Viele Menschen waren auf dem Stadtfest in Fulda. (Archivfoto)
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Noch vor Corona: Viele Menschen zog es auf das Stadtfest in Fulda. Oberbügermeister Heiko Wingenfeld möchte nach Abschluss der Impfaktion in Fulda ein Fest ausrichten. (Archivfoto)

Treffen mit Akteuren geplant

Nach Kritik der IHK Fulda: So reagiert der Oberbürgermeister - Großes Fest nach Corona-Impfaktion?

  • Volker Nies
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Fuldas Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld (CDU) sieht den Vorstoß der Industrie- und Handelskammer (IHK), sich aktiv für die Innenstadtentwicklung einzusetzen, als „wichtiges Signal“. „Es kommt darauf an, mit klaren Zielen die Weichen für eine lebendige Innenstadt zu stellen“, so Wingenfeld. 

Fulda - Die IHK Fulda warnt, die Corona-Pandemie und die angeordneten Ladenschließungen bedrohten die Existenz vieler Unternehmen und stärkten die Tendenz zum Online-Handel. Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld greift die Kritik jetzt auf. Er hält fünf Punkte für wesentlich für die Innenstadt in Fulda.

1. Weniger Flächen: Es sei wichtig, Qualität und Attraktivität der City in der Corona-Pandemie zu stärken. „Hierzu gehört, dass wir als Stadt auf eine behutsame Reduzierung der Handelsflächen setzen. Die Qualität des Angebotes ist wichtiger als die Quantität.“ Mit der Entscheidung, im Löhertor keine Handelsflächen zu schaffen, sondern einen Mix aus Büros, Hotel und Wohnen zu realisieren, habe Fulda bereits 2016 Weichen gestellt. Ähnliches gelte für die Entwicklung der Kerber-Immobilie.

In der Corona-Krise: Feste und kulturelle Angebote in Fulda sollen gestärkt werden

2. Mehr Kultur: Auch auf einen weiteren Ausbau der Kultur- und Erlebnisangebote in der Innenstadt drängt Fuldas Oberbürgermeister. Es sei wichtig, die durch das ganze Jahr bestehenden Feste und kulturellen Angebote zu stärken. „Die Stadt war und ist bereit, hier auch künftig eine aktive Rolle zu spielen“, verspricht der Oberbürgermeister. Er habe bereits am 13. Januar im Hessentagsbeirat, als die Absage des Hessentags entschieden wurde, vorgeschlagen, dass die Stadt sich bei ihren Bürgern mit einem Fest für den Zusammenhalt während der Corona-Pandemie bedankt. „Wir werden dieses Fest nach der Pandemie beziehungsweise dem Abschluss der Impfaktion feiern.“

3. Überregional locken: Auch die überregionale Anziehungskraft des Oberzentrums Fulda müsse ausgebaut werden. „Wir konnten die Übernachtungszahlen zwischen 2005 und 2019 auf knapp 700.000 verdoppeln. Handel und Gastronomie profitieren davon stark.“ Hier müssten weitere Potenziale ausgeschöpft werden. Dazu gehöre eine überregionale und gemeinsame Vermarktung der Stadt mit der Rhön. Die neue Tourist-Information im Palais Buttlar sei zukunftsweisend.

Fuldas Oberbürgermeister appelliert an die Solidarität und Verantwortung der Bürger in der Corona-Krise

4. Mehr Regionalität: Anbieter regionaler Produkte müssten in der Corona-Krise besser gefördert werden. „Wir haben mit dem geplanten RegioMarkt im Steinweg sowie der privaten Initiative Regio Point in der Löherstraße bereits vorbildliche Angebote in der Innenstadt in Fulda. Daran müssen wir anknüpfen. Ein eigenes Profil in Handel und Gastronomie stärkt die überregionale Wahrnehmung“, erklärt Wingenfeld. Er warnt davor, dass eine zunehmende Dominanz von Handels- und Gastronomieketten Innenstädte „austauschbar“ mache.

Unterstützung durch Mediengruppe Parzeller

Die Zukunft der Innenstädte ist auch der Mediengruppe Parzeller wichtig, in der diese Zeitung erscheint. „Wir sind traditionell Anwalt und Partner von Einzelhändlern, Gastronomen und Hoteliers“, sagt Verlagsgeschäftsführer Haldun Tuncay mit Blick auf den Vorstoß der IHK. „Die Wiederbelebung der Innenstädte ist uns wichtig.“ „Wir fürchten, dass die Innenstädte nicht wieder ihr Niveau von vor der Coronakrise erreichen, wenn sie nicht kräftig Rückenwind erhalten. Wir wollen deshalb mit allen Beteiligten überlegen, welche Ideen und Konzepte helfen“, erklärt Tuncay. Die Zeitung wolle ihren Beitrag dazu leisten, dass die Menschen wieder gern in die Innenstädte kämen und die Zeit dort als Erlebnis wahrnähmen. / vn

Nach Kritik der IHk Fulda: Oberbürgermeister Wingenfeld will sich mit allen Beteiligten treffen

5. Mehr Solidarität: Schließlich appelliert Fuldas Oberbürgermeister auch an die Solidarität und Verantwortung der Bürger. „Alle gesellschaftlichen Akteure müssen jetzt prüfen, welchen Beitrag sie zum Erhalt und zur Belebung der Innenstädte leisten können.“

Die Stadt habe schon früh ermöglicht, die Gewerbe- und Grundsteuer zu stunden, und Immobilieneigentümer in der Innenstadt in Fulda gebeten abzuwägen, Mieten zu stunden oder zu reduzieren. Der Bestell- und Abholservice vieler Händler biete den Kunden die Möglichkeit, sich lokal zu versorgen. „Wir als Stadt und ich als Oberbürgermeister bitten, den heimischen Handel und die lokale Gastronomie zu stärken.“

An seinen Ideen will Fuldas Oberbürgermeister mit allen Betroffenen arbeiten: Handel, Gastronomie, Dienstleister, City-Marketing, IHK, Medien sowie alle weiteren Akteure seien aufgefordert, sich mit Veränderungsbereitschaft, aber auch mit konkreten Ideen einzubringen. Die Stadt werde dabei eine federführende Rolle einnehmen. Die bereits Anfang 2020 von Stadt, Landkreis und IHK beauftragte „Zukunftsstudie Region Fulda“ solle die Innenstadt noch stärker in den Fokus nehmen. Wingenfeld will bald zu einem Runden Tisch zur Innenstadtentwicklung einladen. Angesichts der Größe der Herausforderung in der Corona-Pandemie müssten alle Akteure noch enger zusammenrücken.

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