Corona: Jüngere ­liegen in der Statistik an der ­Spitze - auch wegen mehr Tests.
+
Die Zahl der Corona-Neuinfektionen im Kreis Fulda stieg die vergangenen Tage rasant an. Bei den positiv Getesteten handelt es sich meist um junge Ungeimpfte. (Symbolfoto)

Hohe Inzidenz in Fulda

Viele Corona-Infizierte sind jung und nicht geimpft - Lage in Krankenhäusern vergleichsweise ruhig

  • Daniel Krenzer
    VonDaniel Krenzer
    schließen

Während der Landkreis Fulda mit einer Inzidenz von 83,4 am Freitag (20. August) hessenweit vorne lag, hat auch der Main-Kinzig-Kreis die 50er-Marke überschritten. Trotz der hohen Fallzahlen gibt es aktuell nur wenige schwere Verläufe, und fast alle der positiv Getesteten sind nicht vollständig geimpft.

Fulda/Gelnhausen - 58 neue Infektionen vermeldete der Landkreis Fulda am Freitag, was die Inzidenz auf mehr als 80 schnellen ließ. Ab Montag gilt eine neue Allgemeinverfügung des Kreises mit strengeren Corona-Regeln – vor allem mit einer erweiterten Nachweispflicht für Innenräume.

Kommen weiterhin so viele Fälle wie in den vergangenen Tagen hinzu, könnte alsbald auch die 100er-Inzidenzmarke überschritten werden, ab der das Land Hessen weitere Regeln vorsieht – wie Kontaktbeschränkungen für Ungeimpfte, eine strengere Maskenpflicht, weitere 3G-Nachweispflichten sowie der generellen Empfehlung, alle Mitarbeiter soweit möglich ins Homeoffice zu schicken.

Corona in Fulda: Höchste Inzidenz in Hessen - Junge Ungeimpfte oft positiv

Laut Pressestelle des Landkreises waren von den seit Anfang des Jahres positiv Getesteten lediglich 1,65 Prozent bereits durchgeimpft, 6,82 Prozent waren einmal geimpft, der Rest ungeimpft. Beobachtungen aus Nordrhein-Westfalen, aber auch aus Israel lassen darauf schließen, dass bei einer Impfquote von etwa 60 bis 70 Prozent lediglich 10 bis 15 Prozent der Corona-Patienten mit schweren Verläufen durchgeimpft sind. Das bestätigt auch der Landkreis: „Regelhaft haben die geimpften Personen keine oder milde Symptome. Schwere Verläufe unter geimpften Personen gab es seit Januar nur im niedrigen einstelligen Bereich.“

Trotz der steigenden Fallzahlen ist die Situation in den Krankenhäusern seit Wochen vergleichsweise entspannt, was die Behandlung von Corona-Patienten betrifft. Im Landkreis Fulda waren es zuletzt immer nur ein bis zwei Intensivpatienten gleichzeitig, im Main-Kinzig-Kreis und Vogelsbergkreis ist es aktuell sogar gar kein Intensivpatient. Das liegt laut Einschätzung des Kreises daran, dass sich aktuell kaum noch ältere Menschen mit dem Coronavirus infizieren, schließlich sind die meisten aus dieser Hochrisiko-Gruppe bereits geimpft.

Viele Infektionen gibt es hingegen bei jüngeren Menschen, bei denen es aber deutlich seltener zu schweren Verläufen kommt. So lag die Inzidenz im Landkreis Fulda bei der Altersgruppe zwischen 11 und 20 Jahren zuletzt bei 120, die zwischen 31 und 40 Jahren bei 109 und die zwischen 21 und 30 Jahren bei 61, während sie sich in den Altersgruppen ab 51 Jahren seit Wochen zwischen 0 und 17 bewegt.

Die Hälfte der Infektionen könne auf Ansteckungen im privaten Umfeld, circa 20 Prozent auf Reiserückkehrer zurückgeführt werden. „Ausbrüche in Betrieben oder Einrichtungen sind aktuell nicht nachweisbar“, teilt der Landkreis Fulda mit. Zudem sei die Positivquote der PCR-Tests wieder gestiegen. (Lesen Sie hier: 3G-Regel ab Montag - Das sagen Gastronomen, Veranstalter und Friseure)

Aus medizinischer Sicht

Immunologe Prof. Dr. Peter Kern vom Klinikum Fulda erklärt: „Aus der schieren Inzidenzzahl, wie sie nach wie vor erfasst und veröffentlicht wird, kann man längst nicht mehr auf die tatsächliche Belastung des Systems schließen. Damit sind auch die unter völlig anderen Bedingungen definierten Grenzwerte weitgehend sinnlos. Was die wachsende Inzidenzzahl allerdings weiterhin deutlich macht, ist die absolute Zunahme der Zahl Infektionsereignisse an und für sich. Sie kann also mit Einschränkungen die Dynamik des Geschehens abbilden, nicht aber seine gesundheitspolitische Bedeutung.

Allerdings – man kann es nicht oft genug sagen – wird es weitere Todesfälle, schwere Verläufe und leider auch Langzeitfolgen geben! Auch eine Impfung ist kein hundertprozentiger Schutz, wie wir immer betont haben. Auch Geimpfte können also schwer erkranken und sogar sterben, auch hier wieder ganz vorwiegend die Älteren! Und auch Geimpfte können das Virus weitergeben, wenn auch weniger intensiv als Ungeimpfte.

Je mehr Menschen geimpft sind, desto häufiger werden wir natürlich auch diese Fälle beobachten können. Aber: Die Wahrscheinlichkeit, als Geimpfter an Covid zu sterben, beträgt über alle Altersklassen gerechnet nur etwa zwei Prozent der Wahrscheinlichkeit eines Ungeimpften! Ältere profitieren dabei sehr viel stärker vom Impfschutz als Jüngere. Ein besseres Argument für die Impfung kann es doch gar nicht geben!“

Da sich Hessen dazu entschieden hat, weiterhin allein die allgemeine Inzidenz für die Bewertung des Infektionsgeschehens zu betrachten, greifen nun zunehmend wieder strengere Regeln. In unserer Zeitung hatten sich unter anderem Prof. Dr. Peter Kern vom Klinikum Fulda sowie die Statistikerin Katharina Schüller für eine gewichtete Inzidenz ausgesprochen, bei der Faktoren wie das Alter der Erkrankten und/oder die Auslastung der Krankenhäuser mitberücksichtigt werden.

Video: Corona regional: Das Update für Hessen

In Baden Württemberg wird anders verfahren – dort herrschen allerdings flächendeckend sehr strenge Regeln für Ungeimpfte, die vielerorts negative Testergebnisse vorweisen müssen, so wie in Hessens Landkreisen mit hohen Inzidenzen.

Das könnte Sie auch interessieren