Leere Tische und Stühle: An diesem Bild wird sich vorerst nichts ändern. (Symbolfoto)
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Leere Tische und Stühle: An diesem Bild wird sich vorerst nichts ändern. (Symbolfoto)

Von Wut bis Verständnis

Zweiter Corona-Lockdown: So reagieren Fuldaer Unternehmer auf die neuen Maßnahmen

Das Krisen-Gespräch zwischen Bund und Ländern am Mittwoch hat verschärfte Corona-Maßnahmen bis Ende November nach sich gezogen. Fuldaer Unternehmer und Künstler zeigen Reaktionen, die von Wut bis Verständnis reichen.

  • Am Mittwoch hat zwischen Bund und Ländern ein Corona-Krisengespräch stattgefunden. Die aktuellen Entwicklungen finden Sie in unseren News-Tickern zu Hessen und Fulda.
  • Restaurants, Kinos, Schwimmbäder und Freizeitangebote werden ab dem 2. November geschlossen, um die weitere Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen.
  • In unserem Artikel reagieren die Fuldaer Unternehmer und Kunstschaffenden auf die neuen Maßnahmen.
Steffen Ackermann, Vorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbandes Kreisverband Fulda: „Zwischen Wut, Betroffenheit und Hoffnungslosigkeit“

Steffen Ackermann (Vorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbandes, Kreisverband Fulda) : „Meine Stimmung schwankte zwischen, Wut, Betroffenheit und Hoffnungslosigkeit. Ich habe kein Verständnis dafür, dass die Gastronomie geschlossen wird. Wir sehen uns nicht als Treiber der Pandemie. So werden die Leute ihre Feiern in Garagen oder sonstwo abhalten, wo das Ordnungsamt keinen Zugriff hat. Ich befürchte den gegenteiligen Effekt dessen, was erreicht werden soll. Wenn es eine Entschädigung geben sollte, muss das Geld sehr schnell fließen.“

Wolfgang Wortmann, Geschäftsführer des Kulturzenrums Kreuz: „Es ist eine Frage der Solidarität.“

Wolfgang Wortmann (Geschäftsführer des Kulturzentrums Kreuz in Fulda): „Der zweite Lockdown ist richtig und muss umfassend sein. Für uns ist er dennoch bitter, denn wir haben das Kreuz so renoviert und umgebaut, dass alle Hygiene- und Abstandsregeln perfekt eingehalten werden konnten. Wirtschaftlich haben sich die Veranstaltungen zwar ohnehin nicht getragen, aber die Menschen waren froh, wieder Kultur erleben zu können. Nun gilt: All together now. Es ist eine Frage der Solidarität.“ 

Schließungen unverhältnismäßig - Fitnessstudio-Betreiber Peter Spahn verärgert

Christoph Stibor, Theaterleiter in Fulda: „Der zweite Lockdown ist für uns kein Spaß“

Christoph Stibor (Theaterleiter in Fulda): „Klar ist: Es musste gehandelt werden. Der zweite Lockdown ist für uns jedoch kein Spaß. Es gab ohnehin nur noch wenige, sichere Veranstaltungen mit verringerten Besucherzahlen. Für das Angebot waren die Fuldaer sehr dankbar. Die Gefahr wird ja auch nicht bei uns, sondern bei der An- und Abfahrt im Nahverkehr gesehen. Und was mir wichtig ist: Schon wegen der enormen Wirtschaftsrelevanz braucht die Kulturbranche dringend noch mehr Unterstützung.“

Peter Spahn, Inhaber Paradiso Beauty & Fitness Club: „Es ist nicht verhältnismäßig, dass jemand bestraft wird, der alle Hygieneregeln einhält.“

Peter Spahn (Inhaber Paradiso Beauty & Fitness Club): „Eigentlich ist es nicht verhältnismäßig, dass jemand bestraft wird, der alle Hygieneregeln einhält und nicht für Infektionsausbrüche verantwortlich ist“, sagt Peter Spahn vom Fitnessstudio Paradiso in Fulda mit Blick auf seine Branche. Aber mit der staatlichen Entschädigung von 75 Prozent des letzten November-Umsatzes sei man immerhin besser dran als beim letzten Mal. Andernfalls hätte er auch gegen den Lockdown geklagt und ein Eilverfahren angestrengt, sagt Spahn. Die Mitgliedsbeiträge werden in der Zeit der Schließung diesmal nicht eingezogen, kündigt er an. Wichtig sei aber, dass die Schließung auf vier Wochen begrenzt bleibe. 

Musicaldarsteller Friedrich Rau stellt klar: „Uns fehlt die Lobby“

Musicaldarsteller Friedrich Rau: „Habe das Gefühl, es wird mit zweierlei Maß gemessen“

Friedrich Rau (Musicaldarsteller): „Dass wir die Pandemie bekämpfen müssen, steht außer Frage, und ich bin natürlich bereit, deswegen Einschränkungen zu akzeptieren. Aber ich habe das Gefühl, dass mit zweierlei Maß gemessen wird. Veranstaltungen sind nicht entbehrlicher als ein Einkauf bei Ikea. Dort ist die Ansteckungsgefahr nicht geringer als in einem Theater. Denn Kulturveranstalter haben ebensoviel Zeit und Mühe aufgebracht, um alle Hygiene- und Abstandsregeln umzusetzen. Und gerade wir werden jetzt erneut härter „bestraft“ als andere, als ob wir verantwortlich wären für den neuerlichen Anstieg der Infektionszahlen. Zum zweiten Mal zeigt sich: Uns fehlt die Lobby. Dabei ist Kultur ein Wirtschaftsfaktor und kein Sahnehäubchen.“

Kai Gelhausen, Inhaber des Konrad-Zuse-Hotels in Hünfeld: „Der Lockdown ist nicht begründet“

Kai Gelhausen (Inhaber des Konrad-Zuse-Hotels in Hünfeld): „Es ist, gelinde gesagt, unglaublich, dass es in unserem Land möglich ist, dass ausgerechnet Hotellerie und Gastronomie geschlossen werden, obwohl wir wissen, dass sie nicht Treiber der Zahlen sind. Der Lockdown ist nicht begründet. Wir werden ein Hotel- und Gaststättensterben erleben, von dem sich die Branche nicht erholen wird. Die Politiker sagen, Ihr habt alles richtig gemacht und jetzt machen wir Euch dicht.“

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