Bernd Farnung, Steffen Ackermann und Tobias Farnung (von links) stehen im Restaurant Bachmühle vor leeren Tischen.
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Jeder zweite Tisch könnte frei bleiben, schlagen (von links) Bernd Farnung, Steffen Ackermann und Tobias Farnung vor.

Einweg-Speisekarte und viel Abstand

Gastronomen setzen auf Lockerungen - und haben viele Ideen für einen sicheren Restaurant-Besuch

  • Volker Nies
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Eine vorsichtige Öffnung der Restaurants kann funktionieren. Davon sind die osthessischen Gastronomen überzeugt. „Wir waren schon vor Corona geschulte Spezialisten für Hygiene“, sagt Steffen Ackermann, Kreisvorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) Fulda.

  • Die Gastronomie in der Region dringt auch Lockerungen
  • Einweg-Speisekarten und der Verzicht auf Salzstreuer sollen helfen
  • Jeder zweite Tisch könnte frei bleiben

Fulda - Seit Mitte März sind die Gaststätten in Deutschland geschlossen. Nur der Außer-Haus-Verkauf ist erlaubt. Mit der sinkenden Zahl der Corona-Infizierten steigt der Druck auf die Politik, den Gaststätten das Wiederöffnen zu erlauben. Niedersachsen kündigte am Montag als erstes Bundesland an, es werde den Speiselokalen wieder erlauben, ihre Dienste anzubieten. Dienstag kamen entsprechende Signale aus Bayern.

Nur jeden zweiten Tisch besetzen

„Wenn sich Mitarbeiter und Gäste an Regeln halten, ist der Besuch eines Restaurants so sauber und sicher wie Brötchenholen oder der Einkauf im Baumarkt“, erklärt Steffen Ackermann (39). Es fängt damit an, dass sich Kunden kaum bewegen, also auch kaum begegnen können, erklärt er. „Wenn nur jeder zweite Tisch besetzt wird, besteht zwischen Gästen immer ein Sicherheitsabstand von mindestens zwei Metern“, sagt der Kreisvorsitzende.

Die Möglichkeit einer Begegnung zwischen Gästen lässt sich weiter einzuschränken. Dehoga-Vorstandsmitglied Tobias Farnung (47), der das Hotel-Restaurant Bachmühle in Fulda mit seinem Bruder Bernd Farnung (53) führt, will am Boden Markierungen aufbringen, um die Strecken zwischen den Tischen zu Einbahn-Wegen zu machen. „Wir müssen auch dafür sorgen, dass sich nicht zu viele Gäste gleichzeitig an den Waschbecken vor den Toiletten die Hände waschen“, berichtet Tobias Farnung.

Bedienung trägt Mundschutz

Die Bedienungen werden auf Abstand bleiben, sie werden Mundschutz und Handschuhe tragen, erläutert er. Zum Abstandhalten gehört, dass die Speisen komplett auf einem Teller gebracht werden. „Dass man den Gästen vor ihren Augen das Fleisch und die Beilagen auf den Teller legt, wird es erst einmal nicht mehr geben. Ebenso wird man den Weinkühler direkt an den Tisch stellen. Auf das Nachschenken durch die Bedienung werden wir wohl erst einmal verzichten müssen“, erläutert der Gastronom.

Auf den Tischen werden Pfeffer- und Salzstreuer sowie Essig und Öl nur noch auf Wunsch gereicht. Sie stehen also nicht mehr permanent auf den Tisch, berichten Farnung. Die Speisekarten werden entweder ausgedruckt und nach der einmaligen Benutzung weggeworfen, oder die Blätter werden eingeschweißt und nach der Benutzung desinfiziert. „Viele Einweg-Produkte, die wir in den vergangenen Jahren aus Umweltgründen abgeschafft haben, kommen jetzt zurück“, berichtet Ackermann.

In der Bachmühle wird auf den Tischen an jedem Platz ein Set aus festem Papier liegen, dass nach jedem Essen erneuert wird.

Spülmaschine statt Waschbecken

Jedes Glas wird in Zukunft in der Spülmaschine gespült werden. „Das ist in Restaurants meist schon heute so. In Kneipen sieht man hingegen noch oft, dass Biergläser im Handwaschbecken gereinigt werden. Das wird es in Zukunft kaum noch geben“, erklärt Ackermann. „Für Gaststätten, in denen heute noch mit der Hand gewaschen wird, bedeutet das eine Ausgabe von 6000 Euro. Das ist viel Geld in einer Zeit, in der die Kassen leer sind“, sagt er.

Bars müssen wohl weiter warten

Ohnehin sieht Ackermann nicht, dass die gesamte Gastronomie in einem Zuge wieder öffnet. Speisegaststätten ließen sich nach seiner Einschätzung mit leeren Tischen als Puffer und weiteren Vorsichtsregeln problemlos wieder öffnen. „In Bars, wo üblicherweise viele Menschen nebeneinander stehen und sich nach dem ein oder anderen Glas Alkohol räumlich so nahe kommen, dass jeder Mindestabstand dahin ist, bin ich skeptisch hinsichtlich einer schnellen Wiederöffnung,“ sagt Ackermann.

Der Dehoga-Kreisvorsitzenden drängt darauf, dass die Gaststätten auch in Hessen bald wieder grünes Licht bekommen. „Eine Öffnung ist zu verantworten, und sie ist geboten. Unter den Gastronomen ist die Stimmung schlecht: Unsere Branche war die erste, die schloss, und wird mit die letzte sein, die wieder öffnen darf. Dabei ist die volkswirtschaftliche Bedeutung mit 2,4 Millionen Beschäftigten, darunter 60 000 Azubis, in 220 000 Betrieben nicht geringer als die der Autowirtschaft.“

Lesen Sie hier: Riesige Lockerungs-Schritte in Bayern - Biergärten besonders früh wieder geöffnet 

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