Für Nachwuchs im Service ist beim Gasthof Ebert bestens gesorgt: Die Auszubildende Isabel Flosdorf bedient einen Gast im Biergarten. Für das Foto hat sie die Maske abgenommen.
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Für Nachwuchs im Service ist beim Gasthof Ebert bestens gesorgt: Die Auszubildende Isabel Flosdorf bedient einen Gast im Biergarten. Für das Foto hat sie die Maske abgenommen.

Corona-Folgen

Immer mehr Personal kehrt Gastronomie den Rücken - So ist die Situation im Kreis Fulda

  • Sarah Malkmus
    VonSarah Malkmus
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Immer mehr Beschäftigte verlassen wegen der Corona-Pandemie die Gastronomie-Branche. Ob der Personalmangel auch im Kreis Fulda ein Problem ist, bewerten regionale Gastronomen. Dabei zeichnet sich ein nicht allzu düsteres Bild.

Fulda - Etwa 20 Prozent der Gastronomie-Beschäftigten in Fulda haben während der Corona-Pandemie die Branche verlassen. Zu unsicher sei das Gewerbe in Zeiten wie diesen. Marc Zuspann, Geschäftsführer von Praforst in Hünfeld, blieb von dem Phänomen in seinem Betrieb bislang verschont: „Wir können uns nicht beschweren“, sagt er und fügt hinzu: „Wir haben in der Krise versucht, unsere Mitarbeiter zu halten.“

Darauf geht Zuspann näher ein: „Ich habe Beschäftigung gesucht, um meinen Mitarbeitern Arbeit zu geben.“ Als Beispiele nennt er den Lieferservice sowie den Pop-Up Schnittchen & Co. Store seines Betriebs. Und obwohl seine Mitarbeiter teilweise in Kurzarbeit waren, verlor er keinen von ihnen. In die Zukunft blickt er daher wenig sorgenvoll.

Corona sorgt für Personalmangel in der Gastronomie - Das sagen Restaurantbetreiber

Maria Tyc, Pächterin des Gasthofs Ebert in Neuhof, kann sich ebenso wenig beschweren. Ihr kam vor allem ein glücklicher Umstand zugute: Sie berichtet, dass ihre Aushilfskräfte allesamt in einem Hauptjob arbeiten, der von Corona-Lockdown und Pandemie weniger betroffen ist. Dennoch konstatiert auch sie Mängel: „Im Service sind wir gut aufgestellt, aber in der Küche ist es nach wie vor schwierig, jemanden zu finden“, erklärt sie.

Die Anreize, in der Gastronomie zu arbeiten, fehlten, und der Verdienst sei zu gering für die harte Arbeit der Angestellten. Sie rechnet vor: „Ein Schnitzel müsste 25 Euro kosten, um das Personal angemessen zu bezahlen.“ Langfristig könnten nur höhere Löhne und staatliche Unterstützungen das Arbeitsumfeld attraktiver gestalten. Allerdings bemerkt Tyc auch, dass die Menschen die Gastronomie nun wieder mehr zu schätzen wissen. „Ich hoffe daher auf ein Umdenken der Gesellschaft“, sagt sie.

„Ob alle, die die Gastronomie jetzt verlassen haben, glücklich werden, wage ich zu bezweifeln“, stellt Dieter Hoertdoerfer, Hoteldirektor des Kongress- und Kulturzentrums Esperanto Fulda, infrage. Dennoch fügt er hinzu: „Aber sie werden sicherlich die Annehmlichkeiten anderer Branchen schätzen lernen.“ Der Personalmangel in Gastronomie und Hotellerie sei kein neuartiges Problem und liege an den strukturellen Bedingungen des Gewerbes.

Dienst an Wochenenden und Feiertagen seien die Regel und man müsse das Herzblut für die Branche haben. Zwar bestehe der Personalmangel auch im Esperanto, könne jedoch ob der Größe des Unternehmens entschärft werden: „Wir teilen administrative Kräfte übergangsweise in den Service ein, sodass diese nicht in die Kurzarbeit geraten“, so Hoertdoerfer. (Lesen Sie auch: Außengastronomie in Fulda öffnet nach langer Corona-Pause)

Video: Nach Corona-Pause - Außengastronomie in Fulda öffnet

Die generell „angespannte Lage rund um den Arbeits- und Fachkräftemangel“ ist auch Steffen Ackermann, Kreisverbandsvorsitzender der Dehoga, seit Jahren bekannt. Das Problem kam zwar nicht erst im Zuge der Pandemie, sagt Ackermann, wohl aber hat letztere die Situation verschärft. „Nachvollziehbarerweise wurden durch die lange Zeit des Kurzarbeitergeldes Alternativen in anderen Branchen gesucht. Das kann man niemandem verübeln. Am Monatsende müssen Rechnungen bezahlt werden“, sagt Ackermann.

Doch, so der Sprecher, nicht wenige Betriebe haben durch die Kurzarbeit hinweg die Differenz zwischen dem Nettolohn und Kurzarbeitergeld aus eigener Tasche ausgeglichen. Das sei insbesondere in der Zeit der Betriebsschließungen lobenswert gewesen. Allerdings habe dies nicht jeder Betrieb stemmen können.

Dehoga wünscht sich von junger Generation neue Konzepte im Gastgewerbe

Künftig kommt es insbesondere auf neue Konzepte an: „Wer, wenn nicht unsere Branche, kann die Transformation zur Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Ökologie umsetzen?“, fragt Ackermann. Er ist der Meinung, dass gerade die junge Generation die „einmalige Chance“ habe, das Gastgewerbe „auf den Kopf zu stellen“, den Arbeitsplatz von Morgen mitzugestalten und zukunftssicher zu machen. Bislang sei die Branche durch zu hohe Bürokratie und Verwaltung stark belastet. Dies wiederum lähme den Fortschritt.

#supportyourlokals

„Support your locals!“ heißt eine Fuldaer Aktion, die bereits im ersten Lockdown ins Leben gerufen wurde, um Handel und Gastronomie zu unterstützen. An diese Aktion knüpft nun die Region Fulda GmbH mit einer Social-Media-Kampagne an. Diese trägt den Namen #supportyourlokals (übersetzt: „Unterstützt eure Lokale“) und stellt nun Lokale in den Fokus. Dabei werden Gastronomen Bilder und Videos von typischen Gastro-Szenarien zu Werbezwecken kostenfrei zur Verfügung gestellt.

„Die Initiative soll aufrütteln und ein Bewusstsein schaffen“, sagt Christoph Burkard, Geschäftsführer der Region Fulda GmbH. Generell hat laut Burkard ein Umdenken bezüglich der Arbeitsbedingungen stattgefunden. Man wolle daher in der Branche mehr Anreize für Fachkräfte schaffen, im Gespräch seien höhere Löhne sowie die Fünf-Tage-Woche. Ziel der Kampagne sei auch, ehemalige Angestellte an ihr „Gastroblut“ zu erinnern sowie neue Fachkräfte, Auszubildende und vor allem auch Aushilfskräfte zu gewinnen.

In diesem Zusammenhang erinnert er zugleich an die Relevanz der Ausbildung: „Nur wenn ihr Stellenwert wieder positiv in allen Wohnzimmern Einzug hält, werden wir die Kurve kriegen. Wir brauchen Talente, die mit Herzblut an die Arbeit gehen. Wir brauchen kreative Köpfe, die Gutes bewahren und dennoch Lust und ausreichend Freiraum für Veränderungen haben.“ (Von Sarah Malkmus und Sophie Brosch)

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