Esther Lomb aus Fulda ist Model und hat auch in der Corona-Pandemie einige Jobs.
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Esther Lomb aus Fulda ist Model und hat auch in der Corona-Pandemie einige Jobs.

Von Pandemie ausgebremst

Modewelt dreht sich wegen Corona langsamer - Model Esther Lomb aus Fulda schildert Eindrücke

  • vonMarius Scherf
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Esther Lomb ist zwar erst 21, doch sie modelt schon für die großen Labels. Die Fuldaerin jettet seit ihrer Entdeckung um die Welt, doch Corona bremst sie aus. Statt „Posen in der Sahara“ heißt es jetzt „Shooten im Studio“ – Sand inklusive.

Fulda - Esther Lomb kommt gerade von einem Shooting in München. Anstrengend sei es gewesen und dann habe sie noch einen späten Zug nehmen müssen – dabei herrscht im Landkreis Fulda ab 21 Uhr eine Ausgangssperre. Verunsichert habe sie das schon, sagt das Model. Doch für solche Fälle habe sie eine von ihrer Agentur ausgestellte Arbeitsbescheinigung: Die Fotosession war produktionswichtig für die Ausgabe einer Zeitschrift.

Esther Lomb lebt seit 2016 ihren Traum von der Modelkarriere. Damals war sie noch Schülerin an der Marienschule in Fulda und wurde in München von einem Scout auf der Straße angesprochen. Seitdem steht sie bei „viviènne model management“ unter Vertrag. Über die Münchner Agentur führte sie der Weg nach London, Mailand, Marokko oder Australien. Ihr Typ: Sanfte Lippen, funkelnde Augen und rot-blond gelocktes Haar. Dazu ist sie groß; eine natürliche Schönheit, könnte man sagen. Esther Lomb fällt auf – vielmehr aber wegen ihrer herzlichen Art und strahlenden Offenheit. Vielleicht ist auch das der Grund, warum sie bald in ausgewählten Modezeitschriften wie „Harper’s Bazaar“ oder der „Elle“ zu sehen war.

Corona hat Esther Lomb aus Fulda ausgebremst - Model konnte nicht nach London umziehen

Doch Corona bremst Esther Lomb vorerst aus. Kapstadt und Tel Aviv, der Auszug bei den Eltern sowie der Umzug nach London – das alles fiel der Pandemie zum Opfer.

„Seit Ende März war ich wieder zu Hause in Fulda“, erzählt sie. Vom Jetset zum Sauerteig. Wie viele Menschen verbrachte auch die 21-Jährige den ersten Corona-Lockdown unter anderem mit Brotbacken. Der banale Alltag, das war für sie Entspannung pur. „Sonst verbringe ich nicht mal Zeit im Hotel. Ein Shooting kann auch mal zwölf Stunden dauern. Ich habe es genossen, einfach mal wieder runter zu fahren. Aber irgendwann fällt dir dann schon mal die Decke auf den Kopf, weil du es gewohnt bist, die ganze Zeit auf Trab zu sein.“

Fashion-Shows finden wegen Corona online statt - Esther Lomb hatte im Juni wieder Jobs

So wie Esther Lomb aus Fulda ging es vielen in der Branche: „Am Anfang ist es sehr ruhig geworden, weil alle Models nach Hause geschickt wurden.“ Die Corona-Pandemie hat ein Geschäft, das sich wie die Welt zuletzt immer schneller zu drehen schien, ausgebremst. Aber die Maschinerie müsse trotz Corona-Pandemie weiterlaufen, erklärt das Model. „Die Sommerkollektion wird immer im Winter gemacht und umgekehrt.“ Das Motto der Branche, sagt sie: „Wer nicht wirbt, der stirbt.“ Nun waren die Booker, also diejenigen, die die Models buchen, gezwungen, auf die Models aus der jeweiligen Heimat zurückzugreifen.

Als Freiberuflerin musste die Fuldaerin Esther Lomb umso mehr sehen, wo sie bleibt. Aber schon im Juni kamen für das junge Model wieder Jobs rein. Ihr Highlight im September: Fashion Week in Mailand; Runway für Dolce und Gabbana. Nahezu alle großen Fashion-Shows fanden bis Ende September statt – auch vor Publikum. Die allermeisten Shows wurden zudem per Livestream übertragen.

Fotoshooting mit Abstand und Maske - Models werden nicht immer auf Corona getestet

Doch ob auf dem Laufsteg oder im Studio – es hat sich einiges verändert. Vor Shows finden nicht mehr immer Castings statt, bei denen die Models engagiert werden. Esther Lomb nimmt jetzt Catwalk-Videos im Homeoffice auf. „Früher habe ich eine Adresse in die Hand gedrückt bekommen, jetzt muss ich ein Video machen und mich vorstellen.“ Dolce und Gabbana hat sie dann schließlich direkt gebucht.

Beim Fotoshooting arbeiten jetzt alle wegen Corona mit viel Abstand und mit Maske. „Am Anfang haben wir uns Models sogar selbst geschminkt.“ Heute machen das zwar wieder die Visagisten, aber Improvisationstalent ist dennoch gefragt. „Die Labels haben für die aufkommende Sommerkollektion gerne in der Sahara in Marokko geshootet, doch das geht nicht mehr. Stattdessen hat das Team mit Greenscreens im Studio gearbeitet und den Sand gleich mit aufgeschüttet“, schildert Esther Lomb aus Fulda. Das Geschäft läuft weiter, aber zu welchem Preis? Am Set werden alle Mitarbeiter auf das Coronavirus getestet. Die Models nicht immer, sagt Esther Lomb. Aber falls doch, geschieht dies auch mal wenige Stunden vor dem Termin. Mitunter saß die 21-Jährige schon wieder im Flieger und wusste nicht, ob der Test positiv oder negativ ist.

Bei Esther Lomb herrscht Unsicherheit wegen Corona: Finden Buchungen statt?

In Mailand sei der Flughafen wie ausgestorben gewesen und in London, wo sie im November war, saß die Fuldaerin im Hotelzimmer und wartete auf Buchungen. Viel zu tun gab es nicht mehr, denn in dieser Zeit seien die meisten großen Produktionen bereits abgearbeitet gewesen, weil die Kunden, die Esther Lomb buchten, damit rechneten, dass bald wieder ein Corona-Lockdown kommt.

Die größte Veränderung für die junge Frau ist daher die Unsicherheit, die wegen Corona herrscht. „Alles ist super spontan geworden und ich muss jetzt noch flexibler sein.“ Für die erste Januarwoche habe sie zwar schon einige feste Buchungen, doch ob die stattfinden, weiß sie noch nicht. Jetzt ist das Model erst einmal wieder zu Hause in Fulda; hat Zeit zum Durchatmen.

„Es wurde vieles abgesagt, aber es gab auch einiges Gute im vergangenen Jahr.“ Trotz weniger Shootings kämen jetzt noch hochklassigere Kunden auf sie zu. Ihre Gedanken über die Auswirkungen der Corona-Krise: Den großen Trubel brauche man nicht immer, um Fortschritte zu machen und die Weltreise auf Kosten der Umwelt sei auch nicht immer nötig. „Die Pandemie hat den Druck aus der Branche rausgenommen – die Modewelt ist ein Haifischbecken. Aber mir macht das unglaublich Spaß und ich hoffe, in diesen Beruf noch viel probieren zu können.“ Traumjob Model? Für Esther Lomb ist das Realität – trotz Corona.

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