Yvonne Bien mit ihren Söhnen beim Homeschooling.
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Yvonne Bien mit ihren Söhnen beim Homeschooling.

Corona-Situation

„Ungewissheit frustriert die Kinder“: Mutter aus Hainzell berichtet vom Homeschooling mit ihren Söhnen

Unkonzentrierte Kinder auf der einen, genervte und zwischen Arbeit und Schule zerrissene Eltern auf der anderen Seite: Seit Wochen heißt es an vielen Küchen- und Schreibtischen der Region wieder Homeschooling. Wie schwer diese Verantwortung in Corona-Zeiten auf den Betroffenen lastet, davon erzählt Yvonne Bien aus Hainzell.

Hainzell - „Nicht nur ich kann nachts vor lauter Gedanken um die Zukunft nicht mehr richtig schlafen, auch mein Sohn hat momentan einige Nächte, in denen er wach wird - aus Angst“, erzählt Yvonne Bien. Die 44-Jährige aus Hainzell ist - wie so viele Eltern in diesen Zeiten - mürbe vom wochenlangen sogenannten Distanzlernen mit ihren beiden Söhnen. Aber auch der achtjährige Zweit- und der zehnjährige Fünftklässler finden Homeschooling „richtig ätzend“. „Sie wollen in die Schule gehen, dort ihre Freunde endlich wieder sehen, die sie schon sehr vermissen“, schildert die gelernte Kauffrau im Einzelhandel, die im Vertrieb für Holzpellets arbeitet.

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Die Luft sei einfach raus. „Im ersten Corona-Lockdown im vergangenen Frühjahr konnte ich die Kinder noch gut motivieren. Da wusste ja noch niemand, was mit Homeschooling auf einen zukommt und wie lange es tatsächlich dauern würde“, erzählt Yvonne Bien. Die zwischendurch wieder geöffneten Schulen waren für alle ein Segen - für Mutter und Söhne. „Als dann der zweite Lockdown Mitte Dezember kam, da waren die Augen meiner Kinder groß“, erinnert sich die Hainzellerin. Denn anders als im Frühjahr wussten die Jungs, was ihnen nun „blüht“. (Lesen Sie hier: Im Corona-Lockdown: Wechselunterricht startet in Hessen - Frühere Impfungen für Lehrer?).

Und so bleiben die Kinder wieder zu Hause, arbeiten an ihren Wochenplänen und gehen in Videokonferenzen. Zusammen an einem Tisch sitzen die zwei Jungs dabei aber schon länger nicht mehr: „Es wurde einfach zu viel rumgekaspert.“ Und so wechselt die 44-Jährige von Kind zu Kind.

Yvonne Bien: Ich bin nunmal keine Lehrerin, sondern ihre Mama

Dabei beobachtet die Hainzellerin vor allem bei ihrem Jüngeren Probleme, sich zu konzentrieren. „Ich muss eigentlich permanent bei ihm sitzen bleiben, ansonsten bleibt er nicht bei der Sache. Er lässt sich leicht ablenken.“ Daneben nimmt Bien eine Unzufriedenheit und innere Unruhe ihres Achtjährigen wahr. „Er, der sonst immer sehr ausgeglichen war, wird nun sehr schnell bockig.“ Natürlich gebe es auch mal Tage, „an denen flutscht es“, aber die seien bei Weitem in der Minderheit. Schwierig sei vor allem gewesen, dass man den Kindern noch bis vor Kurzem keinerlei Perspektive geben konnte, wann wieder mit so etwas wie schulischer Normalität gerechnet werden könne.

„Diese Ungewissheit frustriert die Kinder“, meint Bien. Während die Buben Angst haben, nie wieder normal in die Schule gehen zu können, befürchtet ihre Mutter, dass zu viel Stoff liegen bleiben wird, der gar nicht mehr aufzufangen ist. „Das wird ihnen ein Leben lang nachhängen.“ Angst mache ihr auch, dass ihre Kinder in diesen Zeiten das Lernen verlernen. Denn: „Ich bin nunmal keine Lehrerin, sondern ihre Mama. Bei mir stellen sie sich auch mal auf stur, machen schon gar nichts freiwillig oder zusätzlich. Die Hemmschwelle ist viel niedriger, vor der ,fremden‘ Lehrerin herrscht dann doch eine andere Art von Respekt. In punkto Schule nehmen uns die Kinder als Eltern einfach nicht ernst.“ Bien wechselt sich mit ihrem Mann beim Homeschooling ab, anders als im ersten Lockdown nutzen sie aber nun auch tageweise die Notbetreuung in der Schule. „Die Großeltern wollen wir nicht einspannen.“

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Über die Lehrer weiß sie nur Gutes zu berichten. „Ich bin sehr zufrieden. Sie sind alle sehr motiviert“, urteilt die 44-Jährige. Es müsse auch mal gesagt werden, dass sich die Lehrer nicht ausruhten. „Sie machen ihren Job gut, teilweise sitzen sie ja im selben Boot, haben auch Kinder, die vom Homeschooling betroffen sind.“ Vor dem, was nun kommt - Wechselunterricht und Maskenpflicht auch für Grundschüler - hat Bien Respekt. „Dass Grundschüler die Masken auch während des Unterrichts tragen sollen, finde ich grausam. Die Kinder können so Emotionen gar nicht mehr richtig einordnen“, bedauert Bien. Und so bleibt am Ende das Hoffen auf Normalbetrieb - so wie bei vielen anderen Eltern auch. (Julia Kress)

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