Sommerferien in Hessen beginnen
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Werden nach den Sommerferien in jedem Klassenraum mobile Luftfilter stehen?

Offener Brief an Landesregierung

Corona-Gefahr in der Schule: Eltern fordern Luftfilter in Fulda

  • Sabrina Mehler
    VonSabrina Mehler
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Die Diskussion schwelt schon seit Langem in der Corona-Pandemie. Jetzt gehen die Eltern in Sorge um ihre schulpflichtigen Kinder auf die Barrikaden: In einem offenen Brief fordert der Kreis- und Stadtelternbeirat Fulda mobile Luftfiltergeräte für alle Klassenräume.

Kreis Fulda - „Ein sicherer Schulstart muss gewährleistet werden. Es darf keinesfalls wieder zu Schulschließungen kommen“, fordern Claudia Beck, Vorsitzende des Stadtelternbeirats Fulda, sowie Ina Riechert, Vorsitzende des Kreiselternbeirats Fulda. In einem offenen Brief, der von insgesamt einem Dutzend weiterer Kreis- und Stadtelternbeiräte aus ganz Hessen, unterzeichnet ist, werden insbesondere Kultusminister Dr. Alexander Lorz sowie Ministerpräsident Volker Bouffier zum Tätigwerden aufgefordert.

Beck und Riechert verweisen darauf, dass in Fulda bisher nur Klassenräume mit Luftfilteranlagen ausgestattet werden, wenn sie sich nicht ausreichend belüften lassen. Bei dieser Vorgehensweise hatten sich sowohl die Stadt als auch der Landkreis als Schulträger stets auf die Empfehlung des Umweltbundesamts berufen. Doch diese habe sich mittlerweile geändert, erklären die Elternbeiräte. (Lesen Sie hier: Krankenhäuser müssen mehr Daten zu Corona-Patienten sammeln)

Fulda: Corona-Gefahr in Schulen - Eltern fordern Luftfilter in allen Räumen

Tatsächlich hatte die Behörde bei der Bewertung von mobilen Filtern zunächst zurückhaltend reagiert und sie lediglich als eine Ergänzung zum Fensterlüften verstanden. Jetzt hat das Umweltbundesamt seine eher kritische Meinung revidiert. Mobile Luftfilter würden gegen Viren helfen, wenn es sich um geprüfte Geräte handelt und sie richtig im Klassenraum aufgestellt werden, heißt es.

In dem Brief der Elternvertreter wird unter anderem darauf hingewiesen, dass sich die meisten Kinder und Jugendlichen nicht durch eine Corona-Impfung schützen können, da es keine uneingeschränkte Impfempfehlung gebe. Gleichzeitig seien ansteckendere Virus-Mutationen auf dem Vormarsch. Es stelle sich die Frage, wie ernsthaft die Politik um den Schutz von Kindern und Jugendlichen bemüht sei. Andere Staaten wie Schweden und Bundesländer wie Bayern würden längst aufgrund wissenschaftlicher Erkenntnisse in Filtergeräte investieren. „Wir halten es für nicht zielführend, dass ... Verantwortlichkeiten zwischen Bund, Land, Kommunen hin- und hergeschoben werden“, heißt es in dem Schreiben.

Elternbeirat stellt Frage danach, wie ernsthaft sich die Politik um den Schutz von Kindern bemühe

Bereits 2017 habe das Umweltbundesamt festgestellt, dass die Lüftung über offene Fenster für eine gute Luftqualität nicht ausreiche: „Das gilt erst recht in einer Pandemie.“ Die Elternbeiräte fordern von der Landesregierung einen zentral koordinierten Beschaffungs- und Lieferprozess. Angeschafft werden sollen mobile, leistungsstarke sowie wartungs- und geräuscharme Luftfiltergeräte für alle Klassenräume und ganz besonders für die Jahrgänge 1 bis 6. Ausreichende Fördermittel müssten schnell bereitgestellt werden. (Lesen Sie auch: Lerncamps gegen Bildungslücken: Schulen bieten Förderunterricht in den Ferien an)

Video: Bund will Einbau mobiler Luftfilter in Schulen mit Millionen-Paket fördern

„Die Kinder und Jugendlichen haben bereits einen hohen Preis gezahlt“, erklären die Eltern und appellieren: „Lassen wir es nicht auf erneute Schulschließungen ankommen. Akzeptieren wir nicht die Gefahr von Long-Covid für Kinder. Lassen Sie uns in die Schulen und die Sicherheit unserer Kinder investieren. Jetzt!“

Aktuelle Debatte

Die Wirkung von mobilen Luftfiltern, über die seit Monaten immer wieder diskutiert wird, ist umstritten. Allerdings geht in der Diskussion vieles durcheinander: Der Nutzen fest installierter Luftreinigungsanlagen, die aufwendiger einzubauen sind, ist nicht umstritten. Bei mobilen Geräten ist die Lage nicht so klar. In einer Leitlinie für den Schulbetrieb unter Corona-Bedingungen hatten medizinische Fachgesellschaften, das Robert Koch-Institut sowie Bildungs- und Kinderschutzverbände weder eine klare Empfehlung dafür noch dagegen ausgesprochen.

Gegenüber unserer Zeitung hatten die beiden hiesigen Schulträger, die Stadt Fulda und der Landkreis, sich Anfang Juli noch auf das Umweltbundesamt bezogen, dass mobile Geräte lediglich als Ergänzung zur Fensterlüftung betrachtete. Mittlerweile hat die Behörde ihre eher kritische Haltung jedoch revidiert. (sam)

Neben den Eltern im Kreis Fulda sieht auch der Fuldaer Kreis- und Stadtschülerrat, der zuletzt Gratis-Menstruationsartikel an Schulen forderte, Handlungsbedarf: „Stoßlüften alleine reicht als Konzept keinesfalls aus“, erklärt Kreisschulsprecher Moritz Bindewald und weist ebenfalls darauf hin, dass besonders jüngere Schüler und Schülerinnen gefährdet seien. Dies spiegele sich auch deutlich in der Inzidenz dieser Altersklassen wider: „Sie liegt bei jungen Menschen deutlich höher als bei der Altersgruppe 35 aufwärts.“ Die Entscheidung der Schulträger, Luftfilter nur ergänzend einzusetzen, müsse auf den Prüfstand gestellt werden.

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