Durch die Pandemie ist der Vertretungsbedarf in den Schulen gewachsen.
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Keine andere Gruppe musste sich in der Corona-Pandemie so stark isolieren wie Altenheim-Bewohner und Schüler. 

Auf gewohntes Leben verzichtet

Schüler litten in der Corona-Pandemie besonders - Kommunen im Kreis Fulda planen Ferienbonus

  • Volker Nies
    VonVolker Nies
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Die Alten und die Jungen haben unter der Corona-Pandemie besonders gelitten. Keine andere Gruppe musste sich so stark isolieren wie Altenheim-Bewohner und Schüler. In einigen Kommunen soll es für junge Menschen in den Ferien deshalb einen Bonus geben.

Kreis Fulda - Es war eine Zumutung: Monatelang mussten Kinder und Jugendliche in der Corona-Pandemie auf ihr gewohntes Leben verzichten – in der Schule und in der Freizeit. Der Unterricht fand nur noch im Home-Schooling statt. Über Monate fanden keine Treffen von Vereinen statt. (Lesen Sie hier: Studie deckt auf: Distanzunterricht in Corona-Pandemie so effektiv wie Sommerferien)

Corona in Fulda: Das planen die Kommunen im Kreis für geplagte Schüler

Eichenzell: „Wir wollen den Kindern und Jugendlichen helfen, jetzt wenigstens eine schöne Ferienzeit zu verbringen“, sagt Eichenzells CDU-Fraktionschef Julian Rudolf. Auf Antrag der Union beschloss die Gemeindevertretung zwei Maßnahmen, mit denen die Gemeinde junge Leute unterstützt: Für jeden Schüler zwischen 6 und 18 Jahren soll es Freikarten für ein Freibad geben. Die genaue Zahl ist noch offen. Für Vereine, die Ferienprogramme für Schüler anbieten, gibt es pro Kind und Tag vier Euro Unterstützung. „Beides fördert auch die Gemeinschaft“, sagte Rudolf.

Auch andere Gemeinden überlegen, wie sie junge Leute jetzt fördern können. „Kinder und Jugendliche haben besonders gelitten. Es ist gut, wenn Städte und Gemeinden prüfen, wie sie helfen können“, sagt Heiko Stolz (CDU), Sprecher der Bürgermeister im Kreis Fulda und Rathauschef in Neuhof. Vor allem größere Kommunen würden jetzt etwas auf die Beine stellen: „Wir haben mehr Möglichkeiten, als wir noch vor ein paar Tagen gedacht haben. Die Inzidenzen gingen schneller herunter als erwartet.“

Diese Ferienfreizeitangebote gibt es in Neuhof und der Stadt Fulda für geplagte Schüler

Neuhof: In Neuhof wird die Gemeinde Schwimmkurse für Kinder und Jugendliche mit 50 Prozent bezuschussen, Jugendbetreuer werden in den Ferien Corona-Freizeiten anbieten, bei denen etwa eine Graffiti-Wand besprüht wird.

Stadt Fulda: Die Stadt Fulda hat in diesem Jahr ein umfangreiches Ferienfreizeitangebot mit insgesamt 356 Teilnehmerplätzen auf die Beine gestellt. „Das sind etwa 50 Prozent des Angebots aus früheren Jahren. Das ist sehr viel angesichts der Tatsache, dass lange unklar war, ob überhaupt etwas stattfinden darf“, sagt Johannes Heller, Sprecher der Stadt. Die Jugendtreffs sind auch in den Sommerferien geöffnet. „Die Förderung von Freizeiten für Vereine gibt es bei der Stadt schon immer. Bei Freizeiten fördern wir mit fünf Euro pro Tag und Teilnehmer“, berichtet Heller.

Schüler litten unter Corona-Einschränkungen - Hünfeld plant Ferienfreizeiten als Bonus

Hünfeld: „Die Stadt Hünfeld geht einen anderen Weg. Wir bieten selbst Ferienprogramme für Kinder und planen in den Sommerferien etwa eine Ferien-Aktiv-Woche für Kinder von 6 bis 10 Jahren und eine Ferienfreizeit für 10- bis 13-Jährige“, berichtet Sprecher Helmut Käsmann. Weitere Programme seien geplant.

„Besondere Corona-Aktionen haben wir in Künzell nicht geplant. Freikarten für Freibäder gibt es bei uns schon lange, aber in diesem Jahr müssen wir wie im Vorjahr auf die Verteilung verzichten“, berichtet Künzells Bürgermeister Timo Zentgraf (parteilos). Die jährlichen Freikarten für das Schwimmbad in Petersberg oder im Rosenbad seien durch die coronabedingt personalisierte Online-Anmeldung nicht möglich. Freikarten für die Minigolfanlage gebe es im Künzeller Rathaus weiterhin, auch die jährlichen Ferien-Aktiv-Wochen finden mit etwas abgespecktem Angebot wie gewohnt statt.

Video: Corona-Maßnahmen an Schulen bleiben noch länger, sagt Spahn

Petersberg: Auch in Petersberg gibt es viele Ferienangebote für Kinder – aber keine Corona-Angebote. „Die Gemeinde Petersberg hat bereits in Vor-Corona-Zeiten ein vielfältiges Ferien- und Freizeitprogramm für Kinder und Jugendliche angeboten – etwa die Ferienspiele und die Jugendfahrten. Die Ferienspiele werden in diesem Jahr stattfinden, auch bei den anderen Angeboten hoffen wir auf eine baldige Normalisierung“, sagt Sprecher Sebastian Kircher. Im Schwimmbad Waidesgrund gibt es vergünstigten Eintritt für Besucher bis 25 Jahren. Für Kinder unter sechs Jahren ist der Besuch gratis. Auch die Vereinsförderung mit zehn Euro pro Mitglied bis 18 Jahren sei schon heute großzügig. „Bei neuen Projekten in den Ferien können sich Vereine an uns wenden, um eine mögliche Förderung zu prüfen“, sagt Kircher.

Mehr Hilfe

Manche Schüler leiden so sehr unter den Folgen der Pandemie, dass sie psychologische Hilfe benötigen. Auf Antrag der SPD beschlossen die Eichenzeller Gemeindevertreter, dass der Gemeindevorstand prüfen soll, in welcher Kooperation mit der Stadt und dem Kreis Fulda er Eichenzeller Kinder und Jugendliche unterstützen kann.

Erster Ansprechpartner für Hilfe bleiben der Landkreis und die Schulen.

Die Idee aus Eichenzell sei gut gemeint, sagt der Petersberger Sprecher, doch unter den Auflagen der Pandemie hätten alle Altersklassen gelitten. „Nur eine bestimmte Gruppe – noch dazu einmalig in diesem Jahr – zu fördern, ist der falsche Weg. Stattdessen sollte man alle Angebote, die vor der Pandemie Bestand hatten, wieder in Fahrt bekommen“, sagt Kircher. (Lesen Sie hier: Mit dem Corona-Ticker für den Kreis Fulda bleiben Sie auf dem Laufenden)

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