Eine Frau geht am Schaufenster einer Apotheke in der Innenstadt vorbei, die für kostenlose Corona-Schnelltests wirbt.
+
An vielen Orten in Fulda - unter anderem in den Apotheken - war es bisher möglich, sich kostenfrei auf das Coronavirus testen zu lassen. Ab kommendem Montag muss dafür bezahlt werden. (Symbolbild)

Schließen Testzentren?

Corona-Schnelltests ab Montag kostenpflichtig - Anbieter in Fulda erwarten sinkende Nachfrage

  • Sarah Malkmus
    VonSarah Malkmus
    schließen

Im Frühjahr sprießten sie wie Pilze aus dem Boden – die Corona-Testzentren. An vielen Orten in Fulda und im Landkreis ist es seither möglich, sich kostenfrei auf das Coronavirus testen zu lassen. Ab kommendem Montag muss dafür bezahlt werden.

Kreis Fulda - 80 Menschen waren es an Spitzentagen, die in Michael Sappers Apotheken – St. Bonifatius in Fulda und St. Georg in Poppenhausen – kamen, um sich im Schnellverfahren auf das Coronavirus testen zu lassen. Jetzt hat sich die Zahl mehr als halbiert, 30 Tests pro Tag zählt Sapper an guten Tagen.

„Es war ein schleichender Prozess“, berichtet der Apotheker. Geimpfte ließen sich kaum noch testen, Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer machten den Abstrich überwiegend am Arbeitsplatz und Schülerinnen und Schüler hätten die Möglichkeit, sich an der Schule testen zu lassen. Wer bleibt? Das sind die Ungeimpften, sagt Sapper.

Corona in Fulda: Kostenpflichtige Tests - Anbieter erwarten sinkende Nachfrage

In seiner Apotheke in Poppenhausen hat der Pharmazeut unlängst Konsequenzen gezogen: Das Testen, das an drei Tagen in der Woche möglich war, hat er zum 1. Oktober eingestellt. „Es hat sich einfach nicht mehr gelohnt“, erklärt er. (Mit unserem Corona-Ticker für Fulda bleiben Sie immer auf dem Laufenden)

In seiner Apotheke in Fulda sei die Situation eine andere. Von Beginn an habe man ein anderes Konzept umgesetzt. „Wir testen jeden Tag und bieten überdies PCR-Tests an“, erklärt der Apotheker. Dennoch würden die Tests deutlich weniger nachgefragt als noch vor drei Monaten. Vereinzelt gebe es Menschen, die trotz Impfung zum Testen kämen, um sich zusätzlich abzusichern. Sapper macht deutlich, dass PCR-Tests ob vieler Reisen außerdem rege nachgefragt würden. „Wir sind hier noch an einem Punkt, wo wir sagen: Das führen wir weiter.“

Wie sich die Situation gestaltet, wenn die Tests ab kommendem Montag kostenpflichtig werden, vermag Sapper noch nicht zu sagen. „Meine Erwartung ist, dass es noch einmal weniger wird“, mutmaßt er, schließlich sind voraussichtlich „auch die raus, die sich testen lassen trotz Impfung, nur um sicher zu gehen.“

Wie teuer der Corona-Schnelltest in seiner Apotheke werden wird, darauf hat sich Sapper noch nicht final festgelegt, mindestens 13 Euro werden es jedoch sein, ist er sich sicher. Ein PCR-Test kostet aktuell 79 Euro in seiner Apotheke.

„Noch eine konstante Nachfrage“, nimmt Christian Wetterich, Inhaber der Rosenapotheke in Fulda, wahr. Insbesondere die PCR-Tests, die im eigenen Labor ausgewertet werden können, seien gefragt. Insgesamt habe die Nachfrage jedoch nachgelassen. (Lesen Sie hier: Corona-Regeln an Schulen: In Hessen gilt nach den Ferien wieder Maskenpflicht am Platz)

Corona-Schnelltests ab Montag nicht mehr gratis - Drohen Schließungen?

Auf den kommenden Montag blickt der Apotheker mit Spannung. Dann kosten die Schnelltests in seiner Apotheke 13,50 Euro. „Ich erwarte, dass weniger Menschen zum Testen kommen.“ Sollte die Nachfrage insgesamt nachlassen, überlege man, wie man weiter verfährt. „Schließlich sind das ja auch laufende Kosten.“ Ein PCR-Test kostet in der Rosenapotheke aktuell 89 Euro.

Einer der großen Anbieter bei den Testzentren ist auch das Deutsche Rote Kreuz in Fulda (DRK). Insgesamt 16 Test-Stationen betreibt es gemeinsam mit dem Klinikum in Stadt- und Landkreis. Geschäftsführer Christoph Schwab berichtet ebenso wie die Apotheker, dass die Frequentierung der Testzentren insgesamt seit den Sommermonaten nachgelassen habe. Das führt er auf den zunehmenden Impffortschritt zurück. Die Anzahl der Tests, die man zu Hochzeiten am Tag durchgeführt habe, erreiche man heute „lange nicht mehr“.

In der kommenden Woche werden auch die Tests in den DRK-Zentren kostenpflichtig. Bis dahin ist noch einiges zu tun, weiß Schwab. „Wir müssen ein Kassensystem aufbauen“, erklärt er. Und das sei gar nicht so einfach. Man müsse Kartenzahlung einrichten und neues Personal einstellen. Der Preis für die Antigen-Tests wird auch in den DRK-Zentren bei 13,50 Euro liegen, sagt Schwab. Ein PCR-Test beim DRK kostet aktuell 94 Euro. „Mit dem Kassiervorgang als neu einzurichtendes Modul haben wir nicht gerechnet.“ Insgesamt gingen damit jede Menge Bürokratie und Kosten einher.

Video: Ende der Gratis-Tests: Was Ungeimpfte jetzt wissen müssen

Ob Zentren aufgrund zu erwartender geringerer Nachfrage schließen werden, vermag der Geschäftsführer noch nicht zu sagen. „Wir können nicht prognostizieren, wie hoch die Nachfrage sein wird, wenn die Tests selbst bezahlt werden müssen“, sagt er. Zu erwarten sei jedoch, dass die Nachfrage an diesem Wochenende, an dem die Tests noch kostenfrei sind, noch einmal ansteige. Eigens dafür habe man auch das Personal nochmals aufgestockt. „Wir bitten um Verständnis, dass es auch zu längeren Wartezeiten kommen kann“, sagt Schwab.

„Wir werden so lange wie nötig und so lange, wie es sich auch wirtschaftlich abbilden lässt, für die Bevölkerung da sein“, erklärt Schwab, und fügt hinzu:„Wenn die Nachfrage nachlässt, haben wir unseren Teil im Kampf gegen die Pandemie beigetragen.“

Das Medi-In-Drive-In-Testzentrum in der Frankfurter Straße wird am Sonntagabend schließen. Darauf weist eine Info-Tafel direkt am Zentrum hin. Dann werden Tests nur noch im Medi-In am Globus-Markt in Petersberg angeboten.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema