Lüften ist effektiver als eine mobile Reinigungsanlage, sagen die Schulträger.
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Lüften ist effektiver als eine mobile Reinigungsanlage, sagen die Schulträger.

Corona-freie Klassenzimmer

Schulen in Fulda setzen weiter aufs Lüften: Filteranlagen werden nur ergänzend eingesetzt

  • Sabrina Mehler
    VonSabrina Mehler
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Luftfilteranlagen in Klassenräumen versprechen mehr Sicherheit im Schulbetrieb. Auch im Landkreis Fulda haben die Schulträger in der Corona-Pandemie mehrere mobile Geräte angeschafft. Trotz drohender Delta-Welle im Herbst setzen sie aber weiterhin in erster Linie aufs Stoßlüften.

Fulda - Wie wichtig ein regelmäßiger Luftaustausch ist, weiß nach fast eineinhalb Jahren Corona-Pandemie jeder. Doch längst nicht alle Schulen verfügen über moderne technische Lösungen, selbst Lüften ist nicht überall problemlos möglich. Geraten die Schulen beim Thema frische Klassenluft ins Hintertreffen? Und warum werden Luftfiltergeräte nicht massenweise angeschafft?

Sandra Frohne, Mutter zweier Kinder, die Schulen in Neuhof und Fulda besuchen, ist genervt: „Unsere Kinder haben genug gelitten. Es reicht.“ Die Ferien seien der beste Zeitpunkt, um alle Schulen mit festen Lüftungsanlagen auszurüsten – und Distanz- oder Wechselunterricht künftig zu vermeiden. Lüften alleine sei nicht ausreichend, glaubt sie. Außerdem würden Schüler, die im Durchzug sitzen, erst recht krank. Deshalb will Frohne für ihr Anliegen Unterschriften sammeln und sie dem Landkreis vorlegen. (Mit dem Corona-Ticker für Fulda bleiben Sie auf dem Laufenden.)

Corona: Schulen in Fulda setzen trotz Filteranlagen weiter aufs Lüften

Die Schulträger weisen darauf hin, dass sie nicht untätig sind. Der Landkreis habe den Schulen 68 „hochwertige mobile Luftreinigungsgeräte“ zur Verfügung gestellt, erklärt Pressesprecherin Lisa Laibach. Rund 250 der etwa 1400 Klassenräume der Kreisschulen seien mit Lüftungsanlagen ausgestattet worden. Bei künftigen Sanierungen und Neubauten soll jeder Raum solche Anlagen erhalten. Für kommendes Jahr, wenn Fördermittel des Bundes beantragt werden können, will der Kreis weitere Maßnahmen anmelden, um 50 Klassenräume mit einer Lüftungsanlage auszustatten.

Doch ist all das genug? „Regelmäßiges Lüften ist das A und O“, unterstreicht Laibach. Luftfilteranlagen hätten lediglich eine ergänzende Funktion und könnten in Räumen eingesetzt werden, wo Lüften nur eingeschränkt möglich sei.

Ähnliches berichtet Johannes Heller, Pressesprecher der Stadt Fulda, die über fast 700 Klassenräume in Schulen verfügt. Für Zimmer, die über eine unzureichende natürliche oder mechanische Belüftung verfügen, seien zehn UVC-Filter angeschafft worden. Alle bestehenden Lüftungsanlagen wurden auf einen Frischluftanteil von 100 Prozent umgestellt und Filter in zwei Lüftungsaggregaten in Turnhallen nachgerüstet. An einer Schule wurden Fenster umgebaut, an einer anderen die Anlage erweitert. In den kommenden Wochen will die Stadt neun dezentrale RLT-Anlagen zur Verfügung stellen, die mit einem 100-prozentigen Außenluftanteil laufen. Gegebenenfalls sollen weitere Filter installiert werden, sagt Heller. Er weist aber auf Studien hin, denen zufolge die Stoßlüftung mit Blick auf die Aerosol-Konzentration weitaus effektiver sei als die maschinelle Luftreinigung.

Infektionsrisiko

Wegen des geringen Luftvolumens im Klassenzimmer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich infektiöse Partikel im Raum anreichern, vergleichsweise hoch. Wie wahrscheinlich eine Ansteckung ist, hängt von vielen Faktoren ab: Wie viele Personen befinden sich im Raum, wie aktiv sind sie, wie groß ist der Raum, wie oft wird die Luft ausgetauscht? Das hessische Kultusministerium erklärt auf Anfrage: „Lüften ist das A und O.“ Filteranlagen könnten eine Ergänzung sein. In Hessen gebe es ein Förderprogramm zur Verbesserung der Hygiene mit einem Volumen von 75 Millionen Euro für Schul- und Kitaträger. Mittlerweile seien davon mehr als 40 Millionen Euro investiert worden. Wie viele Schulen hessenweit über Lüftungsanlagen verfügen, kann das Ministerium nicht sagen. Die Ausstattung von Schulen sei Sache der Schulträger.

Die Schulen selbst scheinen mit ihrer Ausstattung zufrieden zu sein. Die Winfriedschule in Fulda etwa hat zwei mobile Geräte vom Kreis erhalten, die zuletzt bei den Abiturprüfungen in Räumen ohne Fenster eingesetzt wurden, berichtet Schulleiterin Annette Albrecht. Ansonsten habe die Schule aufgrund der architektonischen Gegebenheiten Glück: „Wir haben nur wenige Räume ohne Fenster.“ Das heißt: Hier kann ordentlich stoß- und durchgelüftet werden. Mobile Lüfter seien zudem nicht ganz leise. Stoßlüften sei nur im Winter problematisch, wenn Schüler und Schülerinnen mit dicken Jacken und Wolldecken im Unterricht sitzen müssten.

Video: Richtig lüften - Diese 4 Experten-Tipps solltet ihr jetzt beachten

Auch die Hünfelder Wigbertschule hat zwei mobile Anlagen, die in den zwei Räumen ohne Fenster stehen. In anderen Zimmern seien sie nicht nötig: Im Zuge der Umbaumaßnahmen vor ein paar Jahren wurde eine CO2-gesteuerte Belüftungsanlage eingebaut, erklärt Schulleiter Markus Bente. „In der Corona-Zeit haben wir die Anlage auf Dauerbetrieb gestellt. Das beruhigt uns sehr.“

Erleichtert ist auch Gabrielis Steinberger, Schulleiterin der Astrid-Lindgren-Schule. Denn im Altbau der Grundschule seien die Fenster zu klein, als dass die Luft ungehindert zirkulieren könnte. Jetzt stehen überall mobile Filter. Und die Stadt hat Gelder freigegeben, damit in mehrere Festverglasungen Öffnungsflügel eingebaut werden können. „Mit all dem sind wir sehr zufrieden“, betont Steinberger und erinnert, dass Masken im Unterricht seit Kurzem nicht mehr verpflichtend seien. Mit den zusätzlichen technischen Maßnahmen „fühlen wir uns jetzt trotzdem sicher“.

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