Auf das traditionelle Klappern wollen die Messdiener in Fulda auch in Zeiten von Corona nicht verzichten - sie machen es nur etwas anders.
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Auf das traditionelle Klappern wollen die Messdiener in Fulda auch in Zeiten von Corona nicht verzichten - sie machen es nur etwas anders.

Jeder in seiner Straße

Tradition trotz Corona: Messdiener sind ab Karfreitag mit Klappern unterwegs - aber anders als üblich

  • Hanna Wiehe
    vonHanna Wiehe
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Am Karfreitag und -samstag schweigen in der Region die Kirchenglocken. An ihre Stelle treten dann die Klapperkinder, die an Gebet und Gottesdienst erinnern. Doch in diesem Jahr ist diese Tradition – wie schon im Vorjahr – durch die Pandemie stark eingeschränkt.

Kreis Fulda - Die gute Nachricht vorab: Ausfallen wird die Tradition in den meisten Gemeinden wohl nicht. „Es gibt kein generelles Klapperverbot oder eine Richtlinie“, heißt es vom Bistum Fulda. Gleichwohl gelten wegen der Corona-Pandemie Hygienevorschriften für die Messdiener, die das Klappern in den Gemeinden übernehmen.

Die Ministranten der Pfarrei St. Kilian Kalbach werden zunächst online zu einem Treffen auf der Videoplattform Zoom zusammenkommen. „Wir beten gemeinsam den Engel des Herrn, danach gehen wir los zum Klappern“, berichtet Obermessdiener Samuel Herbert. Das werde gehandhabt wie im Vorjahr: Jeder Messdiener tut das vor der eigenen Haustür und in seiner Straße. 84 Ministranten sind es in Mittel- und Niederkalbach. Eine Absage dieser Tradition stand für die Messdiener nie zur Debatte. (Lesen Sie hier: Trotz Corona sind Gottesdienstbesuche an Ostern möglich - Kirchen in Fulda sind erfreut)

Auch in Corona-Zeiten: Messdiener im Kreis Fulda verzichten nicht auf das Klappern

Doch einen Wermutstropfen gibt es: „Der Höhepunkt war für uns sonst immer das ,Klappern um die Eier‘ am Karsamstag“, berichtet der 21-Jährige. Messdiener gingen dann von Haustür zu Haustür und sammelten Geld und Süßigkeiten. Das gibt es dieses Jahr nicht.

Ähnlich wird es gehalten in der Pfarrei St. Bonifatius Fulda-Horas und der Filialgemeinde St. Ottilia Fulda-Niesig. Wie Gemeindereferent Marek Bielinski erläutert, klapperte im vergangenen Jahr jeder Messdiener in seiner Straße. In diesem Jahr geht etwas mehr: Da ein Haushalt plus ein weiterer Hausstand zusammenkommen dürfen, bedeutet das: Geschwister eines Haushaltes plus ein weiteres Kind oder ein Kind sowie ein anderes aus jeweils einem Haushalt können das Klappern zusammen übernehmen.

„Die Messdiener haben sich eingeteilt, wer welche Straße übernimmt“, berichtet Bielinski. Etwa 40 Kinder und Jugendliche werden mitmachen. Deren Wille, diese Tradition aufrecht zu erhalten, freue ihn sehr, betont der Gemeindereferent.

Video: Was ist der Karfreitag?

In der Fuldaer Innenstadtpfarrei sind 20 Kinder zum Klappern angemeldet, berichtet Oberministrant Johannes Fautsch (22). Konnten die Kinder und Jugendlichen im vergangenen Jahr nur vom Balkon oder Hof aus klappern, ist es den Ministranten in diesem Jahr selbst überlassen, ob sie darüber hinaus auch umliegende Straßen besuchen. Wie viele Kinder dabei unterwegs sein werden – ob nur Geschwister oder auch Ministranten eines weiteren Haushaltes –, kann jede Familie selbst entscheiden.

Einen Termin, zu dem die Messdiener in diesem Jahr zusammenkommen können, gibt es trotzdem: den Jugendkreuzweg, der am morgigen Karfreitag um 9 Uhr in der Stadtpfarrkirche in Fulda stattfindet. „Dieser Gottesdienst fand früher um 6 Uhr auf dem Frauenberg statt“, berichtet Johannes Fautsch. Dort beten die Ministranten gemeinsam den Kreuzweg, danach geht es zum Klappern. Denn eines steht für sie fest: „Es ist uns wichtig, diese Tradition zu bewahren.“

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