In der Bait-ul-Hameed-Moschee in Fulda herrscht Maskenpflicht und der nötige Abstand. Viel findet derzeit aber auch nur digital statt.
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In der Bait-ul-Hameed-Moschee in Fulda herrscht Maskenpflicht und der nötige Abstand. Viel findet derzeit aber auch nur digital statt.

Viele Veranstaltungen digital

Corona schränkt Fastenmonat ein: Muslime in Fulda begehen Ramadan in ungewohnter Weise

  • Daniel Krenzer
    vonDaniel Krenzer
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Nachdem die Christen hierzulande das zweite Osterfest hintereinander unter Pandemiebedingungen bestreiten mussten, ergeht es aktuell den Muslimen im Ramadan ähnlich. In Fulda geht man dabei mit dem Thema Corona sensibel um.

Fulda - Einen Monat lang fasten die Muslime tagsüber, widmen sich verstärkt dem Gebet und kommen in der Regel dafür sowie für das abendliche Fastenbrechen in größeren Gruppen zusammen. In diesem Jahr sei das aber – genauso wie schon im vergangenen Jahr – nicht im gewohnten Umfang möglich, berichtet Ijaz Janjua, Imam der Ahmadiyya-Gemeinde in Fulda, die am 14. April mit dem Ramadan begonnen hat. Das freiwillige Abendgebet werde nicht in der Bait-ul-Hameed-Moschee in der Edelzeller Straße verrichtet. „Das Abendgebet findet aber statt, da es nicht länger als 15 Minuten dauert. Alle anderen Veranstaltungen, außer den Gebeten, finden online statt“, führt der Imam aus.

Das Risiko, dass die Moscheebesuche während des Ramadans die Inzidenzen nach oben treiben könnten, werde „strengstens unterbunden“. Janjua führt aus: „Die Gläubigen haben die Corona-Regeln schon lange eingeübt: Abstand halten, Maske tragen, sich in Anwesenheitslisten eintragen und immer den eigenen Gebetsteppich mitbringen.“ (Lesen Sie hier: Ahmadiyya-Gemeinde gewinnt Integrationspreis der Stadt Fulda)

Corona in Fulda: Muslime begehen Ramadan in ungewohnter Weise

Besonders im Monat Ramadan sei es unter Muslimen üblich, dass man zum Fastenbrechen bei Sonnenuntergang andere zu sich zu Hause einlade, um gemeinsam zu speisen. „Aber in diesem und im vergangenen Jahr hat man dies in unserer Gemeinde unterbunden“, sagt der Imam mit Blick auf Kontaktbeschränkungen aus Ausgangssperren. Allen Gemeindemitgliedern sei nahegelegt worden, das Fasten nur mit der eigenen Familie zu brechen. Gemeinsame Veranstaltungen fänden aber online statt, die Teilnehmerzahl daran sei zuletzt deutlich gestiegen.

Zentralrat der Muslime

Islamverbände haben Muslime im Ramadan angesichts Ausgangsbeschränkungen in Deutschland zu besonderer Zurückhaltung aufgerufen. Mit Blick auf das allabendliche gemeinsame Fastenbrechen (Iftar) nach Sonnenuntergang mahnte der Zentralrat der Muslime (ZMD) in einem Rundbrief an die Gemeinden zum Verzicht. Das geänderte Bundesinfektionsschutzgesetz lasse zwar bei Zusammenkünften zur Religionsausübung gewisse Spielräume, schrieb der ZMD-Vorsitzende Aiman Mazyek. Die Gemeinden sollten aber von Ausnahmeregelungen möglichst keinen Gebrauch machen und auf Nacht- und Morgengebete in der Moschee verzichten.

Auch bei privaten Zusammenkünften greife die neue Notbremse des Bundes: Bei einer Wocheninzidenz von 100 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner dürften Angehörige eines Haushalts zum Iftar nur noch eine weitere Person einschließlich Kindern einladen, betonte der ZMD. Die Ditib als größte Islam-Organisation in Deutschland hatte klargestellt, dass in der dritten Corona-Welle in den Moscheen kein abendliches Iftar stattfinden könne. Zudem gebe es bei hohen Inzidenzwerten keine Gottesdienste in den Moscheen.

Der ZMD warb zudem ausdrücklich für Corona-Schutzimpfungen. Bei der Ditib hieß es, eine Impfung gegen Corona mache das Fasten nicht ungültig. Zuvor war darüber diskutiert worden, ob Impfungen „unrein“ seien und somit im Ramadan unterlassen werden sollten. Das wies der Zentralrat somit zurück.

Der Fuldaer Imam Ijaz Janjua berichtet, dass sich in der Moschee die durch die Pandemie nötigen Abläufe und Regeln gut eingespielt haben.

Wie bei vielen anderen haben sich auch beim Imam die täglichen Abläufe durch die Pandemie stark verändert. „In der Regel war ich sehr viel unterwegs, habe verschiedene Gemeinden besucht, Hausbesuche getätigt. Aber nun ist der persönliche Kontakt zu vielen verloren gegangen. Viele, die ich in der Woche mindestens einmal getroffen hatte, habe ich nun seit etwa einem Jahr nicht mehr persönlich gesehen.“ Doch dank des Internets erschlössen sich neue Wege, um zumindest auf digitalem Weg den Kontakt zu pflegen und Veranstaltungen abzuhalten.

Video: Erneut eingeschränkt - Zweiter Ramadan in Zeiten von Corona

Trotz der erschwerten Umstände zeigt sich Janjua zuversichtlich. „Was uns diese Pandemie gelehrt hat, ist, dass wir zusammenhalten müssen. Zusammen können wir das durchstehen.“ Schließlich gehe es mit dem Impfen voran, aber auch das weitere Einhalten der Hygieneregeln sei wichtig dabei, um die Pandemie weiter zu bekämpfen. „Im Heiligen Koran heißt es in der Sure 94 Vers 7: Wahrlich, mit der Drangsal kommt die Erleichterung. Daher hoffe und bete ich für eine baldige Normalisierung und viel Gesundheit für alle“, sagt Janjua.

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