In der Corona-Pandemie müssen auch die Kirchen kreativ werden. (Symbolfoto)
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In der Corona-Pandemie müssen auch die Kirchen kreativ werden. (Symbolfoto)

Digitale Angebote in der Pandemie

Kirche und Glauben in Corona-Zeiten: Jugendliche im Landkreis Fulda als neue Zielgruppe

  • Sarah Malkmus
    vonSarah Malkmus
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Die Corona-Pandemie macht auch die Kirchen kreativ: Ob WhatsApp, Instagram, Telefon oder Video: Christen bleiben während der Krise in Kontakt. Gottesdienste und pastorale Angebote werden mehr und mehr ins Netz verlagert. 

Kreis Fulda - Gemeinschaft leben, ohne beisammen zu sein - vor der Corona-Pandemie hätten das wohl die wenigsten für möglich gehalten. Ein Beispiel dafür, wie das doch möglich ist, sind sogenannte Online-Gottesdienste. Durch diese haben Gläubige die Möglichkeit, zu Hause zu bleiben, gleichzeitig jedoch nicht auf Gottesdienste verzichten zu müssen.

Matthias Reger, Pressesprecher vom Bistum Fulda, berichtet von einer regen Nutzung dieses Angebots: „Die Online-Gottesdienste kommen bei den Gläubigen sehr gut an.“ Vor allem an den Weihnachtsfeiertagen - jedoch auch über den Jahreswechsel hinaus - sei festzustellen gewesen, dass viele das Angebot genutzt hätten. Von Gemeindereferenten und Ehrenamtlichen wisse er außerdem, dass insbesondere auch ältere Menschen auf die Angebote in der Corona-Pandemie zurückgriffen.

Fulda: Kirche und Glauben in Corona-Zeiten - Digitale Angebote werden im Landkreis gut angenommen 

Ähnliches berichtet auch Claudia Pfannemüller, Pressesprecherin vom Kirchenkreis Fulda. „Über 50 Prozent der Zuschauer sind älter als 55 Jahre, 23 Prozent sogar über 65 Jahre alt.“ Bei der Betrachtung der Nutzer hat Pfannemüller außerdem in der Corona-Pandemie etwas Besonderes festgestellt: „In die Online-Gottesdienste kommen auch Menschen, die sonst keinen Gottesdienst besuchen würden.“ Eine ähnliche Erfahrung hat der evangelische Pfarrer Stefan Bürger aus Neuenberg gemacht. „Seit einigen Monaten habe ich meine Predigten live auf der Kanzel aufgenommen und auf Instagram gestellt“, berichtet er und fügt hinzu: „Plötzlich gewinne ich neue Zielgruppen, Jugendliche etwa schauen da rein.“ (Lesen Sie hier: Bischof Michael Gerber weiht André Kulla aus Neuhof zum Priester). 

Natascha Weigelt, Pfarrerin in Hilders, hat sich für eine Alternative zu den Online-Angeboten entschieden. Seit Ende Dezember biete sie Telefonandachten im Corona-Lockdown an, in die sich knapp 100 Personen einwählen können. Den Hintergrund erklärt sie: „Ich habe mich für die Telefonvariante entschieden, um auch Menschen erreichen zu können, die kein Internet nutzen.“ Das Angebot komme gut an, der Telefonservice sei ausgelastet.

Hilders: Als Alternative zu den Online-Angeboten - Telefonandachten für Menschen, die kein Internet nutzen

Digitale Kanäle nutzt auch der evangelische Pfarrer Christian Pfeifer. Er berichtet davon, schon im ersten Corona-Lockdown damit begonnen zu haben, Kurzgottesdienste für Youtube zu drehen. Auch wenn seit Mitte Mai wieder in der Kirche gefeiert werden könne, wolle er weiterhin ein bis zwei dieser Kurzfilme im Monat unter „Gemeinsam evangelisch in Fulda“ veröffentlichen. Die Resonanz sei erfreulich und mache Mut für weiteren Drehs, sagt der Geistliche. Technik, Einstellungen, Kamera, Ton, Schnitt und Drehbuch seien für ihn obendrein eine schöne Beschäftigung.

Der katholische Pfarrer Thorsten Kremer aus Kämmerzell hingegen nutzt einen anderen Weg, um mit seinen Gemeindemitgliedern in Kontakt zu bleiben, wie er erzählt. Mit einigen telefoniere er regelmäßig, andere wiederum kontaktierten ihn via WhatsApp. Den Kontakt, den er während der Corona-Pandemie zu einigen seiner Gemeindemitgliedern pflege, beschreibt er als eher seelsorgerisch.

Video: Auto-Gottesdienst: Friedenslicht aus Bethlehem kommt in Fulda an

Die Vorbereitung einer solchen digitalen Andacht erfordere Engagement, weiß Pfannemüller: „Die Pfarrerinnen und Pfarrer haben sich innerhalb kürzester Zeit in völlig neue Aufgaben eingearbeitet: Vom Videoschnitt über das Agieren vor der Kamera bis hin zu den Möglichkeiten, Video-Andachten möglichst lebendig zu gestalten.“

Für Pfarrer Bürger etwa war die Umstellung auf digital in der Corona-Pandemie zunächst ungewohnt, erinnert er sich. „Plötzlich ist man so öffentlich“, sagt er, „obwohl Gottesdienste ja immer öffentlich sind.“ Vor einigen Monaten habe er eigens dafür an einem Coaching teilgenommen, das von der Landeskirche angeboten wurde. Der gelernte Schauspieler dort habe ihn dabei ermutigt, authentisch zu sein und zu sich zu stehen. Glatt läuft es trotzdem nicht immer: „Wie aufgeregt ich war, konnte ich im Nachhinein daran sehen, dass ich beim Vater Unser textlich in Straucheln kam.“

Online-Varianten als Ersatz für Präsenzgottesdienste? - Meinungen unterschiedlich

Ob die Online-Varianten ein Ersatz für Präsenzgottesdienste sind, das wird unterschiedlich bewertet. Fragt man Reger, so sind sie das nicht. Dennoch ist er der Meinung, dass sie einen Weg darstellten, „in der derzeitigen Krisensituation trotz Kontaktverbot zueinander zu finden.“ „Digital wird es weitergehen“, sagt hingegen Pfarrer Bürger. Wichtig sei, dass gute Formate entwickelt würden. Wenn der Druck, den Corona ausübe, weg sei, habe er vor, sich damit zu beschäftigen, was unterschiedliche Menschen brauchen.

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