Leere Gänge in einer Schule in Baden-Württemberg. Stühle und Tische stehen gestapelt in den Fluren.
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Die meisten Schüler sind nach den Ferien ins Homeschooling gestartet. (Symbolfoto)

„Belastend für Eltern“

Corona zwingt Schüler nach den Ferien ins Homeschooling - „Das ist einfach alles nicht durchdacht“

  • Daniela Petersen
    vonDaniela Petersen
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Von den rund 13.900 Schülern im Landkreis Fulda waren am Montag wegen Corona nur 1681 in den Schulen. Das sind rund 12 Prozent. Diese „geringe Zahl“ bewertet das Schulamt als positiv.

Region - „Es zeigt, dass die Eltern die Aufforderung sehr ernst genommen haben“, sagt Harald Persch, stellvertretender Leiter des Schulamts Fulda, mit Blick auf das Homeschooling in der Corona-Pandemie. Das hessische Kultusministerium hat entschieden, dass ab der Klasse 7 Distanzunterricht erfolgen soll. Auch die Klassen 1 bis 6 sollen, wenn möglich, zuhause unterrichtet werden, die Präsenzpflicht wurde ausgesetzt. Aber: Wenn es nötig ist, dann dürfen Eltern ihre Kinder auch in die Schule schicken. Dieses Angebot für Präsenzunterricht haben landkreisweit 1681 Schüler wahrgenommen.

Fulda: Corona zwingt Schüler ins Homeschooling - „Das ist einfach alles nicht durchdacht“

Auch die Abschlussklassen sollten ursprünglich vor Ort unterrichtet werden. Sonntagabend, wenige Stunden vor dem Schulstart, gab es wegen Corona aber noch einmal eine Änderung: Weil der Sieben-Tage-Inzidenz-Wert im Landkreis Fulda am Wochenende von rund 200 auf 350 hochgeschnellt war, empfahl das Schulamt den Schulleitern, von Präsenzunterricht in Abschlussklassen abzusehen. „Wir mussten reagieren. Und bis auf zwei, drei Schulen im ländlichen Bereich, die das jetzt erst entscheiden möchten, hat das auch jede Schule so umgesetzt“, sagt Persch.

An der Domschule Fulda gibt es drei Abschlussklassen mit 40 Schülerinnen und Schülern. „Wir haben sie alle über unsere Plattform rechtzeitig erreicht. Aber die Entscheidung kam kurz vor knapp, das hätten wir uns anders gewünscht. Die Lehrer haben sich auf den Präsenzunterricht in den Abschlussklassen vorbereitet“, sagt der Rektor der Domschule, Harald Frühauf. Von 279 Schülern, die zur Domschule gehen, kamen gestern 21 zum Präsenzunterricht. „Es gibt Eltern, die zuhause sind und ihre Kinder trotzdem in die Schule schicken. Wir fragen nicht nach den Gründen“, betont Frühauf.

Eltern

Ina Riechert ist Vorsitzende des Kreiselternbeirats Fulda und hat drei Kinder im Alter von 5, 8 und 15 Jahren. Vom Land kämen keine klaren Vorgaben in der Corona-Krise. „Es wird Vieles auf die Schulleitungen abgewälzt“, sagt sie. Die Umsetzung sei von Schule zu Schule unterschiedlich. „Manche Schulen haben von 8 bis 12 Uhr eine Betreuung. Das bringt Berufstätigen womöglich nicht viel.“

Auch die Kommunikation zwischen Lehrern und Schülern sowie die Erreichbarkeit der Schulen sei verschieden. Dass Klassen mit Schülern, die zum Präsenzunterricht kommen, zusammengelegt werden, hält sie für falsch. „Da sitzen Kinder zusammen, die privat nichts miteinander zu tun haben.“ Diese Kontakte würden das Corona-Infektionsrisiko erhöhen. „Das ist einfach alles nicht durchdacht.“

In der größten Grundschule des Landkreises, der Florenbergschule Pilgerzell, haben sich für diese Woche 74 Kinder für den Präsenzunterricht angemeldet – von insgesamt 370. „Wir konnten das gar nicht abschätzen, wie viele kommen“, sagt Rektorin Sonja Wollrath. Dadurch, dass die Lehrer nun sowohl Distanzunterricht als auch Präsenzunterricht halten müssen, habe jeder viel zu tun in der Corona-Pandemie. Die Eltern hätten ebenfalls viel Verantwortung: „Der Schwarze Peter wird an die Eltern abgegeben. Ich hätte mir ein einheitlicheres Vorgehen vom Land gewünscht.“

Video: Homeschooling wegen Corona - „Soziale Ungleichheit verstärkt sich“

Im Dezember gab es an der Florenbergschule einige Corona-Fälle, weshalb die Schule drei Wochen geschlossen war – nur Kinder von Eltern mit systemrelevanten Berufen wurden vor Ort unterrichtet. „Wenn ich an das Infektionsgeschehen denke, wäre das die sinnvollere Variante, aber wenn ich an die Eltern denke, dann nicht“, sagt Wollrath. Es würden da zwei Herzen in ihrer Brust schlagen. Ihr neunjähriger Sohn werde zuhause unterrichtet. Sie könne aber auch Eltern verstehen, die ihre Kinder in die Schule schicken. „Für die Eltern ist es eine sehr belastende Situation. Die Kinder brauchen die Schulsituation, oft wollen sie zuhause nicht so richtig lernen.“ Gerade für Schüler, die zuhause wenig Unterstützung haben, sei es wichtig, in die Schule kommen zu dürfen.

Schüler

Moritz Bindewald ist Co-Vorsitzender der Schülervertretung Fulda und hofft auf baldigen Wechselunterricht in der Corona-Pandemie. In seinen Augen läuft das Distanzlernen reibungsloser ab als noch im Frühjahr. Wie gut online gelernt und gelehrt wird, sei aber stark vom Lehrer und dessen digitalem Verständnis abhängig. Auch wenn Präsenzunterricht nur schwer zu ersetzen sei, findet der 18-Jährige es gut, dass nicht auf „Gedeih und Verderb“ auf Präsenzunterricht gesetzt werde.

So sieht das auch Moritz Bindewald, Co-Vorsitzender der Schülervertretung Fulda: „Es gibt Haushalte, in denen das Umfeld zum Lernen nicht gut geeignet ist. Zwei Dinge sind uns wichtig: Dass Schüler unterrichtet werden und dass wir und unsere Familien sicher sind.“

Landesweit lernte ein Großteil der Schüler der Jahrgangsstufen 1 bis 6 von zuhause aus. Der Anteil der Kinder, die in der Schule waren, lag laut Kultusministerium zwischen 14 und 25 Prozent.

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