Im Gesundheitsamt Fulda arbeiten aktuell 15 zusätzliche Mitarbeiter.
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Im Gesundheitsamt Fulda arbeiten aktuell 15 zusätzliche Mitarbeiter.

Problematik Infektionsquellen

Corona bringt Gesundheitsämter ans Limit: Landkreis Fulda stellt 15 zusätzliche Mitarbeiter ein

Die Zahl der Corona-Fälle steigt in Hessen deutlich. Die Quelle der Infektionen ist inzwischen oft nicht mehr ermittelbar. Die Behörden geraten deshalb an ihr Limit: Im Gesundheitsamt Fulda arbeiten aktuell 15 zusätzliche Mitarbeiter.

Kassel/Fulda - Nach einem Corona-Ausbruch in einer Einrichtung für Flüchtlinge hat nun auch Kassel erneute Beschränkungen des öffentlichen Lebens beschlossen (News-Ticker zum Coronavirus in Hessen). Größere Veranstaltungen mit mehr als 250 Teilnehmern dürften bis auf Weiteres nicht stattfinden, erklärte die Stadt. Private Feiern mit mehr als 25 Personen werden untersagt.

Kassel ist die landesweit fünfte Kommune, die den als kritisch geltenden Inzidenz-Wert von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern binnen sieben Tagen überschreitet. Über dem Wert liegen weiter die Städte Frankfurt (70,9) und Offenbach (86,7) sowie die Kreise Groß-Gerau (61,6) und Main-Taunus (53,6).

Lesen Sie hier: Ist der Umgang mit den Werten der Corona-Neuinfektionen noch der richtige?

Corona-Fälle in Hessen steigen: Gesundheitsämter stoßen an ihre Grenzen

Der Ausbruch in der Einrichtung für Flüchtlinge katapultierte Kassel über Nacht sogar in die höchste Infektionswarnstufe des Landes. In der nordhessischen Stadt erhöhte sich am Mittwoch die Inzidenz auf 94,2. In der Erstaufnahmeeinrichtung stehen seit Freitag 301 Bewohner unter Quarantäne, infiziert sind mindestens 111 Personen.

Hessens Gesundheitsämter können einen erheblichen Teil der neuen Corona-Infektionen nicht mehr bis zu ihrem Ursprung zurückverfolgen. Die Quote der nicht mehr nachvollziehbaren Ansteckungen lag in den vergangenen 14 Tagen je nach Kommune zwischen 29 und 76 Prozent, wie Stichproben bei Städten und Kreisen mit erhöhten Infektionszahlen zeigen. In Frankfurt beispielsweise konnte – abgesehen von größeren Ausbrüchen in Einrichtungen – in weniger als 50 Prozent der gemeldeten Fälle, eine Person oder Situation ermittelt werden, von der die Infektion ausging.

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Wird eine Infektion festgestellt, versuchen die Ämter, die Kette nachzuvollziehen und zu unterbrechen. Doch angesichts steigender Infiziertenzahlen arbeiten die Behörden vielerorts am Limit. Der Verband der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes kritisiert die bisherige Strategie: „Die Frage ist: Ist es sinnvoll, allen Verdachtsfällen nachzujagen, oder wenden wir uns den kranken Leuten zu? Verbrennen wir weiter Laborkapazitäten, oder schalten wir langsam in den Modus medizinischer Vernunft um und kümmern uns um die Infizierten/Kranken und Schutzbedürftigen?“, sagte Jürgen Krahn, Vorstand der Verbands in Hessen.

Corona-Infektionsquellen schwierig zu ermitteln: Zusätzliche Mitarbeiter beim Gesundheitsamt Fulda

In Fulda „gelingt es uns in etwa zwei Dritteln der Fälle, die Ansteckungsquelle zu ermitteln“, teilte Vizelandrat und Gesundheitsdezernent Frederik Schmitt mit. Die Vorgehensweise, nach den Empfehlungen des RKI die Infektionsketten zurückzuverfolgen, habe bislang gute Ergebnisse gezeigt.

Auch in Fulda sei das Gesundheitsamt im Verlauf der Pandemie wiederholt an seine Grenzen geraten, so Schmitt weiter. Wenn es zusätzlichen Personalbedarf gibt, werde dieser „ad hoc immer zuerst aus den eigenen Reihen“ rekrutiert. Darüber hinaus seien aktuell 15 zusätzliche Mitarbeiter eingestellt worden. Eine Unterstützung durch die Bundeswehr, wie es sie beispielsweise in Frankfurt oder Offenbach gibt, sei in Fulda aktuell kein Thema. (bt)

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