlich erfülle er die Kriterien für die Auffrischung. Dort habe man ihn jedoch abgewiesen und zum eigenen Hausarzt geschickt. Auch von diesem habe er eine Abfuhr erhalten. (Lesen Sie auch: Jens Spahn stellt sich Fragen des Klinikum-Personals - „Wir impfen das Land zurück in die Freiheit“)

„Ich bin in Not und niemand hilft“, betont Quast, der berichtet, zur Hochrisikogruppe zu zählen. Auch der Anruf bei einem anderen Hausarzt habe sich als vergeblich erwiesen. Begründung: Man könne lediglich die eigenen Patienten impfen.

Ralph-Michael Hönscher, Vorstandsvorsitzender des Gesundheitsnetzes Osthessen (GNO), berichtet, dass einige seiner Kollegen die Drittimpfungen aufgrund des immensen Arbeitsaufwandes, der damit einhergehe, nicht anbieten. Dass sich dies nachteilig auf deren Patienten, die altersbedingt eine Auffrischimpfung benötigten, auswirken kann, sei klar.

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Er und sein Team wiederum bereiteten sich indes auf die Boosterimpfungen, wie die Auffrischung auch genannt wird, vor – jedoch ebenfalls nur für die eigenen Patienten. Die Nachfrage sei groß, berichtet er. Ab Mitte kommender Woche soll es losgehen. Voraussetzung: Die Zweitimpfung liegt mindestens sechs Monate zurück und der Impfwillige ist über 80. Dass jeder eine Auffrischung benötige, davon gehe er nicht aus. „Ich denke, dass der dritte Piks ab 60 Jahren sinnvoll ist.“

Darüber hinaus – so berichtet Vorstandsvorsitzende Hönscher – beginnen die niedergelassenen Hausärzte zudem mit den Drittimpfungen in den Pflegeheimen. Wie das genau vonstatten gehen soll, dazu hat Christoph Schwab, Vorstandsvorsitzender des DRK Kreisverbandes Fulda, noch keine Information. Er erklärt: „Wir warten auf weitere Informationen.“ Das Bundesministerium für Gesundheit hatte geäußert, dass etwa mobile Impfteams die Auffrischungen in Pflegeheimen übernehmen könnten.

Siegried Wieder, Pressesprecherin der AWO Nordhessen, berichtet, die Abfragen, wer von den Bewohnern eine Boosterimpfung wünscht, liefen derzeit. Die Impfungen würden dann die Hausärzte der jeweiligen Bewohner übernehmen. Die Organisation dafür übernähmen die Heime. „Sollte ein Hausarzt die Drittimpfung verweigern, dann obliegt es dem Bewohner, sich einen anderen Arzt zu suchen“, sagt sie zudem.

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