Ein kleiner Pieks und schon ist die Covid-19-Impfung erledigt. Ehrenamtler helfen nun Fuldaern beim Impftermin.
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Ein kleiner Pieks und schon ist die Covid-19-Impfung erledigt. Ehrenamtler helfen nun Fuldaern beim Impftermin.

Eine Reportage

Mit einem Lotsen zum Impfzentrum Fulda: So unterstützen ehrenamtliche Helfer Senioren beim Corona-Piks

  • Michel Ickler
    vonMichel Ickler
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Vor allem für Senioren ist der Weg ins Corona-Impfzentrum eine Herausforderung. Die Gemeinden im Landkreis Fulda vermitteln Impflotsen, die Betroffene begleiten.

Fulda - Nicole Brähler greift nach der Spritze, die in einer ovalen Schüssel aufbewahrt wird. Sie ist Pflegefachkraft in Fulda und hilft im Corona-Impfzentrum, das Mitte Januar an den Start ging. Der Impfwillige Siegfried Quast hat bereits auf dem Stuhl Platz genommen. Er möchte den Coronavirus-Impfstoff am linken Oberarm injiziert bekommen. Ein Stich. Nach wenigen Sekunden ist der durchsichtige Covid-19-Impfstoff von Biontech/Pfizer verimpft.

Brähler zieht die Nadel aus dem Oberarm und drückt kurz auf die Einstichstelle. „Ich habe nichts gespürt“, sagt der 80-Jährige. Brähler lacht. Es ist unübersehbar – trotz der Schutzmaske, die sie den ganzen Tag über trägt. Nach einem kurzen Gespräch trennen sich die Wege. Der Gläserzeller hat es geschafft. Für ihn ist es schon die zweite Impfdosis gegen das Coronavirus. Jetzt ist es kurz vor 12 Uhr.

Corona-Impfzentrum Fulda: Impflotse und Impfwilliger werden zum Duo

Vor gut einer Stunde war Quast noch zu Hause, und es klingelt an seiner Tür. Es ist 11 Uhr. Es ist Thomas Halsch von der Freiwilligen Feuerwehr Bernhards. Er fungiert als Impflotse für die Stadt Fulda. „Haben Sie alle Dokumente, Herr Quast?“ „Natürlich. Ich bin bereit“, entgegnet er. Bewaffnet mit dem Personalausweis, dem gelben Impfpass, der Krankenversicherungskarte und der Terminbestätigung steigt er in den Bus der Feuerwehr. Jeder Handgriff von Halsch sitzt.

Siegfried Quast erhielt die Corona-Impfung von Pflegefachkraft Nicole Brähler.

Für die kommenden eineinhalb Stunden geben die beiden ein perfektes Duo ab. Wie Winnetou und Old Shatterhand, Sherlock Holmes und Dr. Watson oder Bud Spencer und Terence Hill starten sie das Abenteuer Impfen. Über Horas steuert Halsch den Wagen gen Corona-Impfzentrum in der Waideshalle. Auf der Fahrt kommt ein lockeres Gespräch zustande.

In Fulda angekommen, geht alles ganz schnell. Ein schwarzhaariger Mann mit blauem Pullover fordert Quast und Halsch am Eingang auf, sich Fieber messen zu lassen. Nach wenigen Sekunden steht fest: kein Fieber. Die beiden dürfen das Corona-Impfzentrum betreten.

Impflotsen helfen Fuldaer Bürgern: Senioren werden im Impfzentrum nicht alleine gelassen

In der Halle ist es angenehm warm. Helfer sind vor Ort. Sie betreuen die Neuankömmling und leiten sie durch das Labyrinth an Trennwänden. Auch wenn die Corona-Masken die Gesichter verdecken und eine Begrüßung per Handschlag untersagt ist – in der Halle macht sich eine gewisse Euphorie breit.

Nett, hilfsbereit und gut organisiert sind die Mitarbeiter. Am Empfang kramt Quast in seinen Unterlagen. Er zieht ein weißes Blatt hervor. Es ist die Terminbestätigung. Impflotse Halsch schaut sich alles genau an und unterstützt den Impfwilligen bei der Anmeldung. (Lesen Sie hier: Alle Corona-Impfzentren in Hessen geöffnet: 180 Impfungen in Hanau und Gelnhausen - Minister: „Langsamer Start“)

Video: Corona-Impfstoffe im Vergleich: Was können Biontech, Moderna und Astrazeneca?

Hinter dem Empfang befinden sich nummerierte Kabinen. Eine Dame vom Impfzentrum führt den 80-Jährigen in einen Raum, den Dr. Hans Schwind sein Eigen nennt. Der pensionierte Arzt kommt Quast sofort bekannt vor. Schwind hatte einst eine eigene Praxis. Kurz sprechen die beiden über Privates, ehe der Arzt das Aufklärungsgespräch beginnt. Gemeinsam gehen sie die Medikamente durch, die Quast täglich einnimmt.

Danach wird der 80-Jährige zu Nicole Brähler gelotst, die bereits den Impfstoff von Biontech/Pfizer bereithält. Nach dem Piks gibt es ein Pflaster und eine kurze Ruhepause. „Ich bin begeistert. Ich musste mir überhaupt kein Stress machen“, sagt Quast, bevor Halsch die Tür des Feuerwehrautos schließt und ihn wieder nach Gläserzell fährt.

So läuft Fahrt zum Corona-Impfzentrum im Main-Kinzig-Kreis: Quittungen für Taxi-Fahrten

Wer nicht mobil ist und keinen Angehörigen hat, der ihn oder sie ins Impfzentrum bringen kann, kann einen Taxi-Dienst in Anspruch nehmen und seine Quittung beim Kreis einreichen. Zudem steht Personal im Impfzentrum bereit, falls jemand Hilfe bei der Orientierung vor Ort benötigt. Seit Beginn der Impfaktion haben sich laut Pressestelle viele Menschen gemeldet, die von der Organisation und den Hilfen regelrecht begeistert waren.

„Aus den Äußerungen geht hervor, wie unsicher die Frauen und Männer vor ihrem Impftermin gewesen sind, ob sie sich zurechtfinden würden, ob sie sehr lange würden warten müssen, ob sich jemand die Zeit nehmen würde, ihnen zur Seite zu stehen und individuelle Fragen zu beantworten“, sagt Pressesprecher Frank Walzer. Wer aufgrund seiner Konstitution nicht ins Impfzentrum kommen kann, für den gebe es die Möglichkeit einer Impfung durch ein mobiles Einsatzteam. „Dazu können derzeit jedoch noch keine Termine gemacht werden“, ergänzt Walzer. 

Fachstelle Prävention im Alter: Im Vogelsberg gibt es ein Hilfetelefon

„Unsere Fachstelle Prävention im Alter unterstützt die Vogelsbergerinnen und Vogelsberger, die Schwierigkeiten haben, das Impfzentrum in Alsfeld zu erreichen, denn nicht alle Senioren können selbst zur Impfung fahren, und nicht jeder hat Familie vor Ort, die diesen Fahrdienst übernehmen kann“, erklärt Landrat Manfred Görig (SPD).

Dafür hat der Vogelsbergkreis ein Hilfetelefon eingerichtet. Senioren, die einen Fahrdienst benötigen, können sich direkt an die Fachstelle Prävention im Alter wenden. Bisher sind rund 30 Anrufe von Betroffenen eingegangen, die einen Fahrdienst zum Impfzentrum benötigten. 

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