Leere Klingelbeutel: Die Corona-Pandemie hat zu einem Kollekteneinbruch in den Kirchen geführt. Auch in der Region.
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Leere Klingelbeutel: Die Corona-Pandemie hat zu einem Kollekteneinbruch in den Kirchen geführt. Auch in der Region.

Einbußen auch im Bistum Fulda

Leere Klingelbeutel: Corona-Pandemie führt zu Kollekteneinbruch in den Kirchen

  • VonMarius Scherf
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Gottesdienste haben im zurückliegenden Corona-Lockdown nur eingeschränkt stattgefunden. Die Folge: Die Kollekten sind massiv zurückgegangen. Auch jetzt besuchen vergleichsweise wenige Gläubige die Gottesdienste. Fatal für die Empfänger der Hilfsgelder.

Fulda - 800 Menschen besuchen laut Stadtpfarrer Stefan Buß normalerweise den Sonntagsgottesdienst im Fuldaer Dom – wenn nicht gerade Corona herrscht. Über Monate hinweg durften Gottesdienste nur stark eingeschränkt stattfinden. Kollekten konnten nicht wie gewohnt gesammelt werden. Inzwischen dürften 150 Menschen in den Dom in Fulda.

So groß der Rückgang der Gottesdienstbesucher, so massiv der Einbruch der Kollekten im gesamten Bistum, zu dem auch der Main-Kinzig-Kreis gehört, im Jahresvergleich: 1.684.896,32 Euro betrug im Jahr 2019 das vom Bistum erfasste Gesamtkollektenaufkommen. 2020 waren es nur noch 1.082.814,53 Euro – rund 36 Prozent weniger.

Corona in Fulda: Pandemie führt zu Kollekteneinbruch in den Kirchen

Im Bistum gibt es Kollekten für die Kirchengemeinden, die von diesen selbstständig durchgeführt werden. Weiterhin gibt es Kollekten, die von der Diözese erfasst und an die Hilfswerke weitergeleitet werden – nur diese Zahlen kann das Bistum veröffentlichen. Die „Dunkelziffer“ beim Rückgang dürfte also noch deutlich höher liegen.

„Für das gegenwärtige Jahr können wir aufgrund der unsicheren Lage keine seriöse Kollektenprognose geben, Ergebnisse erwarten wir erst im neuen Jahr“, schreibt die Pressestelle des Bistums. Eine Möglichkeit, ausgebliebene Kollekten finanziell auszugleichen, gebe es nicht. Dies wiederum ist fatal für die Arbeit zahlreicher Hilfsorganisationen, die das Bistum unterstützt. Das Hilfswerk Misereor erhielt im Vergleich zu 2019 im vergangenen Jahr rund 61 Prozent weniger Gelder aus Fuldas Kollekten. Oder in Zahlen ausgedrückt: 132.647,42 Euro.

Im katholischen Bistum Mainz, wozu auch der Vogelsbergkreis gehört, wurden im Jahr 2019 insgesamt Kollekten in einer Höhe von 4.694.336 Euro weitergeleitet. Im Pandemiejahr 2020 waren es noch 4.101.840 Euro. Das Spendenaufkommen im Bistum pro Kopf ging indes weniger stark zurück: 2020 lag es bei 6,68 Euro im 2020 bei 5,97 Euro pro Kirchenmitglied. In Pandemiezeiten scheint die Spendenbereitschaft der Menschen also grundsätzlich weiter vorhanden zu sein.

Große Einbußen auch bei der evangelische Kirche vom Kurhessen-Waldeck

Das zeigt auch eine Sonderkollekte, welche von der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz initiiert worden war. Der „Weltkirchliche Sonntag des Gebets und der Solidarität“ im September 2020 erbrachte mehr als 2,4 Millionen Euro. Das Geld soll den unter der Corona-Pandemie Notleidenden zugutekommen.

Auch die evangelische Kirche vom Kurhessen-Waldeck hat große Einbußen zu verzeichnen. Genaue Zahlen liegen für das Kreiskirchenamt Fulda vor: Wurden in 2019 noch 209.145,83 Euro an Kollekteneinnahmen registriert, waren es in 2020 123.584,81 Euro. Dies bedeutet, dass das Kollektenaufkommen in 2020 um rund 40 Prozent im Vergleich zum Jahr 2019 zurückgegangen ist.

Video: Kirche in Corona-Zeiten - „Alleinlebende haben es schwer“

„Geht man davon aus, dass das Aufkommen in den Monaten Mai bis Dezember 2021 gleich hoch wie in den ersten vier Monaten ist, dann sind in 2021 65.877,98 Euro zu erwarten. Dies würde einen Rückgang gegenüber 2019 von rund 69 Prozent bedeuten“, sagt Melanie Rüllig, Kirchenkreisamtsleiterin in Fulda.

Im Kreiskirchenamt Kinzigtal betrug das Gesamtkollektenaufkommen in 2019 261.796,55 Euro. 2020 waren es nur noch 145.184,84 Euro. Der Rückgang in 2021 wird auf gut 40 Prozent geschätzt. Das Dekanat Vogelsberg der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau verzeichnete im Jahr 2019 ein Kollektenaufkommen von 191.351 Euro und in 2020 68.488 Euro.

Blick in die Pfarreien

Pfarrer Stefan Buß:

„In den normalen Sonntagsgottesdiensten haben wir einen Einbruch von 80 Prozent bei den Kollekte erlebt“, berichtet Stadtpfarrer Stefan Buß. In der Stadtpfarrkirche finden jetzt nur noch 130 Menschen Platz. Vor Corona waren es 550. In den Dom fanden sich laut Buß in früheren Zeiten sogar 800 Menschen zum Sonntagsgottesdienst ein, heute maximal 150.

Die Pfarrei veranstaltet Live-Gottesdienste mit bis zu 1000 Zuschauern. Die Teilnehmer spendeten über die Website an die Pfarrei. Zur Sternsingeraktion konnten die Menschen sich die Aufkleber in der Kirche abholen und dort spenden. So habe es keinerlei Einbruch bei dieser Kollekte gegeben.

Aber Einbußen gibt es trotzdem viele. Auch an unerwarteter Stelle, so der Pfarrer: „Die Opferlichter sind auch weniger als sonst. Es fehlen die Touristen in den Kirchen.“ Die Pfarrei spendet ihre Kollekte verschieden Organisationen wie etwa der Obdachlosenhilfe. „In diesen Bereichen muss man schauen, dass es gedeckelt ist, aber wir haben nicht die Situation, dass wir gar nichts mehr machen können. Durch dass etwa Jugendcamps ausfallen mussten und die Pfarrei hier Kosten sparen konnte, konnte dennoch Geld für die Obdachlosenhilfe gespendet und ein Food Truck bezahlt werden.

Pfarrer Jörg Scheer:

Auch in der evangelischen Christuskirchengemeinde in Fulda gab es durch die Einschränkungen einen Einbruch bei den Kollekten. „Ich habe jedoch nicht das Gefühl, dass das Pro-Kopf-Spendenaufkommen gesunken ist“, sagt Pfarrer Jörg Scheer. Diejenigen, die kommen, spenden weiterhin so viel wie eh und je.

Ziemliche Einbußen habe es bei „Brot für die Welt“ gegeben. Am Weihnachtsgottesdienst habe es eine Kollekte von gerade einmal 300 bis 400 Euro gegeben. Zudem gebe es Einbußen bei den zweckgebundenen Kollekten, sagt Scheer. „Es ist zu früh zu sagen, ob Projekte nicht mehr unterstützte werden können. Wir müssen absehen wie es sich entwickelt.“

Laut der Landeskirche Kurhessen Waldeck sind alle Kollektenempfänger gleichermaßen von dem Rückgang betroffen. „Eine interessante Erfahrung ist, dass in vielen Gemeinden deutlich mehr Geld in die Kollekte gegeben wird. So hat beispielsweise auch der Verein Ausbildungshilfe – Christian Education Fund der EKKW deutlich mehr Spenden bekommen, die allerdings nicht die Kollekteneinnahmen kompensieren“, heißt es vonseiten der Kirche.

Das Problem: Ein Großteil der jährlichen Spenden bezieht der Verein aus der Konfirmationskollekte – durch die Absage der Konfirmationen im Frühjahr 2020 verlor der Verein vorübergehend seine Haupteinnahmequelle. Doch zum Teil wusste man sich zu helfen: Statt Kollekten zu sammeln, haben viele Gemeinden ihre Mitglieder animiert, direkt zu spenden. So wurden beispielsweise in Videogottesdiensten Spendenkonten von Kollektenempfängern eingeblendet oder QR-Codes generiert, um an den Endempfänger zu spenden.

Indes gibt sich die Landeskirche einem Ausgleich von Verlusten aus Kirchensteuermitteln durchaus offen. Dazu Prälat Bernd Böttner: „Wenn es am Ende für eine Initiative, einen Verein, einen Arbeitsbereich, um die Existenz geht, dann werden wir versuchen zu unterstützen.“

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