Mitten im Corona-Lockdown haben die neuen Inhaber den Concept Store Lieblings wieder eröffnet.
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Mitten im Corona-Lockdown haben die neuen Inhaber den Concept Store Lieblings wieder eröffnet.

„Click and meet“ statt Party

Corona in Fulda: Neue Inhaber eröffnen Concept Store Lieblings mitten im Lockdown

  • Bernd Loskant
    vonBernd Loskant
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Mitten im Corona-Lockdown ein Kaufhaus zu übernehmen, ist ein Schritt, der im ersten Moment erstaunt. Heike Zahn ist neue Inhaberin des Fuldaer Concept Stores Lieblings. Im Interview erklärt sie und Store Manager Kareem Asdoune, wie es ist, einen knapp 1000 Quadratmeter großen Laden mit „Click and Meet“ zu starten.

Fulda - Heike Zahn und Kareem Asdoune, die neue Leitung des Lieblings in Fulda spricht im Interview über eine Geschäftsübernahme in Zeiten der Corona-Pandemie. „Die Eröffnungsparty wird einfach später nachgeholt“, sagen sie. Im Oktober 2020 hatten die bisherigen Lieblings-Inhaber Lars-Oliver Hergeth und Dr. Joachim Kleinert mitgeteilt, dass sie in Fulda aufhören.

Corona in Fulda: Neue Inhaber eröffnen Concept Store Lieblings mitten im Lockdown

Frau Zahn, wie kommt man darauf, in wirtschaftlich unsicheren Lockdown-Zeiten einen Laden wie das Lieblings zu übernehmen?
Zahn: Zum Zeitpunkt der Übernahmegespräche war der Lockdown nicht absehbar. Aber ich stehe zu 150 Prozent hinter dem Konzept und denke positiv. Ein unternehmerisches Risiko besteht immer. 

Zur Person: Heike Zahn

Heike Zahn (63) ist Diplom-Kauffrau, kommt gebürtig aus Berlin und war mehr als zehn Jahre Geschäftsführerin von Fronius Deutschland. Sie hat das Unternehmen, das sie einst nach Fulda führte, vor zwei Jahren verlassen und ist seit 1. Februar neue Inhaberin des Lieblings. 

Sie haben sich bisher als Geschäftsführerin von Fronius Deutschland mit Schweißtechnik, Photovoltaik und Batterieladetechnik beschäftigt. Wieso jetzt Düfte, Mode und Accessoires?
Zahn: Weil das die Themen einer gepflegten und modernen Frau sind. Man könnte also sagen: Ich habe meine Leidenschaft jetzt zum Beruf gemacht. Welche Frau will schon ihr ganzes Leben mit Schweißtechnik verbringen? (lacht) 
Die neue Lieblings-Leitung: Inhaberin Heike Zahn und Store Manager Kareem Asdoune.
Normalerweise findet man Concept Stores eher in Großstädten. Was ist das Erfolgsrezept in einer Stadt wie Fulda?
Asdoune: Es ist genau dasselbe wie in Großstädten: Der Kunde findet sehr viele verschiedene Dinge unter einem Dach. Und wir tun sehr, sehr viel, um unsere Kunden zu begeistern. Ich kenne die meisten unserer Lieferanten persönlich, und beim Ordern habe ich oftmals schon bestimmte Kunden im Sinn. Dadurch haben wir zu unseren Kunden eine viel persönlichere Bindung.
Im Untertitel des neuen Lieblings taucht der Begriff „Concept Store“ nicht mehr auf. Warum nicht?
Asdoune: Als das Geschäft gegründet wurde, war der Begriff in Fulda ein Alleinstellungsmerkmal. Das ist heute nicht mehr so. Wir haben jetzt den Untertitel „The Lifestyle Store“ gewählt, denn jeder Mensch hat seinen ganz eigenen Lifestyle. Jedem ein individuelles, perfektes Einkaufserlebnis zu bieten, das ist unser größtes Ziel. 

Zur Person: Kareem Asdoune

Kareem Asdoune (25) ist Handelsfachwirt und seit acht Jahren das Gesicht des Lieblings. Der Fuldaer hat in dem Geschäft den Beruf des Einzelhändlers gelernt und leitet das 18-köpfige Team als Store Manager.

Dank Corona gibt es statt einer Eröffnungsparty nun „Click and Meet“. Wie läuft das Geschäft? 
Asdoune: Die fette Eröffnungsparty wird uns nicht durch die Lappen gehen – sie wird einfach nachgeholt. Was „Click and meet“ betrifft: Im Grunde hatten wir schon immer Einzelberatungen und das oft auch mit Termin, sodass es für uns nichts wirklich Neues ist. Im Moment sind die Menschen aufgrund der Wetterlage und der fehlenden Events allerdings noch nicht so einkaufsfreudig wie nach dem letzten Lockdown. 
Experten gehen davon aus, dass der Innenstadthandel nach Corona nicht mehr derselbe sein wird wie vorher. Was wird sich ändern?
Zahn: Wir gehen davon aus, dass wir länger mit Corona und Hygienemaßnahmen leben müssen. Das bedeutet für jedes Geschäft eine maximale Kundenanzahl, die bedient werden darf. Bedauerlicherweise ist das für uns kleinere Einzelhändler auf Dauer wirtschaftlich nicht machbar. Es wird vielen damit die Lebensgrundlage entzogen, und für die ganze Gesellschaft bedeutet das, dass Vielfalt, Kreativität und das Erlebnis beim Shopping-Bummel verloren gehen wird. Und das darf auf keinen Fall passieren. Da müssen wir alle ganz dringend etwas dagegen tun. 

Video: Handelsverband klagt: Click & Meet ist „reines Verlustgeschäft“

Viele sehen die Zukunft in einer Mischung aus stationärem und Online-Handel. Gilt das auch für das Lieblings?
Asdoune: Das Online-Geschäft sollte, wenn überhaupt, nur eine geringe Rolle für die Innenstadthändler spielen, denn der Online-Handel nimmt den Menschen das Shopping-Erlebnis. Das kann man doch mit dem stationären Handel überhaupt nicht vergleichen. Für einige Artikel mag das Online-Geschäft durchaus Sinn machen, zum Beispiel für Nachbestellungen oder weniger beratungsintensive Warengruppen. Aber in unserer immer anonymer werdenden Welt sollte wenigstens das Einkaufserlebnis persönlich bleiben. Da wir bei einer Vielzahl unserer Produkte die verschiedensten „Sinnes-Kanäle“ ansprechen, könnten wir online gar nicht so gut performen wie auf stationärer Ebene.

Lesen Sie auch hier: Im Corona-Lockdown bieten Läden aus der Region Fulda seit zwei Wochen „Click and Meet“ an. Dank des Einkaufens mit Termin sehen viele Händler ein Licht am Ende des Tunnels. Wirtschaftlich rechnet sich das Angebot aber nur für wenige Verkäufer. 

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