Feriendorf Wasserkuppe
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Beliebt ist in den Herbstferien insbesondere die Rhön – etwa das Feriendorf Wasserkuppe in Gersfeld (Foto).

Rhön sticht heraus

Urlaub trotz Corona in den Herbstferien: So sind die Hotels ausgelastet

  • Leon Weiser
    VonLeon Weiser
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  • Sarah Malkmus
    Sarah Malkmus
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Die Reiselust ist nach gut eineinhalb Jahren Corona groß. Wie ist die Auslastung in den Hotels der Region jetzt in den Herbstferien? Es zeigt sich: Die Rhön sticht heraus. 

Fulda - Steffen Ackermann führt das Hotel Wenzel in Fulda. Er ist zudem Dehoga-Vorsitzender. In seinem Hotel herrscht derzeit eine „durchwachsene Auslastung“, sagt er und erklärt ergänzend: „Im ländlichen Bereich des Landkreises sieht es eher gut aus, im Tagungs- und Kongresstourismus hingegen läuft es eher schleppend.“ Im Vergleich zum Vor-Corona-Jahr 2019 liege er noch etwa 40 Prozent zurück.

An den Wochenenden nehme er meist eine relativ gute Auslastung wahr, in der Woche jedoch fehle es an Gästen. Die Herbstferien hätten keine großen Auswirkungen auf die Auslastung und Nachfrage in seinem Hotel, sagt er. „Familien- und Vereinstreffen bleiben gänzlich aus, wir begrüßen eher kurzentschlossene Individualtouristen“, führt er aus. Meist gebe es donnerstags noch einmal einen Buchungsschub, wie Ackermann erklärt.

Fulda: Urlaub im Herbst - Sind Hotels trotz Corona ausgelastet?

Die Kostenpflichtigkeit der Corona-Tests – so mutmaßt der Dehoga-Vorsitzende – werde sicherlich noch Auswirkungen haben. Auf die Gastronomie jedoch mehr als auf die Hotellerie, ist er sicher. (Lesen Sie hier: Urlaub in den Herbstferien - Welche Corona-Regeln muss ich bei Reisen in Europa beachten?)

Besser läuft es hingegen in der Rhön: Boris Kiauka vom Feriendorf Wasserkuppe und den beiden Hotels Peterchens Mondfahrt und Deutscher Flieger in Gersfeld spricht von einer guten Nachfrage in den Herbstferien, die am Montag in Hessen begannen. „Im Schnitt sind wir zu 80 Prozent ausgelastet“, sagt er. In der Zeit davor seien es hingegen nur 60 bis 70 Prozent gewesen. Insbesondere Familien würden das Feriendorf aktuell rege nachfragen, schließlich sei dieses für diese ausgelegt.

Trotz reger Nachfrage, spricht er auch Probleme an: „Die 3G-Regelung schreckt den ein oder anderen schon ab, für manche ist es ein zu großer Aufwand“, berichtet er. Teilweise würde aufgrund der Bestimmungen dann auch von einer Buchung Abstand genommen. Deutlich spürbar sei auch, dass noch nicht genügend Menschen geimpft seien. Und: „Manche brechen die Buchung ab, wenn man ihnen erklärt, was an Nachweisen benötigt wird.“

Ein Problem sei auch der Personalmangel in seinem Haus. „Wenn man personell schon dünn besetzt ist und man dann auch noch einen Mehraufwand durch die Bestimmungen hat, hält uns das von unseren eigentlichen Aufgaben ab.“ Dazu gehören laut Kiauka auch Diskussionen mit einigen Gästen: „Das Thema ist alltäglich und bei vielen immer wieder präsent“, sagt Kiauka. „Der eine versteht die Maßnahmen und respektiert sie, andere wiederum unterstellen uns, dass wir Schuld an den aktuellen Bestimmungen haben“, führt er aus.

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Diskussionen über die Corona-Maßnahmen seien in seinem Hotel an der Tagesordnung und fielen mitunter auch „heftig“ aus. „Wir versuchen jedoch immer, neutral zu bleiben.“ Ob es eine Rolle spiele, dass die Tests seit Montag kostenpflichtig sind, vermag Kiauka noch nicht zu sagen. „Ich vermute aber, dass das noch zum Problem wird, schließlich ist es ja ein Kostenfaktor für die Menschen.“

Insgesamt fühlt sich der Hotelier von der Pandemie stark gebeutelt: „Wir können erst einmal nicht kompensieren, was wir verloren haben.“ Dazu brauche es bis zu drei Jahre, vermutet er. (Lesen Sie auch: Urlaub in den Herbstferien: Das muss bei Reisen mit ungeimpften Kindern beachtet werden)

Auch andere Hotels in Gersfeld bemerken einen Anstieg der Nachfrage: Der Gersfelder Hof sei derzeit gut besucht. Das erklärt Inhaber Stephan Weber: „Wir haben im Vergleich zum vergangenen Jahr 13 Prozent mehr Umsatz. Ein Grund dafür sei auch die gute Auslastung in den Monaten davor. „Jetzt haben uns die Herbstferien in die Karten gespielt“, sagt Weber. „Aktuell sieht es gut aus.“ Die Belegung jetzt in den Herbstferien liege bei etwa 85 Prozent.

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Unter den Gästen seien etwa 60 Prozent Feriengäste, den Rest bildeten Gruppen für Tagungen. „Es sind viele Familien bei uns, die in der Regel für drei bis fünf Tage Zimmer gebucht haben.“ Da seien auch viele Kinder dabei, die noch nicht 12 Jahre alt sind und keinen Negativ-Test benötigten. Für Weber ist das allerdings kein Problem, sagt er. Trotz der 3G-Regelung, die aktuell im Gersfelder Hof gelte, sei die Stimmung unter den Gästen und dem Personal – anders als Kiauka es berichtet – mehr als positiv. Momentan läuft es gut.“

„Relativ groß“ ist auch die Nachfrage im Hotel zur Vorderburg in Schlitz, wie Inhaberin Gräfin Brit zu Solms-Laubach berichtet. Man sei zu 70 Prozent ausgelastet. „Wir sind gut aufgestellt“, sagt Solms-Laubach, „übertreiben“ wolle man es jedoch nicht. Wegen des Personalmangels, der auch in ihrem Hotel eine Rolle spiele, könne man keine zusätzlichen Programme – etwa Wanderungen oder Aktivitäten für Kinder – anbieten. Überwiegend Familien würden in den Herbstferien das Hotel besuchen. „Die Familien sind froh, dass sie reisen können“, sagt die Inhaberin. Besorgnis nehme sie unter den Gästen nicht wahr.

Boris Kiauka: „Die 3G-Regelung schreckt den ein oder anderen schon ab“

Das St. Bonifatiuskloster in Hünfeld führt ebenfalls ein Gästehaus. Es bietet jedoch hauptsächlich religiöse Kurse für Gruppen an. „Diese laufen einigermaßen an. Die meisten wurden vor einem Jahr gebucht“, erklärt Pater Karl-Heinz Vogt. Aktuell sei das Kloster daher einigermaßen gut ausgelastet, obwohl es in den Tagungsräumen eine Begrenzung der Teilnehmeranzahl gebe. „Das bekommen unsere Gäste gesagt“, sagt er und fügt hinzu: „Die meisten sind aber froh, dass die Kurse wieder stattfinden können.“

Probleme mit der 3G-Regelung gebe es indes nicht, da ein Großteil der Gäste bereits geimpft sei. „Probleme hat es nie gegeben“, erklärt der Hausobere. Jetzt in den Herbstferien sei zudem eine Schulklasse aus Berlin anwesend. Die zum Großteil noch ungeimpften Schüler testeten sich dreimal in der Woche selbst. Aber auch das sei kein Problem, sagt der Pater.

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