Thorsten Krämer hat sich vorgenommen, seinen Bart wachsen zu lassen, bis die Corona-Pandemie vorüber ist. Für seine Tochter Freya (9) konnte er daher im Dezember einen authentischen Nikolaus spielen.
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Thorsten Krämer hat sich vorgenommen, seinen Bart wachsen zu lassen, bis die Corona-Pandemie vorüber ist. Für seine Tochter Freya (9) konnte er daher im Dezember einen authentischen Nikolaus spielen.

15 Zentimeter seit Pandemie-Beginn

Bart als Corona-Kalender: Fuldaer Kreishandwerksmeister Thorsten Krämer über seine „Corona-Schnapsidee“

  • Sarah Malkmus
    vonSarah Malkmus
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Viele tragen ihren Bart aus modischen Gründen. Zu ihnen zählt der 52-jährige Kreishandwerksmeister Thorsten Krämer nicht. Er entschied sich im Frühjahr, die Haare in seinem Gesicht so lange wachsen zu lassen, bis die Corona-Pandemie vorüber ist.

Fulda - Die Geschichte erinnert ein wenig an jene Sage, nach der der alte Kaiser Friedrich I. Barbarossa in einem unterirdischen Schloss im Kyffhäuser schlafend auf eine bessere Zeit wartet. Währenddessen war sein Bart immer länger geworden und sogar durch den Marmortisch hindurch gewachsen. Auf eine bessere Zeit wartet der 52-jährige Kreishandwerksmeister Thorsten Krämer tatsächlich. Es bleibt zu hoffen, dass sein Bart nicht erst so lang werden muss, wie jener von Kaiser Barbarossa.

Aber von vorn: Eigentlich trägt Krämer keinen Bart. Doch seit Monaten sprießen die Haare in seinem Gesicht, werden länger und länger. Dass das so ist, ist die Konsequenz einer Aussage, die er zu Beginn des Jahres 2020 sowohl innerhalb der Kreishandwerkerschaft als auch innerhalb seines eigenen Betriebs, dem Autohaus Krämer, als Reaktion auf die beginnende Corona-Pandemie machte: „Ich habe gesagt: ,Ich rasiere mich erst wieder, wenn der Mist rum ist.‘“ (Lesen Sie hier: Trotz Corona-Lockdown: Autohäuser in Fulda sind nicht unzufrieden.)

Der Bart als Corona-Kalender: Kreishandwerksmeister Thorsten Krämer hatte eine „Schnapsidee“

„Ein Schuss ins Blaue“ seien seine Worte damals gewesen, in gewisser Hinsicht „unüberlegt“, sagt der 52-Jährige heute. Könne man überhaupt von einer Idee dahinter sprechen, dann sei diese gewesen, etwas auflockerndes in einer doch sehr ernsten Situation zu tun – und ein Stück weit auch zu protestieren, wie er erklärt. Schließlich sei er zu Beginn des Jahres selbst unmittelbar von der Krise getroffen worden. Die trendmesse im März – an deren Planung und Vorbereitung er stark beteiligt gewesen war – musste wegen Corona kurzfristig abgesagt werden. „Das war damals eine schwierige Situation, denn wir hatten lange darauf hingearbeitet“ erinnert sich der 52-Jährige. Aus heutiger Sicht „natürlich eine vollkommen richtige Entscheidung“, wie er hinzufügt.

Seither wächst und wächst sein Gesichtshaar, die Corona-Pandemie dauert an, ein Ende ist nicht absehbar. Seine Bart-Gelübde bereut der 52-Jährige trotzdem nicht: „Ich sehe zwar 20 Jahre älter aus, aber damit habe ich kein Problem“, sagt er.

Kreishandwerksmeister Thorsten Krämer lässt sich in Corona-Krise Bart stehen

Seinen Bart schätzt er aktuell auf eine Länge von etwa 15 Zentimetern. Dass er überhaupt so lang werden würde, hätte Krämer nicht erwartet. Er gibt zu, noch Anfang des Jahres davon ausgegangen zu sein, ihn bis zum vergangenen Sommer längst losgeworden zu sein. „Ich habe nicht gedacht, dass das Virus so nachhaltige Veränderungen in unsere Gesellschaft bringen wird.“

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Viele Leute hätten den Kreishandwerksmeister zunächst einmal gar nicht erkannt, wie er erzählt. Und wenn doch, dann habe man ihm augenzwinkernd prophezeit, dass der Bart wohl noch länger wachsen werde. Trotz des Witzes an seiner Geschichte verkennt Krämer die Ernsthaftigkeit der Situation nicht: „Die Menschen haben wohl Recht, wenn sie das sagen“, betont er. Der Bart sei für ihn mittlerweile ein Symbol für ein Jahr, an das man sich wohl noch lange erinnern werde.

Doch bei aller Ernsthaftigkeit habe Krämer auch festgestellt, dass der Bart nicht nur für eine besonders schwierige Zeit stehe, sondern gleichzeitig auch für schöne Momente. Für seine Töchter – neun und zwölf Jahre alt – habe er sich Anfang Dezember als Nikolaus verkleidet – und brauchte dafür nicht einmal einen künstlichen Bart. „Den Spaß, für meine Kinder der Nikolaus zu sein, habe ich genossen“, sagt er.

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