Eine Corona-Patientin im Klinikum wird mit Hilfe eines ECMO-Gerätes beatmet.
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Eine Corona-Patientin im Klinikum wird mit Hilfe eines ECMO-Gerätes beatmet.

Covid-19-Patienten im Koma

Corona: Täglicher Kraftakt im Klinikum Fulda - Das spielt sich auf der Intensivstation ab

  • Daniela Petersen
    vonDaniela Petersen
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Im Klinikum Fulda werden mehrere Patienten auf der Intensivstation versorgt, die sich mit Covid-19 infiziert haben. Für das Krankenhaus ist das eine Herausforderung – psychisch und personell.

Fulda - Intensivstation. Für die meisten ist das ein Schreckensort, weil er mit Krankheit zu tun hat, mit Tod. Und in diesen Tagen auch mit Corona. Doch wer die Intensivstation des Klinikums in Fulda betritt, der kommt an einen Ort, der nichts Furchteinflößendes hat. Im Gegenteil. Hier regiert das Leben, nicht der Tod.

Zwar erinnert das stetige, monotone Piepen der Überwachungs-Geräte daran, dass hier Menschen liegen, die besonders beobachtet werden müssen, aber es sind viele Pfleger, Krankenschwestern und Ärzte da, die sich um die Patienten kümmern. Gerade während der Corona-Pandemie ist das aber eine besondere Herausforderung: Es fehlt an Personal, wie Professor Dr. Clemens-Alexander Greim erklärt.

Corona-Pandemie sorgt für Personal-Engpass im Klinikum Fulda

„Wir haben ausreichend Platz und können auf 60 bis 70 Betten erweitern. Der limitierende Faktor ist aber das Personal.“ Schon jetzt hätten die Teilzeitkräfte auf eine komplette Stelle aufgestockt, um den Engpass zu überbrücken. „Die Situation ist dramatischer als im Frühjahr. Wir sind da, wo wir im April auf dem Höhepunkt der ersten Welle waren. Ich rechne damit, dass wir mit dieser zweiten Welle noch ein, zwei Monate zu tun haben werden“, sagt Greim.

Clemens-Alexander Greim vor einem Beatmungsgerät.

Clemens-Alexander Greim ist seit 2004 Direktor der Klinik für Anästhesiologie, Intensiv- und Notfallmedizin des Klinikums. Derzeit sei die Intensivstation, von denen es genau genommen zwei am Klinikum gibt, ausgelastet. 28 Betten stehen dort zur Verfügung. „Wir können zwar jeden versorgen, den wir versorgen müssen. Aber Notfallmedizin ist nicht planbar. Es kann immer ein schwerer Unfall reinkommen. Im Raum Frankfurt und Darmstadt sind die Kliniken am Limit, sodass wir auch von dort Corona-Patienten aufnehmen mussten“, erklärt der Arzt. Planbare Operationen seien verschoben worden.

In der Corona-Pandemie kommt ihm – zusammen mit Klinik-Vorstand PD Dr. Thomas Menzel – zusätzlich eine koordinierende Aufgabe zu. Das Klinikum ist Schwerpunktkrankenhaus für Covid-19-Patienten. „Im Austausch mit anderen Krankenhäusern haben wir einen Blick auf die Zahlen“, sagt Greim.

Klinikum Fulda: Acht Corona-Patienten liegen im künstlichen Koma

Lesen Sie hier: Corona-Testcenter am Klinikum Fulda neu organisiert.

Getrennt von den übrigen Patienten werden im Klinikum momentan etwa 30 Menschen mit einer Covid-19-Infektion behandelt, neun davon auf Intensiv. „Acht sind richtig schwer krank“, betont der Direktor. Und mit „richtig schwer krank“ meint er, dass sie im künstlichen Koma liegen und beatmet werden müssen.

Hinweis

Diese Reportage ist am Samstagausgabe (21. November) der Fuldaer Zeitung erschienen. Die genannten Zahlen können also von der aktuellen Situation abweichen.

„Die meisten Corona-Patienten haben Probleme mit der Lunge und bekommen schlecht Luft“, sagt Greim und erklärt, dass es beim Beatmen unterschiedliche Geräte gibt: Die einen unterstützen die Atmung des Patienten nur, die anderen übernehmen die Lungenfunktion komplett. Die letztgenannten Geräte werden als ECMO bezeichnet, die Abkürzung für Extrakorporale Membranoxygenierung. Das Klinikum hat zwei ECMO- Geräte. „Aber wir können jederzeit nachordern“, betont er. Auch jetzt im Moment ist eine Patientin auf eine solche Beatmung angewiesen.

Video: Geduld statt Panik auf der Corona-Intensivstation

In ihrem Mund steckt ein Schlauch, über den sie versorgt wird. Ihre Hand ruht neben dem Körper. Auch wenn sie so still da liegt: Dieser Kampf ist ein Kraftakt. Oft müssen Patienten, die so schwer am Coronavirus erkrankt sind, viele Wochen beatmet werden. In dieser Zeit bauen die Muskeln ab. Damit sich die Menschen nicht wund liegen, werden sie von Pflegekräften regelmäßig umgebettet.

Doch bevor das Zimmer überhaupt betreten werden kann, müssen die Mitarbeiter jedes Mal Schutzkleidung anziehen: eine FFP2-Maske, eine Haube, eine Brille, ein Schutzanzug. In dieser Montur verlässt gerade Dr. Christoph Schmitt das Zimmer eines Covid-19-Patienten. In der Schleuse vor dem Raum zieht er den Plastikumhang aus und wirft ihn in einen Mülleimer, der speziell dafür aufgestellt wurde.

„Bedrückend, dass es Menschen gibt, die behaupten, Corona gebe es nicht“

Der 43-jährige Schmitt ist leitender Oberarzt auf der Intensivstation – seit April 2020. „Pünktlich zur Pandemie“, wirft er ein. Doch das sei Zufall gewesen. Die Anforderungen in der Corona-Krise seien groß. „Man ist körperlich und psychisch gefordert“, sagt er. Angst, sich im Krankenhaus mit dem Virus zu infizieren, hat er nicht. „Ich könnte in keinem geschützteren Rahmen arbeiten.“

Professor Greim pflichtet ihm bei und ergänzt: „Für einen Intensivmediziner, der einen Einblick hat, ist es bedrückend zu sehen, dass es Menschen gibt, die immer noch behaupten, Corona gebe es nicht. Ich glaube, so lange man selbst nicht betroffen ist, unterschätzt man die Gefahr und hat keine Vorstellung, was es bedeutet, so schwer zu erkranken.“

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