1. Fuldaer Zeitung
  2. Fulda

Tourismus im Kreis Fulda erholt sich nur langsam von der Corona-Pandemie

Erstellt:

Von: Norman Zellmer

Die Tourismuszahlen im Kreis Fulda waren auch 2021 weit von den Zahlen vor der Pandemie entfernt. (Archivfoto)
Die Tourismuszahlen im Kreis Fulda waren auch 2021 weit von den Zahlen vor der Pandemie entfernt. (Archivfoto) © Arnulf Müller

Der Tourismus in der Region Fulda erholt sich in der Corona-Krise nur sehr langsam. Es gibt erste Lichtblicke - und die Hoffnung auf ein passables Jahr 2022.

Fulda - Die Tourismusbranche in der Region Fulda kämpft weiter mit Auswirkungen und Folgen der Coronavirus-Pandemie. Die Zahl der Gäste in den Beherbergungsbetrieben im Landkreis war 2021 mit 441.287 nur um 0,6 Prozent höher als im Jahr zuvor, wie das Hessische Statistische Landesamt in Wiesbaden mitteilt.

Bei den Übernachtungen hat es der Jahresstatistik zufolge einen Anstieg um 6,1 Prozent auf 1,082 Millionen gegeben. Wann es zuletzt so wenige Übernachtungen im Landkreis gab, konnte die Behörde nicht mitteilen. Dennoch zeigte 2021 der Trend stärker nach oben als im Landesschnitt: In ganz Hessen sank die Zahl der Gäste um 1,9 Prozent, die Zahl der Übernachtungen legte nur leicht um 1,6 Prozent zu. (Lesen Sie auch: Rhön GmbH will mehr Urlauber gewinnen - Tourismus bringt neue Konflikte)

Corona in Fulda: Tourismus erholt sich nur langsam von Pandemie

Zum Schutz vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus waren Übernachtungen im ersten Halbjahr 2021 nur für geschäftliche Zwecke erlaubt. Zusätzlich mussten die geöffneten Betriebe während des gesamten Jahres zahlreiche Corona-Auflagen für die Beherbergung von Gästen erfüllen.

Im Vergleich zum Corona-Vorkrisenjahr 2019 meldeten die Beherbergungsbetriebe an Fulda, Haune, Lüder, Ulster und Fliede im Jahr 2021 nach Zahlen der Statistiker 46,9 Prozent weniger Gäste und 38,1 Prozent weniger Übernachtungen. Für ganz Hessen waren die Zahlen noch schlechter: Es wurden Rückgänge von 58 und 47 Prozent gemeldet.

Im vergangenen Jahr seien die Gäste in dem osthessischen Landkreis mit einem Anteil von 91,6 Prozent (991 687) vor allem aus Deutschland gekommen, teilt das Landesamt weiter mit. 8,4 Prozent der Touristen (90 441) reisten aus dem Ausland an. Eine Übersicht zur Herkunft der internationalen Gäste gibt es auf regionaler Ebene nicht.

Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer pro Gast beträgt im Landkreis Fulda 2,5 Tage. Mit durchschnittlich 5,6 Tagen am längsten blieben Gäste im von der Kur und dem Gesundheitstourismus geprägten Bad Salzschlirf; mit 1,8 Tagen am kürzesten war die Verweildauer in Eichenzell; in Fulda blieben Gäste im Schnitt 1,9 Tage.

Hilders, Eichenzell und Hofbieber verzeichnen stärkste Zuwächse

Die stärksten Zuwächse bei den Übernachtungszahlen im Landkreis Fulda verzeichneten den Angaben der Wiesbadener Statistikbehörde zufolge im Jahr 2021 die Betriebe in der Marktgemeinde Hilders (plus 40,2 Prozent) sowie in den Gemeinden Eichenzell (plus 37,6 Prozent), Hofbieber (plus 21,6 Prozent) und im Kurort Bad Salzschlirf (plus 9,8 Prozent). Die höchsten Einbußen im Jahr 2021 hatten demnach die Beherbergungsbetriebe in Neuhof (minus 22,5 Prozent), Künzell (minus 10,3 Prozent) sowie Ebersburg (minus 9,7 Prozent) gemeldet.

Die Stadt Fulda bewertet die Entwicklung der Gästezahlen 2021 positiv. Es wurden mit 400.002 rund 8,1 Prozent mehr Übernachtungen gezählt als 2020. Johannes Heller, Sprecher des Magistrats, lobt besonders, dass es mehr Gästeführungen gegeben habe: 3020 gegenüber 2549 im Vorjahr. Die Teilnehmerzahl wurde mit 22.814 angegeben.

Tourismus in Fulda: Rückmeldungen aus Hotels stimmen „vorsichtig optimistisch“

Aufgrund verschobener oder ausgefallener Großveranstaltungen wie Musicalsommer oder Hessentag sowie Konzerte, Messen und Tagungen seien Alternativangebote geschaffen worden; etwa „Kultur.Findet.Stadt“, Spätlesefest sowie den Weihnachtsmarkt unter Corona-Bedingungen. Diese Bausteine hätten „deutlich zur Belebung der Innenstadt beigetragen“.

Es gab im vergangenen Jahr einige Alternativangebote für die ausgefallen Veranstaltungen wie den Musicalsommer.
Es gab im vergangenen Jahr einige Alternativangebote für die ausgefallen Veranstaltungen wie den Musicalsommer. © Leon Weiser

Aktuelle Rückmeldungen aus Hotels „lassen uns vorsichtig optimistisch in die Zukunft blicken“, heißt es aus der Pressestelle weiter. Eine langsame Erholung sei spürbar. Wann jedoch wieder das Tourismusniveau 2019 erreicht wird, sei unklar.

Zu den größten Herausforderungen der Gastronomie und Hotellerie - nicht nur in Fulda - zählen laut Heller das Thema Fachkräftemangel, aber „auch strukturelle Veränderungen“ in der Branche. Die Entwicklung im Bereich Tagungs- und Kongressmanagement sei „derzeit noch nicht abzusehen“. Man registriere jedoch vermehrt Buchungen kleinerer Tagungen. Fulda werde noch stärker seine zentrale Lage und die ICE-Anbindung betonen, denn vor dem Hintergrund der Klimadiskussion ist ein zentral gelegener und per Bahn gut erreichbarer Standort ein „wichtiger werdendes Argument“.

Tourismus in Fulda: Dehoga rechnet mit steigendenden Buchungszahlen im Frühjahr

Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) rechnet zwar mit steigenden Buchungszahlen im Frühjahr, eine Rückkehr zum Vorkrisenniveau wird aber frühestens 2023, wohl erst 2024 erwartet.

Steffen Ackermann, Vorsitzender des Dehoga-Kreisverbands, zeigte sich optimistisch, dass ab März, April das Tourismusgeschäft wieder anlaufen und im Sommer „gut funktionieren“ werde. Das zeigten die steigenden Gästeanfragen; im Tagungs- und Kongresstourismus „kommen Anfragen so langsam wieder“. Aber auch da brauche es zwei, drei Jahre, bis das Niveau der Vorjahre erreicht werde, wobei sich die Frage stelle, welche Tagungen noch in Präsenz stattfänden, so Ackermann. „Das eine oder andere wird es sicher nur digital geben.“

Wegen des Fachkräftemangels würden sich Teile der Branche möglicherweise umstellen, um Angebote aufrechterhalten zu können. Insgesamt werde es Jahre brauchen, bis Hotellerie und Gastronomie wieder stabil dastünden. „Die letzten zwei Jahren sind nicht spurlos vorbeigegangen.“ Ackermann appelliert an die Politik, im weiteren Verlauf der Pandemie 2G- und 2G-plus-Regeln nicht wieder einzuführen. „Das waren zu scharfe Instrumente“, sagt der Dehoga-Chef. Zudem fordert er, dass die Reduzierung des Mehrwertsteuersatzes für seine Branche über das Jahresende 2022 hinaus gelten soll.

Auch interessant