Wo viele Geschäfte, wo viele Cafés und Restaurants sind, haben Senioren bessere Möglichkeiten zum sozialen Austausch. (Symbolbild)
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In der Gastronomie habe bei der jüngsten Umfrage kein einziger Betrieb geantwortet, dass er die Zukunft positiv sehe, ist aus der IHK zu hören (Symbolfoto)

„Stimmung so schlecht wie nie“

Treibt Corona Unternehmen in die Insolvenz? Wirtschafts-Experten aus Fulda geben Ausblick

  • Volker Nies
    vonVolker Nies
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Wohin entwickelt sich die osthessische Wirtschaft? Antworten auf diese Fragen suchten Experten jetzt im ersten Fuldaer Konjunkturgespräch. Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Fulda hatte zu dem virtuellen Austausch in Zeiten der Corona-Krise eingeladen.

Fulda - Unter den Unternehmern im Kreis Fulda ist die Stimmung so schlecht wie noch nie, sagte IHK-Hauptgeschäftsführer Michael Konow. Er stellte die aktuelle Konjunkturumfrage der Kammer vor. „Bei der Frage nach der Einschätzung nach der aktuellen Lage und den Zukunftserwartungen haben wir den niedrigsten Wert aller Zeiten gemessen – und die aktuellen Beschlüsse zur Verlängerung des Corona-Lockdowns spiegeln sich darin noch gar nicht wider“, berichtete Konow.

Treibt Corona Unternehmen in die Insolvenz? Wirtschafts-Experten aus Fulda geben Ausblick

27,2 Prozent der Unternehmen gingen von einer sinkenden Beschäftigungszahl in ihrem Unternehmen aus. Der Ausblick sei von einer großen Unsicherheit geprägt: Niemand wisse, wie lange die Corona-Maßnahmen, die die Wirtschaft belasteten, noch andauerten. In der Gastronomie habe kein einziger Betrieb geantwortet, dass er die Zukunft positiv sehe. (Mit dem Corona-News-Ticker für Fulda bleiben Sie auf dem Laufenden.)

Eine Prognose für das neue Jahr mochte Wolfram Busold, Geschäftsführer der Creditreform Kassel / Fulda Schlegel & Busold KG, Fulda, nicht abgeben. „Insolvenzen sind in der aktuellen Krise kein Indikator für die wirtschaftliche Lage mehr, weil überschuldete Unternehmen seit März nicht mehr verpflichtet sind, einen Insolvenzantrag zu stellen“, beklagte Busold.

Sobald die Insolvenzantragspflicht wieder in Kraft trete, werde es mehr Insolvenzen geben – und zwar mit höheren Ausfällen als bisher, und auch mehr Gewerbeschließungen. Ein Indikator für die wirtschaftliche Gesundheit von Branchen und Unternehmen, der weiter funktioniere, sei der Zahlungsindikator. Dieser zeigt, wie schnell Unternehmen ihre Rechnungen bezahlen. In der aktuellen Corona-Krise zeige sich, dass Firmen aus den Branchen Kultur, Sport, Gastronomie, Hotellerie und Reise ihre Rechnungen deutlich später bezahlten als 2019. 

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Busold machte den Firmenchefs allerdings Mut: „Den Unternehmen geht es derzeit schlecht. Wir befinden uns in einer tiefen Rezession. Aber die aktuelle Corona-Krise bietet auch Chancen, nach denen Unternehmen jetzt Ausschau halten müssen.“

Prof. Dr. Tobias Knedlik, Dekan des Fachbereichs Wirtschaft an der Hochschule, sah einige positive Zeichen für die Zukunft: Der Umfang des weltweiten Warenhandels sei schon jetzt auf einem Niveau, das höher sei als vor der Corona-Krise, berichtete Knedlik. Er erwarte, dass auch die Menge der weltweiten produzierten Waren in diesem Jahr wieder das Niveau von 2019 erreiche. Er erwarte, dass die deutsche Wirtschaft Anfang 2022 ihre Vorkrisenniveau erreiche.

Antreiber der Konjunktur seien die Staaten, die in Westeuropa und Nordamerika große kreditfinanzierte Investitionsprogramme auflegten, und nicht zuletzt die privaten Haushalte. Knedlik gab einen optimistischen Ausblick für die Zeit nach der Corona-Krise: „Die deutschen Haushalte haben 2020 zum Teil doppelt so viel gespart wie in Vorjahren. Diese Ersparnisse werden zu einem großen Teil in den Konsum fließen.“

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