Zu schön, um wahr zu sein: Hier spielen die Bundesliga-Wasserballer der Wasserfreunde gegen Potsdam (schwarze Kappen) – vor ausverkaufen Rängen. Leider ist’s lange lange her: Das Archivbild unseres Fotografen datiert vom 19. Oktober 2013.
+
Zu schön, um wahr zu sein: Hier spielen die Bundesliga-Wasserballer der Wasserfreunde gegen Potsdam (schwarze Kappen) – vor ausverkaufen Rängen. Leider ist’s lange lange her: Das Archivbild unseres Fotografen datiert vom 19. Oktober 2013.

Bäder und Hallen geschlossen

Corona-Folgen: Wasserfreunde Fulda warnen vor Generation an Nichtschwimmern - „dramatisch“

  • Laurenz Hiob
    vonLaurenz Hiob
    schließen

Viele Vereine in der Region haben nicht nur an den direkten Folgen von Corona zu kämpfen. Die indirekten bereiten unzähligen Sportlern zusätzliche Probleme.

Fulda - So häufen sich bei den Wasserfreunden Fulda beispielsweise die Anfragen, wann es mit dem Breitensport-Training und vor allem den Schwimmkursen weitergeht. Die Tänzer dürfen mit zwei Paaren zeitgleich trainieren – theoretisch. Beiden fehlt es an Trainingsorten: Ins Sportbad Ziehers dürfen in der Corona-Krise nur die Kadersportler und höherklassigen Wasserballer. Für die Tänzer bleiben die Hallen geschlossen.

Die Stadt hat in der Corona-Krise dafür gute Gründe (siehe Kasten). Doch Schwimmer und Tänzer wundern sich, weil sie von trainierenden Kameraden in anderen Landesteilen wissen – und weil sie eine weitere Welle an Kündigungen befürchten. „Mir fällt es immer schwerer, unseren hartnäckig fragenden Mitgliedern zu erklären, warum im Rhein-Main-Gebiet geschwommen wird, in der Sportstadt Fulda aber nicht“, sagt Erik Bott.

Corona-Folgen: Wasserfreunde Fulda warnen vor Generation an Nichtschwimmern - „Besonders dramatisch“

Der Vorsitzende der Wasserfreunde Fulda verweist auf die am 7. März von der Landesregierung in Hessen erlassenen Auslegungshinweise zu den aktuellen Corona-Beschränkungen. Demnach sei es erlaubt „Schwimmunterricht und organisiertes Schwimmtraining von Schwimmvereinen und -schulen unter Einhaltung der Regeln“ durchzuführen.

Stellungnahme der Stadt Fulda

Die Stadt Fulda antwortete im Gegensatz zum Kreis auf eine entsprechende Anfrage unserer Zeitung: „Auch wenn Einzeltraining und Mannschaftssport im Kleingruppenformaten zulässig sind, haben wir uns – in Abstimmung mit dem Landkreis Fulda und den übrigen kreisangehörigen Kommunen – zunächst gegen eine Öffnung der städtischen Sporthallen entschieden, wohlwissend, dass die Vereine natürlich gerne den Trainingsbetrieb wieder aufnehmen wollen. Von daher ist uns die Entscheidung nicht leichtgefallen“, heißt es.

Eine wesentliche Rolle in der Entscheidungsfindung habe unter anderem der ansteigende Inzidenzwert in Fulda, die Ausbreitung der britischen Mutationsvariante und die Tatsache gespielt, dass die landkreiseigenen Sporthallen ebenfalls geschlossen bleiben.“ Wir werden das Infektionsgeschehen im Blick behalten und – sobald vertretbar – die Sporthallen für den Trainingsbetrieb wieder freigeben. Reha-Sport war und ist nach den Vorgaben auch in gedeckten Sportanlagen möglich. Bisher hat von dieser Möglichkeit kein Verein, der Reha-Sport in städtischen Hallen anbietet, Gebrauch gemacht.“

„Für viele unserer Mitglieder und Außenstehende impliziert dieser Auslegungshinweis, dass wir mit unseren Gruppen und mit der Schwimmschule ab sofort den Betrieb aufnehmen können“, schreibt Bott, der betont, dass der Verein das „lieber heute als morgen“ täte. „Leider können wir dies nicht tun, da keines unserer Schwimmbäder geöffnet ist und uns leider keine entsprechende Möglichkeit gegeben wird.“ Den Wasserfreunden sei bewusst, dass eine Öffnung durch die Stadt Fulda geprüft werde, und sie hoffen auf eine baldige Öffnung. Ein Corona-Hygienekonzept habe es schließlich bereits im vergangenen Jahr gegeben.

Aktuell beschränke sich das Wassertraining in Fulda auf Kadersportler und die hochklassig spielenden Wasserballer – in begrenztem Umfang. Die anderen Gruppen der Schwimmer, Wasserballer, Triathleten und Synchronschwimmerinnen könnten in der aktuellen Corona-Lage gar kein Wassertraining durchführen.

Video: Anstieg der Nichtschwimmer infolge der Corona-Pandemie befürchtet

Als „besonders dramatisch“ bezeichnet Bott die Entwicklung bei den Anfängern. Wegen der fehlenden Wasserflächen werde in Folge der Corona-Pandemie bereits vor einer Generation an Nichtschwimmern gewarnt. Die Anmeldelisten für Schwimmkurse der Wasserfreunde Fulda seien prall gefüllt.

„Ich sehe dringenden Handlungsbedarf und bedauere, dem riesigen Interesse nicht nachkommen zu können“, sagt Bott, der verspricht, „unseren Aufgaben und Pflichten vollumfänglich gerecht zu werden, sobald wir grünes Licht des Bäderbetreibers erhalten“.

Dirk Andrä (60) stammt aus Petersberg. Der Diplom-Ingenieur ist seit 2017 Vorsitzender der Tanz-Freunde Fulda, die aktuell 400 Mitglieder haben. Im Interview äußert er sich zum Training der Tänzer in der Corona-Krise.

Die Tänzer müssten doch ob der Corona-Lockerungen heilfroh sein, dass zwei Paare zeitgleich tanzen können.
Ja, die Turnierpaare waren ja einzeln seit November in der Stadthalle Hünfeld untergekommen. Durch die Nutzung unserer Hallenzeiten in den städtischen Sporthallen in Fulda hatten wir gehofft, dass wir durch die Corona-Lockerungen ein eingeschränktes freies Training mit jeweils zwei Paaren anbieten können. Damit könnten immerhin 20 Paare pro Woche einmal tanzen. Mit zwei Paaren in einer etwa 500 Quadratmeter großen Halle eigentlich auch kein Problem, zumal vom DOSB bestätigt wurde, dass Tanzsport keine Kontaktsportart im eigentlichen Sinne ist.
Dann profitieren Sie ja gar nicht von den Corona-Lockerungen.
Nein, wir haben keine Möglichkeit, unseren Mitgliedern ein Training anzubieten. Die Hallen stehen nur für den Profi- und Rehasport nach Absprache zur Verfügung. Und das ungeachtet der Tatsache, dass Tanzsport der Demenz entgegenwirkt sowie Herz-Kreislauf, Koordination, Wirbelsäule/Haltung, Bewegungsapparat und das Gehirn vorbeugend trainiert werden.
Wie sieht es denn bezüglich der Mitgliederentwicklung aus?
Viele Tanzsportvereine haben mittlerweile deutliche Mitgliederverluste zu verzeichnen. Auch die meist solo-selbständigen Trainer sind auf die Unterstützung der Vereine angewiesen, in denen sie unterrichten. Da sie meist keine beruflichen Ausgaben nachweisen können, bekommen sie leider auch keine finanziellen Corona-Hilfen.
Gibt es denn andere Örtlichkeiten, wo Sie Ihrem Sport nachgehen können?
Wir Tänzer können eben nicht im Außenbereich trainieren. Die Öffnung der Fußballplätze und Stadien nutzt uns wenig. Da ist mal wieder zu erkennen, dass unter Sporttreiben Fußball gemeint ist; danach kommen Handball, Basketball und Eishockey – und dann lange nichts mehr, obwohl hier deutlich mehr Kontakt als im Tanzsport oder beim Badminton und Tischtennis erfolgt. Mit unserem Trainings- und Hygienekonzept vom Mai 2020, das sogar vom Deutschen Tanzsportverband im „Tanzspiegel“ vorgestellt wurde, wäre ein „Mini-Trainingsbeginn“ durchaus möglich.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema