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In den Ferien soll Förderunterricht in den Schulen angeboten werden, um die Bildungslücken zu schließen.

In der Corona-Pandemie

Lerncamps gegen Bildungslücken: Schulen bieten Förderunterricht in den Ferien an

  • Daniela Petersen
    VonDaniela Petersen
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Eine Allensbach-Umfrage hat ergeben, dass ein Viertel der 10- bis 16-Jährigen Lernrückstände im vergangenen Schuljahr wahrgenommen hat. In den Sommerferien bieten daher einige Schulen Nachhilfe an. 

Osthessen - Schon in den Osterferien haben Schulen in der Region sogenannte Lerncamps vorgesehen. Nachdem der Landkreis Fulda aber darum gebeten hatte, diese Veranstaltungen wegen der hohen Corona-Infektionszahlen nicht in Präsenz stattfinden zu lassen, sagten elf von 13 Schulen, die dieses Angebot geplant hatten, die Camps wieder ab. Zwei führten sie online durch.

In den Sommerferien gibt es nun einen nächsten Anlauf – und zwar als Präsenzunterricht: Laut Staatlichem Schulamt Fulda nehmen daran nach jetzigem Stand zwölf Schulen im Landkreis Fulda teil, die in den Ferien zwischen einer und zweimal einer Woche Förderunterricht – vor allem in den Hauptfächern Deutsch, Mathematik und Englisch – anbieten. „423 Schülerinnen und Schüler sind angemeldet. Wobei sich diese Zahlen auch noch ändern können“, erklärt Harald Persch, stellvertretender Amtsleiter beim Schulamt Fulda.

Corona in Fulda: Schulen bieten Förderunterricht in den Ferien an

Die Schüler hätten sich freiwillig für den Unterricht, der in Kleingruppen stattfinden soll, gemeldet, beziehungsweise wurden sie von den Lehrkräften dazu beraten. Auch im Main-Kinzig-Kreis und der Stadt Hanau wird es ein solches Angebot an bislang 23 Schulen geben. „Die Lerncamps werden von den teilnehmenden Schulen selbstständig in einem variablen Zeitraum innerhalb der Ferien durchgeführt. Das Angebot der Lernfächer richtet sich dabei nach den individuellen Bedürfnissen vor Ort“, ergänzt Stefan Engel vom Staatlichen Schulamt für den Main-Kinzig-Kreis.

Die Lerncamps sind die erste konkrete Maßnahme des Programms „Löwenstark – der BildungsKICK“ in Hessen. Landesweit bieten insgesamt 300 Schulen solche kostenfreien Lerncamps für Schüler aller Schulformen und Klassenstufen an. Das Angebot richtet sich an rund 13.300 Kinder und Jugendliche, die durch die Pandemie Lernstoff verpasst haben, wie das hessische Kultusministerium mitteilt. (Lesen Sie auch hier: Schüler litten in der Corona-Pandemie besonders - Kommunen im Kreis Fulda planen Ferienbonus)

Umfrage ergab: Schüler nehmen größere Lernlücken wegen Corona wahr

Eine Allensbach-Umfrage hat kürzlich ergeben, dass die Defizite offenbar erkennbar sind: Mehr als ein Viertel der 1000 befragten Schüler zwischen 10 und 16 Jahren nehmen bei sich selbst größere Lernlücken als Folge der Corona-Pandemie wahr. Allerdings würden längst nicht alle versuchen, den Stoff aktiv aufzuholen. Die repräsentative Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach im Auftrag der Deutsche Telekom Stiftung zeigt aber auch, dass die Mehrheit der Schüler mit dem Lernen während der Corona-Pandemie gut zurechtgekommen ist und dass sich die Selbstorganisation bei vielen verbessert habe. 58 Prozent empfanden das Homeschooling nach eigener Aussage als positiv oder sehr positiv. Persönliche Kompetenzen wie Selbstorganisation und Zeitmanagement seien sogar verbessert worden.

93 Prozent der Befragten wollen aber dennoch in Zukunft lieber wieder täglich oder zumindest überwiegend in die Schule gehen und dort unter Anleitung der Lehrkräfte lernen.

Kommende zwei Jahre sollen genutzt werden, um Lernrückstände zu kompensieren

Die Stiftung wies zudem darauf hin, dass die Bewertung von Homeschooling unter Gymnasiasten tendenziell besser ausfiel als unter Haupt-, Real- oder Gesamtschülern. Auch diejenigen, die sich selbst als gute Schüler einstuften, waren häufiger mit dem Modell zufrieden. „Dies bestätigt die von Experten geäußerte Vermutung, dass Corona das Ungleichgewicht zwischen den besseren und schlechteren Lernern zu Ungunsten der Schwächeren verstärkt hat“, erklärte der Stiftungsvorsitzende Thomas de Maizière. (Lesen Sie auch hier: Studie sagt: Distanzunterricht in Corona-Pandemie so effektiv wie Sommerferien)

Video: Schule statt Strand - Gymnasium in NRW unterrichtet auch in den Sommerferien

Auch Harald Persch weiß um die Lernlücken: „Natürlich konnte in der Zeit der Distanzbeschulung nicht der fachliche Lernfortschritt erreicht werden, der bei durchgängigem Präsenzunterricht erfolgt wäre“, erklärt Persch. Durch die Zusammenarbeit der Lehrkräfte, der Schulleitungen und Schulträger, die für die technische Infrastruktur zuständig seien, sei aber „sehr schnell ein wirkungsvolles System für den Distanzunterricht aufgebaut“ worden. „Die kommenden zwei Jahre sollen nun intensiv genutzt werden, um – unterstützt durch schuleigene und zentrale Maßnahmen – Lernrückstände zu kompensieren“, betont Persch.

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