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Fast alle Weihnachtsfeiern abgesagt - Gastronomie von Corona schwer getroffen

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Von: Jana Albrecht

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Seit der 2G-Pflicht für die Gastronomie werden so gut wie alle Weihnachtsfeiern abgesagt. (Symbolbild) © Julian Stratenschulte/dpa

Seit dem Anstieg der Corona-Zahlen und der seit Mitte November geltenden 2G-Pflicht für die Gastronomie werden so gut wie alle Weihnachtsfeiern abgesagt. Die hiesigen Gastronomiebetreiber trifft dies nicht nur emotional, sondern vor allem finanziell.

Fulda - „Die Stornowelle rollt seit drei bis vier Wochen“, sagt Steffen Ackermann, Vorsitzender des Dehoga-Kreisverbands Fulda, und fügt an: „Die Gastronomen sind frustriert und vor allem verunsichert. Sie stehen unter einem enormen finanziellen Druck.“

Durch den bundesweiten Flickenteppich an aktuellen Regelungen seien Gäste von vornherein verunsichert – eine Personalplanung sei damit für die Gastronomen des Landkreises genauso schwierig wie eine Planung der zu beschaffenden Lebensmittel, betont der 41-Jährige. Sollte es zu einem weiteren Lockdown kommen, blieben Gastronomen auf Tonnen von Lebensmitteln sitzen. (Lesen Sie hier: Strengere Corona-Regeln: Gastronomen befürchten mehr gefälschte Impfpässe)

Corona in Fulda: Fast alle Weihnachtsfeiern abgesagt - Gastronomie leidet

„Gerade die Vorweihnachtszeit mit Weihnachtsfeiern ist eine der umsatzstärksten Zeiten im Jahr. Ein weiterer Ausfall wie bereits im vergangenen Jahr ist für jeden Gastronom trotz der Überbrückungshilfe, die es 2020 gab, nicht auf Dauer tragbar“, so Ackermann. Es seien vor allem betriebliche Weihnachtsfeiern und solche per Cateringservice storniert worden. Bei privaten Feiern im Kleinen sei die Lage gemischt: „Die Menschen scheinen die Corona-Lage und -Maßnahmen täglich neu zu betrachten und buchen ihre Feiern wenn überhaupt spontan“, sagt er.

Dass die Regeländerungen Auswirkungen haben, zeigt sich im Mairitim Hotel Fulda: „Es konnten bereits einige Weihnachtsfeiern unter 3G und 3G-plus stattfinden. Seitdem die 2G-Regel gilt, haben wir aber eine extreme Stornierungswelle“, sagt Wolfgang Sulzbacher, Direktor des Hotels. Dies sei besonders bitter, da im Dezember eigentlich an jedem Wochenende mindestens ein bis zwei größere Weihnachtsveranstaltungen gebucht waren.

Zuerst hätten Firmen ihre Veranstaltungen storniert, dann wurden auch private Feiern abgesagt, insgesamt sind 90 Prozent der Feiern abgesagt worden, erläutert Sulzbacher. „Die finanziellen Einbußen sind enorm. Wie die gesamte Branche hatten wir nach den Lockdowns nur wenige Monate, in denen wir überhaupt wieder Geld verdienen konnten“, sagt der Direktor und fügt an: „Einen weiteren Lockdown darf es nicht geben – wir hoffen, dass es zumindest mit 2G weitergeht und wir über Weihnachten und Silvester Gäste begrüßen dürfen.“

Auch im Landhotel Grashof in Kalbach hagelt es seit circa zwei Wochen Absagen: „Es wurden sämtliche Weihnachtsfeiern storniert, sowohl die großen mit bis zu 100 Personen, aber auch die kleinsten mit nur fünf Personen“, bedauert Inhaber Karsten Klauschke.

Dehoga-Vorsitzender: „Die Gastronomen sind frustriert und vor allem verunsichert“

Trotz der schwierigen Lage für sein Hotel hat Klauschke auch Verständnis für die Absagen: „Gerade Firmen, die in kritischen Kreisen wie zum Beispiel im Krankenhaus arbeiten, können natürlich keine große Weihnachtsfeier abhalten“, sagt der 50-Jährige und betont, dass es seiner Meinung nach nicht an 2G liege, dass die Menschen absagen, sondern vielmehr an der Ungewissheit und Unsicherheit, die sich durch das Virus breit mache. Außerdem wolle keiner auf eine Weihnachtsfeier, bei der es aller Voraussicht nach nur um ein Thema gehen würde: Corona.

Im Landhaus Kehl in Tann-Lahrbach konnten zwar bereits Weihnachtsfeiern unter der 2G-Regel stattfinden, allerdings sei insgesamt die Hälfte dieser Veranstaltungen abgesagt worden. (Mit unserem Corona-Ticker für Fulda bleiben Sie immer auf dem Laufenden)

Neben den finanziellen Einbußen, die sich derzeit noch nicht beziffern ließen, sei die Situation auch emotional eine Belastung, sagt Inhaber Benjamin Kehl und betont: „Die Bandbreite an Emotionen lässt sich nicht in Worte fassen, wir versuchen aber weiterhin positiv zu bleiben und unsere Mitarbeiter in alle wichtigen Gespräche mit einzubinden.“ Erfahrungsgemäß sei es in der Gastronomie so, dass nach dem Weihnachtsgeschäft die Nebensaison, „die saure Gurkenzeit“, beginne – ein Wegfall des wichtigen Weihnachtsgeschäfts sei daher besonders bitter.

Video: Abgesagte Weihnachtsfeiern: So leidet die Gastronomie

Auch in Neuhof hagelt es Stornierungen: „Bei uns ist so gut wie alles abgesagt“, berichtet Jürgen Imhof, Inhaber des Landgasthofs Imhof in Neuhof-Rommerz. Zwei Drittel der Weihnachtsfeiern sei bereits jetzt abgesagt worden, sowohl im Hotel als auch beim Catering des Unternehmens. „Am Montag vor drei Wochen hat es so viele Absagen gehagelt, dass ich allein an diesem Tag 30.000 Euro Einbußen hatte“, sagt der 59-Jährige. Dies war kurz nach der Einführung der 2G-Regel.

Bislang beläuft sich der Verlust für den Dezember auf 60.000 Euro. „Viele Firmen gehen das Risiko einfach nicht ein und sagen ihre Feier ab“, sagt er und befürchtet, dass, sollte 2G-plus kommen, das Geschäft komplett zusammen brechen werde.

Auch beim Grill-Restaurant Kneshecke in Dipperz-Dörmbach wurden nahezu alle Weihnachtsfeiern sowohl im Restaurant als auch im Catering storniert, berichtet Inhaber Michael Glas. „Für uns und viele Kollegen ist der Dezember der umsatzstärkste Monat im Jahr. Zur Zeit erzielen wir noch 20 bis 25 Prozent des eigentlich zu erwartenden Umsatzes“, sagt er.

Die Gäste seien enorm verunsichert. Neben Weihnachtsfeiern würden vor allem private Feiern wie Geburtstage abgesagt. Für Glas und seine Mitarbeiter sei es frustrierend und die aktuelle Lage beängstigend: „Das Schlimmste für uns ist, dass immer noch kein Licht am Ende des Tunnels zu sehen ist. Es fehlt weiterhin eine klare politische Perspektive“, betont Glas im Gespräch. Ein unternehmerisches Handeln sei „mit den politischen Schnellschüssen“ nicht mehr möglich.

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