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Schluss mit 2G: Händler in der Region hoffen auf mehr Kunden - „Wir sind froh“

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Mit den angepassten Corona-Regeln in Hessen fällt die 2G-Regel im Einzelhandel weg.
Ab Montag fällt die 2G-Regel im hessischen Einzelhandel weg. Die Mehrzahl der Geschäftsleute ist zufrieden. © Frank Rumpenhorst/dpa

In der vergangenen Woche kündigte Volker Bouffier (CDU) die Abschaffung der 2G-Regel für den Einzelhandel in Hessen an. Ab sofort muss überall beim Einkaufen eine FFP2-Maske getragen werden. Die Geschäfte in Fulda reagieren darauf unterschiedlich.

Fulda - Michael Konow, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Fulda, berichtet von erheblichen Umsatzeinbußen unter 2G. „Die IHK Fulda hat seit Beginn der Pandemie dafür geworben, dass bei allen Einschränkungen auf gleiche Wettbewerbsbedingungen geachtet wird“, so Konow. Beim Handel sei dies lange Zeit nicht der Fall gewesen, da unterschiedliche Corona-Regeln für Grundversorger und Fachgeschäfte galten. Insofern begrüße die IHK den Beschluss.

Ähnlich geht es vielen Händlern: Christian Adolph, Inhaber des Juweliergeschäfts Bott, vermisst die Kontrolle von 2G-Nachweisen nicht. „Wir sind froh, dass das Überprüfen wegfällt. Es ist schön, dass wir uns nicht mehr mit Zertifikaten und Ausweisen befassen müssen. Auch wenn wir sicherlich nicht so viel damit zu tun hatten wie ein Textilgeschäft, das eigens jemanden zur Kontrolle abstellen musste: Alle mussten ja ihre Kunden überprüfen.“

Fulda: Schluss mit 2G im Handel - So reagieren die Geschäfte

Trotz Lockerungen fühlten sich Adolph und sein Team durch das Tragen der Masken und die Plexiglasscheiben bei der Beratung weiterhin sicher. (Mit unserem Corona-Ticker für Fulda bleiben Sie immer auf dem Laufenden)

Kristin Kümpel-Diegelmann, Inhaberin der Trachten-Boutique Kümpel in Hilders, sagt, sie habe in den vergangenen Wochen viel Verständnis von ihren Kunden erfahren. Niemand habe sich geweigert, eine Maske zu tragen oder 2G-Dokumente vorzuzeigen. „Wegen 2G war weniger los, und es war schwieriger für uns. Ich hoffe nun auf eine höhere Kundenfrequenz infolge der Lockerungen“, sagt Kümpel-Diegelmann.

Anders fällt die Bilanz der vergangenen Wochen bei Josef Wirth, Geschäftsführer von Möbel Wirth in Hünfeld, aus: „Wir haben mit 2G keine Probleme gehabt. Die Kunden haben uns unaufgefordert alle erforderlichen Dokumente gezeigt.“ Er schließe jedoch nicht aus, dass die Lockerungen auch sein Geschäft beleben könnten, da nun auch Ungeimpfte wieder kommen dürften.

„Wir werden das Tragen von FFP2-Masken als gesetzliche Vorschrift kontrollieren. Sollten sich einzelne Kunden weigern, ist der Zutritt zum Möbelhaus nicht möglich“, erklärt Wirth.

„Es ist ein zweischneidiges Schwert“, findet Cordula Bollbuck. Die Geschäftsführerin des Modehauses Erna Schneider in der Fuldaer Innenstadt ist sich nicht sicher, ob die Lockerungen die gewünschte Erleichterung bringen. „2G hatte sich bei uns eingependelt, vor allem die Bändchen-Aktion kam bei unseren Kunden gut an. Wir haben die Vorgaben immer streng kontrolliert“, schildert Bollbuck.

2G-Bändchen

Seit dem 21. Dezember 2021 hatte die Stadt Fulda gemeinsam mit dem Einzelhandel sogenannte „2G-Bändchen“ an Geimpfte und Genesene beim Einkaufen verteilt. Kunden mit Bändchen mussten beim Betreten weiterer Geschäfte dann keine Dokumente mehr vorzeigen.

Zuletzt wurde die Bändchen-Regelung bis Ende Februar verlängert. Nun, nach dem Ende der 2G-Regelung, sei sie laut Stadt Fulda überflüssig und werde daher aufgehoben. Die Bilanz der Bändchen-Regelung falle positiv aus. In einer für den Handel schwierigen Zeit habe man zumindest eine Vereinfachung des Einkaufens erreicht und den stationären Innenstadt-Handel unterstützt. Nach der Beobachtung der Stadt und den Rückmeldungen aus dem Einzelhandel wurden die Bändchen gut angenommen.

Der Vorsitzende des City-Marketings, Reginald Bukel, erwartet gleichwohl eine Belebung des Handels infolge der Lockerungen. Die Kontrollsituation sei „für beide Seiten unangenehm“.

Die Mitarbeiter werden auch die FFP2-Masken kontrollieren. „Ich persönlich sorge mich wegen der hohen Zahlen und des engen Kundenkontakts ein wenig um meine Mitarbeiter“, bemerkt die Geschäftsführerin. Sie ergänzt: „Wir sichern uns mit FFP2-Masken, Abstand und Einhaltung der Hygieneregeln weiter ab.“ Ferner wünsche sie sich, dass das Testen für Kunden und Mitarbeiter erleichtert wird, um Infektionsketten zu unterbrechen.

Video: Finanzminister Lindner: „2G im Handel nicht erforderlich“

Patrick Franz, Inhaber des Nahkauf Supermarkts Schaurich in Horas, hadert mit der Umsetzung der FFP2-Maskenpflicht im Alltag. „Sollte die Regelung auch für Mitarbeiter gelten, stellt dies eine zusätzliche Belastung dar“, erklärt er. Das Ein- und Ausladen von Getränkekisten sei bereits mit medizinischen Masken anstrengend. Außerdem zweifle er an der Sinnhaftigkeit des Beschlusses, da er bisher noch von keinem nachgewiesenen Ansteckungsfall beim Einkaufen von Lebensmitteln gehört habe.

„Wir werden unsere Kunden freundlich auf die Tragepflicht von FFP2-Masken hinweisen und vor dem Eingang entsprechende Schilder aufstellen“, erklärt der Inhaber. Allerdings habe die Belegschaft bereits vereinzelt mit Kunden zu tun gehabt, die aggressiv auf derartige Hinweise reagierten. Die Umsetzung der neuen Maßnahmen werde sich somit schwierig gestalten. Der Beschluss stelle einen Nachteil für den Arbeitsalltag dar. (von Sophie Brosch)

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