Eine Polizistin und ein Polizist laufen während einer Kontroll-Streife zur nächtlichen Corona-Ausgangssperre einen erleuchteten Parkweg entlang.
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Wie in vielen anderen Regionen auch, gilt in Teilen Osthessens eine nächtliche Ausgangssperre. (Symbolbild).

Corona-Pandemie

Inzidenz liegt unter 200, Ausgangssperre bleibt: Warum der Landkreis Fulda an der Maßnahme festhält

  • Bernd Loskant
    vonBernd Loskant
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  • Daniel Krenzer
    Daniel Krenzer
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Obwohl die Inzidenzwerte in den Landkreisen Fulda und Main-Kinzig zuletzt unter der entscheidenden Marke von 200 lagen, gelten die nächtlichen Ausgangssperren weiter - zumindest in Fulda. Der Main-Kinzig-Kreis hat am Freitagnachmittag auf einen Gerichts-Beschluss reagiert.

Update vom 9. April, 17.58 Uhr: Das Verwaltungsgericht Frankfurt hat einem Eilantrag gegen die nächtliche Ausgangssperre im Main–Kinzig-Kreis stattgegeben, wie sie in der Allgemeinverfügung vom 3. April 2021 befristet bis zum Ablauf des 18. April 2021 festgesetzt worden war. Der Landkreis hat auf den Beschluss reagiert und die Ausgangssperre mit sofortiger Wirkung für das gesamte Kreisgebiet aufgehoben. „Diese Entscheidung haben wir zu respektieren, halten sie allerdings für falsch“, hieß es am Freitag in einer Reaktion von Main-Kinzig-Landrat Thorsten Stolz (SPD). Das Verwaltungsgericht hatte entschieden, dass Ausgangssperren nur ein letztes Mittel sein dürften.

Erstmeldung vom 9. April: Fulda - Im Kreis Fulda ist die Lage klar: Der Corona-Inzidenzwert war mehrere Tage am Stück über die 200er-Marke geklettert. In einem verbindlichen Erlass des Landes Hessen ist geregelt, dass Landkreise der Eskalationsstufe „schwarz“ (drei Tage hintereinander über 200) Maßnahmen treffen müssen, und zwar: „Sperrung von Ausflugszielen, Verhängung von Ausgangssperren und Beschränkung oder Einstellung des Schulbetriebs“.

Corona: Inzidenz sinkt - Landkreise Fulda und Main-Kinzig halten trotzdem an Ausgangssperre fest

Darauf verweist Kreisgesundheitsdezernent Frederik Schmitt (CDU) auf Nachfrage unserer Zeitung und betont, dass die nach Ostern zunächst gesunkenen Inzidenzwerte trügerisch seien. „Das Absinken der Inzidenz ist vor allem auf die Osterfeiertage zurückzuführen und bildet das tatsächliche Pandemiegeschehen nicht ab“, sagt er. „Dies ist mit dem ,blinden Fleck’ nach den Feiertagen an Weihnachten und Silvester vergleichbar“, führt er aus. Am Freitag liegt die Inzidenz in Fulda bei 185,1.

Auch das Robert Koch-Institut weist darauf hin, dass aktuell die gemeldeten Fallzahlen nur bedingt aussagekräftig seien: „Rund um die Osterfeiertage und -ferien ist bei der Interpretation der Fallzahlen zu beachten, dass aufgrund der Ferienzeit weniger Personen einen Arzt aufsuchen, wodurch auch weniger Proben genommen und weniger Laboruntersuchungen durchgeführt werden. Dies führt dazu, dass weniger Erregernachweise an die Gesundheitsämter gemeldet werden.“

Zwar wurde die Ausgangssperre im Kreis Fulda zunächst bis 18. April verhängt, sie kann aber je nach Entwicklung auch kürzer ausfallen. „Das Eskalationskonzept sieht vor, dass die Maßnahmen wieder zurückgenommen werden sollen, wenn der Inzidenzwert an fünf aufeinanderfolgenden Tagen unter 200 liegt“, sagt Schmitt. Der fünfte Tag wäre bei gleichbleibenden Zahlen der Sonntag.

Was aber bringt die Ausgangssperre? Der Bonner Virologe Hendrik Streeck hatte im Interview mit unserer Zeitung die Wirksamkeit von Ausgangssperren bezweifelt und gesagt: „Man erreicht damit nicht, was man sich erhofft.“

Gesundheitsdezernent Schmitt hält dagegen: „Die Ausgangsbeschränkung dient vorrangig der Reduzierung der Kontakte im privaten Bereich. Sie soll in erster Linie nicht den Aufenthalt im Freien einschränken, sondern soll die Zusammenkunft und das Treffen mit anderen Personen und Haushalten reduzieren.“ Da der Schwerpunkt der Infektionen nach wie vor auf Kontakte im privaten Umfeld zurückzuführen sei, sei die Ausgangsbeschränkung ein „adäquates Mittel“. Die Beschränkung von Treffen auf zwei Personen aus maximal zwei Haushalten sei eine weitere Option, die so beispielsweise in Hersfeld-Rotenburg getroffen wurde, „von der wir bislang aber absehen“.

Da der Schwerpunkt der Infektionen nach wie vor auf Kontakte im privaten Umfeld zurückzuführen ist, ist die Ausgangsbeschränkung  ein adäquates Mittel.

Fuldas Gesundheitsdezernent Frederik Schmitt

Im Main-Kinzig-Kreis beträgt die Inzidenz derzeit 132,9, die Marke von 200 wurde gar nicht erst überschritten. Dennoch hält der Kreis weiter an der Ausgangssperre fest und will die kommenden Tage abwarten, wie sich das Geschehen entwickelt. „Der Verwaltungsstab orientiert sich bei der Frage, ob weitere Gegenmaßnahmen ergriffen werden müssen, nicht nur an Fallzahlen und Inzidenzwerten, sondern auch am allgemeinen Infektionsgeschehen“, teilt uns eine Sprecherin des MKK mit.

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Grund für die Entscheidung sei vor allem, „dass Infektionsketten zunehmend nicht mehr nachverfolgt werden konnten, weil die Menschen sich nicht erklären konnten, wo sie sich angesteckt haben könnte.“ Eine Überlastung des Gesundheitssystems soll verhindert werden. Die Sprecherin verweist zudem darauf, dass auch bei Inzidenzen von unter 200 die Kreise auf das regionale Infektionsgeschehen mit entsprechenden Maßnahmen reagieren können.

Derweil kritisiert der ehemalige hessische Ministerpräsident Roland Koch (CDU) das Corona-Krisenmanagement von Bund und Ländern* scharf. In einem Gastbeitrag für die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (Freitagsausgabe) sprach sich der ehemalige CDU-Bundesvize deutlich gegen weitere Lockdown-Maßnahmen aus, berichtet die Frankfurter Neue Presse. *fnp.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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