Die Besucher im Friseursalon X-Style können ohne Test vorbeikommen.
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Die Besucher im Friseursalon X-Style können ohne Test vorbeikommen.

Umfrage in betroffenen Branchen

Noch herrscht Vorsicht: So nehmen Gastronomen, Händler und Dienstleister in Fulda die Corona-Lockerungen wahr

  • Sarah Malkmus
    vonSarah Malkmus
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  • Leon Weiser
    Leon Weiser
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Seit dem vergangenen Samstag befindet sich der Kreis in der Stufe 2 im hessischen Landesplan. Grund ist eine stabile Corona-Inzidenz von unter 50. Wie wird das erleichterte Leben in einzelnen Bereichen wahrgenommen?

Fulda - Im Kreis Fulda sind seit Samstag einige Corona-Regeln gelockert worden, weil sich die Corona-Inzidenz im Kreis Fulda seit Tagen auf einem niedrigen Niveau bewegt (Diese Corona-Regeln gelten jetzt in Fulda). Wir haben bei Geschäfts-Inhabern in der Barockstadt nachgefragt, wie sie die Lockerungen empfinden.

Einzelhandel: Trotz der „Regenkatastrophe“ am vergangenen Samstag hatte Marlies Piechotka, Inhaberin von Crea-Time in der Fuldaer Innenstadt, den Eindruck, es herrsche eine Art „Aufbruchstimmung“ in der Stufe 2. Dies habe sich jedoch lediglich auf den Samstag beschränkt. Seit Montag herrsche wieder eine „beängstigende Stille“. Dennoch: „Es kann noch kommen, ich will nicht pessimistisch sein.“

Corona in Fulda: So nehmen Gastronomen und Händler die Lockerungen wahr

Josef Wirth, Inhaber des Möbelhauses Wirth in Hünfeld berichtet, kaum eine Änderung gespürt zu haben durch die Stufe 2. Aufgrund der Tatsache, dass es sich beim Küchenverkauf um eine Handwerkerleistung handele, sei das Geschäft schon vorher teilweise geöffnet gewesen. Einbußen habe man zwar verzeichnet, diese seien jedoch vertretbar gewesen. „Durch die Terminregelung war auch einiges leichter“, sagt Wirth.

„Es freut mich zu sehen, wie das Leben langsam aber sicher wieder in unsere Innenstadt zurückkehrt“, sagt Fuldas Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld (CDU). Noch seien die Menschen zwar „etwas verhalten“ und eine „gewisse Vorsicht“ sei sicher auch positiv, „aber ich bin zuversichtlich, dass sich unsere Innenstadt wieder beleben wird“. Er sehe es nun als wichtigste Aufgabe, die Innenstadt durch attraktive Angebote und Veranstaltungen zu unterstützen und – soweit dies aktuell möglich sei – Menschen in die Innenstadt zu holen. „Die Planungen für ein buntes Sommerprogramm laufen bereits auf Hochtouren“, kündigt Wingenfeld an.

Hintergrund

„Zunächst gelten die Regeln der Bundesnotbremse und die Landesstufen 1 und 2 bis Ende Juni“, heißt es vom Hessischen Ministerium für Soziales und Integration. Bund und Länder wollen bis Ende Juni beraten haben, wie es mit möglichen Lockerungen weitergehen könnte, erklärt die Pressestelle weiter. Wann diese Beratungen stattfinden werden, stehe indes noch nicht fest.

In der Bundesnotbremse ist festgelegt, wie die verschiedenen Landkreise auf die Inzidenz reagieren sollen. Stufe 1 gilt, wenn die Inzidenz an fünf aufeinanderfolgenden Werktagen unter 100 liegt. Die zweite Stufe tritt in Kraft, wenn die Zahlen weitere 14 Tage unter 100 oder an fünf aufeinanderfolgenden Tagen unter 50 liegen. Letzteres ist seit Samstag im Kreis Fulda der Fall.

Schulen: „Es ist ein wunderbares Gefühl, das Gebäude wieder belebt zu sehen“, sagt Markus Bente, Schulleiter des Wigbert-Gymnasiums in Hünfeld. Die Restriktionen, die auch jetzt in Stufe 2 gelten würden, seien „gut in den Alltag integrierbar“. Sorge bereite ihm lediglich, dass momentan medial vermittelt werde, dass „alles wieder in Ordnung“ sei. Darin sehe er eine Gefahr: „Das gibt der Leichtsinnigkeit wieder mehr Raum.“

Steffen Flicker, Schulleiter des Marianums Fulda, empfindet es indes als „sehr positiv“, dass alle Schüler wieder in der Schule sind. „Der Tag wurde herbeigesehnt“, berichtet er. Es sei ein „Stück Normalität“, das mit der Stufe 2 wieder zurückgekehrt sei. Er stelle zudem fest, dass die Schüler sehr diszipliniert seien, sich zu schützen, aber auch andere nicht in Gefahr zu bringen.

Schulleiter freuen sich über Rückkehr der Schüler nach Corona-Pause

Harald Persch, stellvertretender Schulamtsleiter, zeigt sich über die aktuelle Entwicklung erfreut: „Selbstverständlich sind wir froh, dass nunmehr alle Schüler wieder im Präsenzunterricht beschult werden können.“ Da dieser eigentlich der Normalfall sei, bereite dieser auch keine Schwierigkeiten. Dennoch ist er der Meinung, dass die Entwicklung der Pandemie bis zu einem „normalen Schulleben“ weiterhin „abzuwarten bleibe“. Erfreulich sei, dass bereits jetzt schon Möglichkeit bestehe, Klassenfahrten durchzuführen und Abschlussfeiern zu planen. „Es geht also mit großen Schritten voran und selbstverständlich hoffe ich, dass dies auch so bleibt.“

Körpernahe Dienstleistungen: „Ohne Test läuft es deutlich besser“, sagt Celine Walter, Mitarbeiterin beim Friseursalon BlickPunkt in Tann, und fügt hinzu: „Die Kunden sind lockerer und entspannter als vergangene Woche.“ Für die Friseure sei es daher ein wichtiger Aspekt, dass bei körpernahen Dienstleistungen kein aktueller negativer Test mehr benötigt werde.

Ähnliches berichtet Ivonne Günzel, Inhaberin des Haarstudios X-Style in der Rabanusstraße: „Mit der Testpflicht war es eine Katastrophe. Die Lage war teilweise existenzbedrohend.“ Durch den Wegfall der Testpflicht sei die Nachfrage wieder gestiegen. Für Kunden und Mitarbeiter gehe es nun wieder aufwärts.

Auch für Kosmetikstudios geht es dank Stufe 2 nun wieder richtig los. Natalia Gebert, Inhaberin des Kosmetikstudios Auszeit in der Sturmiusstraße, hat ihr Studio seit gut zwei Wochen wieder geöffnet. „Der Terminkalender ist voll. Es gibt eine hohe Nachfrage“, sagt sie. Zwar sei die Testpflicht weggefallen, dennoch spricht Gebert Testempfehlungen aus. „Das wird gut angenommen. Wir freuen uns, dass wir wieder Kunden empfangen dürfen“, sagt sie.

Corona-Lockerungen in Fulda: Friseure freuen sich, dass Tests entfallen

Ähnlich sieht es Martin Gremm vom Hotel Esperanto, der nun wieder den Massage-Bereich in seinem Hotel eröffnen darf. „Die Leute wollen sich wohlfühlen und nutzen das Angebot der Massage sehr gut.“ Da aktuell nur Hotelgäste Massagen in Anspruch nehmen können, benötigen diese einen negativen Test, den sie im Hotel sowieso durchführen. Aber auch dies sei kein Hindernis.

Hotels: „Wir sind ein großes Stück in die Normalität zurückgekommen“, sagt Dirk Schütrumpf, Direktor des Hotels Platzhirsch in Fulda. Er merke, dass die Menschen wieder „raus wollen“, „sich treffen wollen“. Natürlich gingen mit Stufe 2 jede Menge Erleichterungen einher, dennoch stelle er fest, dass die Gäste gerade im Hinblick auf die Tests für die Innengastronomie noch Schwierigkeiten hätten. „Ich hoffe, dass wir aufgrund der aktuell niedrigen Inzidenz bald davon befreit werden.“

Ähnlich sieht Renate Tünsmeyer vom Goldenen Karpfen die Hotel-Situation in Stufe 2:„Es ist eine erfreuliche Entwicklung für die Gäste, dass sie nicht mehr derart beschränkt sind“, sagt sie. Es sei zwar „kein rauschender Wildbach an Gästen, der uns überfällt“, dennoch fülle sich das Hotel langsam. Sie nehme bei den Gästen außerdem die Freude wahr, dass sie wieder bedient werden können. Dennoch ist sie der Meinung, die Gäste müssten „zunächst wieder lernen, in dieser Freiheit zu leben“. Die Restriktionen, die mit Stufe 2 einhergingen, würden jedoch von den Gästen sehr ernst genommen.

Elisabeth Schrimpf vom Tourismus- und Kongressmanagement Fulda freut sich ebenso, dass wieder Leben in die Innenstadt eingekehrt sei. „Auch wenn die Resonanz noch ein wenig verhalten ist, werden unsere Gästeführungen wieder gebucht, und auch unsere Pauschalen werden nachgefragt.“ Um den Gästen, die noch nicht geimpft oder genesen sind, einen unbeschwerten Besuch der Gastronomie und einen angenehmen Aufenthalt in Fulda zu ermöglichen, seien die Bürgertest-Stationen in der Innenstadt hilfreich.

Dehoga-Vorsitzender Steffen Ackermann ist ebenso glücklich, dass die Anfragen der Touristen „langsam wieder eintrudeln“. Die Testpflicht stelle dabei keine größeren Schwierigkeiten dar. Dennoch: „Es läuft langsam an, es könnte noch ein bisschen euphorischer sein.“ Er nehme zudem wahr, dass die Gäste sich zunehmend über die Situation freuten, dennoch merke man ein teilweise zögerliches Verhalten bei den Menschen, „was jedoch nachvollziehbar ist, nach dieser langen Zeit“.

Gastronomie: „Die Freude bei uns war sehr groß, dass wir wieder in der Innengastronomie Kunden empfangen dürfen“, sagt Familie Kehl, die das Landhaus Kehl in Lahrbach führt. Die Biergärten sind gut gefüllt, da die Außengastronomie ohne einen aktuellen negativen Test besucht werden darf. Auch in der Innengastronomie ist der Betrieb wieder möglich, dann benötigen die Gäste allerdings einen negativen Test oder einen Impfnachweis.

Der Nachweis eines negativen Corona-Tests sei laut der Familie eine Hemmschwelle für viele Besucher. Das Landhaus lebe von den Tagestouristen, die sich spontan dazu entscheiden würden, dort essen zu gehen. „Im Moment entscheiden sich viele Menschen gegen einen Besuch in der Innengastronomie, wenn sie die Wahl haben. Das wirkt abschreckend“, erklären die Inhaber weiter.

Nach Corona-Pause: Außengastronomie in Fulda öffnet

Dennoch begrüßten sie am Samstagabend bereits einige Stammkunden. Für die Betreiber sei es ein ungewohntes Gefühl gewesen, nach mehr als sieben Monaten wieder Gäste vor Ort zu empfangen und zu bedienen. „Wir haben dann einen kleinen Neustart gefeiert. Bei uns müssen sich die Automatismen aber noch weiter einspielen“, meinen die Lahrbacher. Dennoch blicken sie positiv in die Zukunft: „Wir kämpfen und werden auch durch diese Phase gut durchkommen. Wir haben viel investiert und modernisiert und werden die Situation meistern.“ Eine hohe Nachfrage gebe es außerdem bei bereits festgelegten Events im Landgasthof.

„Wir haben eine hohe Nachfrage bei uns. Wenn jetzt noch das Wetter mitspielt, wäre es perfekt für uns“, sagt Christian Herber, Inhaber des Landgasthofs Rhönblick in Wissels. Mit seinem Bruder Florian habe er sich auf einen großen Ansturm am Samstag eingestellt, allerdings seien durch das schlechte Wetter weniger Kunden erschienen als erwartet.

Dennoch ist er positiv gestimmt, dass die Außengastronomie wieder ohne Test besucht werde. „Es gibt schon jetzt viele Reservierungen. Wir haben unseren Biergarten auf 150 Plätze ausgeweitet, deswegen sind wir sehr gut vorbereitet“, sagt Christian Herber. Im Landgasthof hätten sich bereits kleine Kommuniongruppen zum Essen angemeldet. „Die Gruppen werden von der Kirche aufgeteilt, sodass wir dann eher kleinere Gesellschaften bedienen“, sagt Herber. Sollte es wieder zu Unwettern kommen, könnten die Besucher auch den Innenraum aufsuchen. Am Telefon weise er darauf hin, dass sie für diesen Fall einen Test- oder Impfnachweis bereithalten sollen.

Das Wetter war auch für den Landgastof Lindenhof in Keulos ein Problem. „Es war recht verhalten. Wir hatten Glück, dass eine Gruppe Motorradfahrer da war, die wir im Innenraum bedienen konnten“, erklärt Inhaber Christian Vey. Für ihn spielen Radfahrer und weitere spontane Besucher eine wichtige Rolle. „Mit den Tests für die Außengastronomie war es schwieriger für uns, aber jetzt ist es erst mal okay“, sagt Vey. Für die Zukunft erhofft er sich, dass es mehr Lockerungen gebe. „Ich wollte eigentlich einiges rund um den Gasthof ausbauen, aber das hat sich alles verschoben“, berichtet der Inhaber.

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