Fulda hält an den Planungen für das Weihnachtsmarkt fest - trotz steigender Corona-Zahlen. Die Standbetreiber haben große Sorgen (Archivfoto).
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Fulda hält an den Planungen für das Weihnachtsmarkt fest - trotz steigender Corona-Zahlen. Die Standbetreiber haben große Sorgen (Archivfoto).

„Hoffnung stirbt zuletzt“

Trotz steigender Corona-Zahlen: Fulda hält an Planungen für den Weihnachtsmarkt fest

  • Sarah Malkmus
    VonSarah Malkmus
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Landauf, landab steigt die Zahl der Corona-Infektionen rasant an. Mit dieser Entwicklung stellen sich wohl viele Menschen die Frage, ob ein besinnlicher Weihnachtsmarkt noch stattfinden kann. So auch in Fulda.

Fulda - An dem Plan, den Weihnachtsmarkt zu veranstalten, hält die Stadt Fulda fest. „Wir gehen nach wir davon aus, dass der Weihnachtsmarkt stattfinden wird – so wie die hessische Rechtslage es auch explizit für Weihnachtsmärkte ermöglicht“, erklärt Pressesprecher Johannes Heller.

Der Aufbau des Weihnachtsmarktes in Fulda sei bereits in vollem Gange. „Wir freuen uns auf die Eröffnung.“ Gleichzeitig beobachte man jedoch weiterhin die Entwicklung, die Lage werde in regelmäßigen Abständen neu bewertet. Laut Robert Koch-Institut stieg die Sieben-Tage-Inzidenz im Landkreis Fulda am Freitag auf 222,4.

Fulda hält an Planungen für den Weihnachtsmarkt fest - trotz steigender Corona-Zahlen

Pressesprecherin Monika Kowoll-Ferger verweist noch einmal auf das Corona-Hygienekonzept der Stadt: „Es wird Schilder und Hinweise auf die Hygiene- und Abstandsregeln per Lautsprecher geben sowie stichprobenartige Kontrollen der Stadtpolizei.“ Insbesondere an den Wochenenden und zu Stoßzeiten soll dies häufiger der Fall sein.

Durch die räumliche Entzerrung der Stände würden zudem ausreichend Flächen zur Verfügung stehen, sodass die Besucher die Abstände „eigenverantwortlich einhalten können“. Das gelte in besonderem Maße für die Bereiche, in denen sich erfahrungsgemäß viele Menschen versammeln, etwa an Glühweinständen.

2 G werde in gastronomischen Bereichen sowie in der Pyramide und der Karussellbar gelten. Masken sollen dort getragen werden, wo Abstände nicht eingehalten werden können. Die Überprüfung der Regeln liege in der Verantwortung der jeweiligen Betreiber, sagt Kowoll-Ferger (lesen Sie auch hier mehr: 2G-Regel bei Fastnachts-Veranstaltungen? Eckpunkte für Romo in Fulda stehen).

Fragt man Rainer Aulich, Betreiber der Pyramide und Mit-Veranstalter des Winterwaldes am Fuldaer Weihnachtsmarkt, dann ist Optimismus das einzig Hilfreiche in der aktuellen Situation. Den Grund erklärt er: „Der Weihnachtsmarkt ist weitläufig geplant und die Menschen sind vernünftig.“ Und auch wenn sich die Situation weiter verschärfen sollte, so glaubt der 65-Jährige nicht, dass die Absage die Ultima Ratio ist. Vielmehr geht er davon aus, dass 2G dann auf dem kompletten Markt zum Tragen kommt. 

Der Weihnachtsmarkt in Fulda und Corona - die Standbetreiber sorgen sich

Über den Ernstfall denkt Aulich derzeit aber nicht nach. „Wir haben keinen Plan B.“ Auch entschädigt würde er nicht, aber „das ist eben das unternehmerische Risiko“. Um das Schöne mit dem Notwendigen zu verbinden, könnte er sich ein mobiles Impf-Team vor Ort vorstellen, das quasi den „Piks am Glühweinstand“ verabreicht. 

Christoph Münker von der Beerenobstgemeinschaft Rhön-Vogelsberg ist mit seinem Stand am Borgiasplatz schon seit den 1990ern auf dem Fuldaer Weihnachtsmarkt vertreten. Auch in diesem Jahr wird er am Start sein – sollte der Markt tatsächlich stattfinden, denn Münker ist von Sorge umtrieben.

„Wir haben Angst, dass der Markt abgesagt wird“, sagt er. Seine Produkte – Fruchtweine und -säfte, Glühwein, Sirup und Co. – würden im Landkreis angebaut, man sei darauf angewiesen, diese auch in der Region zu vertreiben. „Wir müssen sehen, wie wir unsere Produkte vermarkten können, wenn der Markt ausfallen sollte. Das würde schwierig werden. Wir sind ja in Vorleistung getreten.“ 

Dass 2G auf dem kompletten Markt gilt, hält Münker für möglich, aber ob der Schwierigkeit, die Einhaltung zu kontrollieren, für problematisch. Dennoch bleibt dem Geschäftsführer nur der Optimismus: „Die Hoffnung stirbt zuletzt“, sagt er. Besorgt ist auch Nathalie Heil, Inhaberin von Akasha in Fulda. An ihrem Stand findet man seit 2016 unter anderem Kräuter, Öle und Kosmetikprodukte. Das soll auch in diesem Jahr so sein.

Video: Sozialministerium in Sachsen rät zu Verzicht auf alle Großveranstaltungen

„Ich war optimistisch“, sagt sie, doch seit ein paar Tagen sei ihre Stimmung „getrübt“, insbesondere durch politische Stimmen, die besagen, einen Weihnachtsmarkt in der aktuellen Situation zu veranstalten, sei unverantwortlich. „Für mich wäre eine Absage fatal“, betont sie. Es wäre das zweite Mal in Folge, dass sie sich auf die Veranstaltung vorbereitet hätte, ohne dass sie dann tatsächlich stattfindet.

„Das ist Arbeit und Geld, das nicht zurückkommt.“ Schon im vergangenen Jahr, als der Markt ausfiel, hätte man darüber nachdenken müssen, Standbetreiber zu unterstützen, schließlich sei die Präsenz auf dem Markt für viele ein großer Einnahmeposten im Jahr. Sollte der Markt ausfallen, würde sich Heil genau überlegen, ob sie im kommenden Jahr einen Stand betreibt, schließlich „ist der Aufwand enorm“. 

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