Geldbörse liegt auf dem Tisch
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Die Kurzarbeit hat laut Agentur für Arbeit während der Pandemie Tausende Arbeitsplätze in der Region gerettet.

Kommt der Aufschwung?

Arbeitsagentur überzeugt: Kurzarbeit hat in der Krise viele Jobs gerettet - So ist die Situation derzeit

  • Sabrina Mehler
    VonSabrina Mehler
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Das Instrument der Kurzarbeit hat während der Pandemie Tausende Arbeitsplätze in der Region gerettet und zahlreiche Unternehmen am Leben erhalten. Das zumindest legen Erkenntnisse der Agentur für Arbeit Bad Hersfeld-Fulda nahe. 

Fulda - Betriebe, die in Krisensituationen um ihre Existenz bangen, haben – grob vereinfacht gesagt – zwei Möglichkeiten: Entweder sie entlassen einen Teil ihrer Beschäftigten, um Personalkosten zu sparen. Oder: Sie zeigen bei der Arbeitsagentur wegen vorübergehenden Arbeitsausfalls Kurzarbeit an und verringern die Arbeitszeit ihrer Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen.

Der Lohn und die Höhe der Sozialabgaben werden dann ganz oder teilweise von der Agentur getragen. Deutschlandweit und auch in unserer Region haben die allermeisten Unternehmen während der Corona-Pandemie den zweiten Weg beschritten. Das erklärt Horst Kramer, der als Geschäftsführer Operativ bei der hiesigen Arbeitsagentur für Kurzarbeit verantwortlich zeichnet. (Lesen Sie hier: Zahl der Arbeitslosen steigt leicht an: Arbeitsagentur nennt drei Gründe)

Demnach haben seit März 2020 im Landkreis Fulda fast 3670 Betriebe für rund 58.900 Beschäftigte Kurzarbeit angezeigt. Im Januar dieses Jahres beispielsweise waren es mehr als 12.000 Arbeitnehmer. Auch wenn erst im Nachhinein exakt ermittelt werden kann, ob die Unternehmen dieses Instrument auch tatsächlich in Anspruch genommen haben, ist das eine ganze Menge: 12,7 Prozent aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Landkreis. Diese kamen hauptsächlich aus drei Branchen: Einzelhandel, Gastronomie und Dienstleistung.

Corona in Fulda: Kurzarbeit in der Region - Agentur für Arbeit zieht Bilanz

Für Horst Kramer ist klar: „Dank der Kurzarbeit konnten viele Menschen in ihren Unternehmen bleiben, und ihre Arbeitsplätze wurden erhalten.“ Aus seiner Sicht sei es besser, teilweise Lohn zu erhalten und nur die fehlenden Stunden durch Kurzarbeitergeld aufgestockt zu bekommen, als gänzlich auf Arbeitslosengeld oder andere staatliche Unterstützung angewiesen zu sein.

Kurzarbeitergeld

Das Kurzarbeitergeld soll helfen, Jobs zu erhalten, auch wenn ein Betrieb zu wenig Arbeit hat. Während der Kurzarbeit ersetzt es den Firmen einen Teil des Entgelts für die Beschäftigten. Außerdem werden ihnen die Sozialversicherungsbeiträge abzüglich der Arbeitslosenversicherung pauschaliert erstattet. Den Bedarf dafür müssen Betriebe bei der Agentur für Arbeit anzeigen. Derzeit können Betriebe, die bis 30. September Kurzarbeit einführen, erleichterte Zugangsbedingungen zum Kurzarbeitergeld in Anspruch nehmen. Ein Unternehmen kann Kurzarbeit anmelden, wenn mindestens zehn Prozent der Beschäftigten vom Arbeitsausfall betroffen sind; normalerweise müssen es mindestens 30 Prozent sein. Auch Leiharbeitskräfte können Kurzarbeitergeld bekommen. Regulär beträgt das Kurzarbeitergeld 60 Prozent des ausgefallenen Nettolohns, für Berufstätige mit Kindern 67 Prozent. Ab dem vierten Monat wird es auf 70 beziehungsweise 77 Prozent erhöht und ab dem siebten Monat auf 80 beziehungsweise 87 Prozent. Betriebe können Kurzarbeitergeld bis zu 24 Monate lang beziehen. Die Regeln gelten bis Ende 2021. (sam)

Hinzu komme eine psychologische Komponente: „Die Inanspruchnahme von Kurzarbeitergeld vermittelt eine relative Sicherheit und die positive Aussicht auf die Zukunft nach der Krise.“ Und es gibt für die Firmen einen weiteren großen Vorteil gegenüber Entlassungen, der sich im Sommer 2021 bemerkbar macht: Wenn die wirtschaftliche Situation es zulässt, der Umsatz steigt und die Produktion wieder anlaufen kann, dann stehen genügend Mitarbeiter zur Verfügung. Wer in der Krise hingegen Kündigungen ausgesprochen hat, muss erst wieder einstellen – und Fachkräfte sind überall begehrt, aber schwer zu bekommen.

Video: Steuererklärung nach Kurzarbeit: Folgt Steuerschock mit dem Bescheid?

Mit dem Ende des Lockdowns im Frühjahr und dem Beginn der Lockerungen gehe es im Landkreis jetzt wieder aufwärts, glaubt Kramer. Zwar liegen noch keine Zahlen vor, wie viele Betriebe jetzt tatsächlich noch in Kurzarbeit sind, doch die Arbeitsagentur glaubt, dass der Rückgang „ganz erheblich“ sei. Im Juli gab es lediglich neun neue Anzeigen von Kurzarbeit.

Zudem gibt es weitere Anzeichen für den Aufwärtstrend: So konnte zum Beispiel der Arbeitgeberservice der Agentur im Juli 477 Stellen gewinnen – 32 Prozent mehr als vor einem Jahr. Seit Jahresbeginn wurden insgesamt 2826 Stellen gemeldet, gegenüber 2020 ist das immerhin ein Plus von 12,3 Prozent. Aktuell stünden 18,6 Prozent mehr Stellen zur Besetzung zur Verfügung als vor einem Jahr. Der Juli 2021 sei der allererste Juli überhaupt, in dem die Arbeitslosenzahlen niedriger als im Vormonat waren.

Fulda: Seit März 2020 hatten fast 3670 Betriebe Kurzarbeit angezeigt

Kramer ist froh: „Die Arbeitsagentur konnte mit dem Kurzarbeitergeld einen erheblichen Beitrag dazu leisten, dass viele Beschäftigungsverhältnisse erhalten wurden und ein schneller Neuanfang möglich war.“ Zwar müsse berücksichtigt werden, dass ein Unternehmen nicht nur Personalkosten stemmen, sondern auch Miete zahlen muss, selbst wenn der Laden coronabedingt dicht machen muss.

„Geholfen hat die Kurzarbeit aber ganz sicher. Das Instrument hat sich in der Krise bewährt.“ Kramer schätzt, dass ohne die Möglichkeit der Kurzarbeit und ohne Wirtschaftshilfen Unternehmen in einer Größenordnung von einer „erheblichen zweistelligen Prozentzahl“ insolvent gegangen wären.

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