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2G-Regel ab Montag in Hessen: Enorme Belastung für den Einzelhandel

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Von: Sanja Winhold, Volker Nies

2G im Einzelhandel
Ab Montag gilt in Hessen die 2G-Regel im Einzelhandel. (Symbolbild) © Daniel Bockwoldt/dpa

Ob Modehäuser, Möbel- oder Elektronik-Geschäfte: Ab Montag gilt im Handel die 2G-Regel – die die Mitarbeiter kontrollieren müssen. Viele Händler in Fulda kritisieren eine große Belastung im Weihnachtsgeschäft.

Fulda - Im Handel herrscht Alarmstimmung: Schon am ersten Adventswochenende blieben viele Verbraucher wegen hoher Inzidenzzahlen den Innenstädten fern. Jetzt droht noch größere Gefahr: In Hessen sollen ab Sonntag nur noch Geimpfte und Genesene in die Läden dürfen.

Ausnahmen gelten für Supermärkte, Discounter, Drogerien und Apotheken. Der Chef des Handelsverbands Deutschlands, Josef Sanktjohanser, warnt, ein solcher Schritt könne „zu erheblichen Umsatzrückgängen von bis zu 50 Prozent führen und für die Einzelhändler existenzgefährdende Auswirkungen haben.“ (Lesen Sie hier: 2G-Kontrollen auf dem Weihnachtsmarkt zu lasch? Stadt Fulda reagiert)

Corona in Fulda: 2G-Regel ab Montag - Enorme Belastung für Einzelhandel

Der Handel habe seit Beginn der Corona-Krise erhebliche Sonderopfer gebracht, obwohl er zu keinem Zeitpunkt als Inzidenztreiber bezeichnet werden konnte. Studien zeigten, dass das Ansteckungsrisiko im Einzelhandel marginal sei.

Im Modehaus Schneider in Fulda werden Kunden ab Montag täglich am Eingang kontrolliert. Bisher kontrollierten die Mitarbeiter diese alle drei Wochen, berichtet Abteilungsleiterin Carmen Kramm: „Die Mitarbeiter werden sich dabei abwechseln.“

Kramm sieht die neuen Regeln kritisch. Sie befürchtet, dass die Kundschaft wegen der hohen Inzidenzen „ängstlicher“ werde, und dass Umsatz wegbricht. Ein Drittel der Kunden sei während des Lockdowns verloren gegangen. „Wenn die Zahl der Kundschaft zurückgeht, bricht der Umsatz dementsprechend ein.“ In den vergangenen drei Wochen durften die Kunden mit Impfnachweis den Laden ohne Maske betreten – ansonsten nicht. Vorerst ändert sich im Modehaus Schneider wenig.

Auch bei XXXLutz Buhl wird auf Kontrollen gesetzt. „Wenn die 2G-Regelung kommt, dann wird es in unserem Möbelhaus – wie schon bei den inzidenzabhängigen Öffnungen zu Jahresbeginn – Einlasskontrollen geben. Das hat sich bewährt“, erklärt XXXLutz-Sprecher Volker Michels. „Wir können auch auf aktuelle Erfahrungen aus Baden-Württemberg zurückgreifen, wo bereits eine 3G/2G-Kontrolle erfolgen muss und gut funktioniert.“

Um Warteschlangen zu vermeiden, werde es am Möbelhaus „Welcome-Manager“ als zusätzlichen Service geben. „Bei der Nachweis-Kontrolle kommen zudem digitale Prüfungs-Tools zum Einsatz“, so Michels. (Mit dem Corona-Ticker für Fulda bleiben Sie auf dem Laufenden)

Händler in Fulda üben Kritik: „2G ist eine Katastrophe für uns“

Der Geschäftsführer Hans-Jürgen Müller von Euronics XXL EFM in Fulda plädiert in erster Linie für Gleichheit: „Gleiches Recht für alle. Denn es kann nicht sein, dass Massenveranstaltungen laufen, während der Einzelhandel sich einschränken muss.“ Der 64-jährige Unternehmer findet die 2G-Regel undurchsichtig und in der Umsetzung schwierig: „Wenn zum Beispiel ein Pärchen in mein Geschäft kommt und einer der beiden nicht geimpft ist – aber beide wollen sich beispielsweise eine Kaffee- oder Waschmaschine anschauen – wie soll das funktionieren?“.

Zudem befürchtet Müller, dass die Anzahl der Kunden abnimmt. Trotzdem wolle er alles dafür tun, der 2G-Regel gerecht zu werden: „Uns bleibt nichts anderes übrig, als eine Security einzuschalten.“ Ab nächste Woche Montag werden alle Kunden kontrolliert – sei es digital oder mit dem Impfbuch. Hauptsache die Impfung kann vom Kunden nachgewiesen werden: „Wir werden bei jedem nachfragen“, so Müller.

Auch bei Schuhhaus Zentgraf hagelt es Kritik: „Die 2G-Regel ist eine Katastrophe für uns. Der Handelsverband will dagegen klagen – hoffentlich mit Erfolg“, sagt Oliver Zentgraf, Inhaber der Schuhhäuser Zentgraf in Arzell und Künzell. „2G bedeutet für uns, dass ein Drittel bis ein Viertel Kunden wegbleibt.“

Die Regeln seien nicht nur belastend, sondern auch ungerecht: „Bei uns darf der Ungeimpfte nicht einkaufen, aber im Supermarkt und im Discounter darf er herumlaufen – und dort dann sogar Schuhe kaufen. Das soll gegen die Pandemie helfen?“ Für die Ungeimpften müsse es zumindest einen Bereich geben, wo man bestellte Schuhe abholen kann.

Video: Corona-Schalte: Impfpflicht und 2G geplant

Auch in Hünfeld ist die 2G-Regel zunächst mit viel Aufwand verbunden: „Es ist eine zusätzliche Arbeit, wenn wir jeden Kunden kontrollieren müssen, der das Geschäft betritt“, erläutern Dimitra Siebert, Stellvertretende Vorsitzende des Citymarketings Hünfeld und Vorsitzende Gitta Grafe-Hodes. Mitarbeiter kontrollieren am Eingang Impfpass und Personalausweis.

Dass die 2G-Regelung Auswirkungen auf das Weihnachtsgeschäft hat, mutmaßen die beiden. „Der Einzelhandel muss die Fehler der Regierung ausbaden. Wir werden wieder Einbußen haben“, fügen Siebert und Grafe-Hodes hinzu. Ihre Befürchtung ist, dass weniger Menschen in die Geschäfte kommen: „Vor allem für junge Leute ist das Einkaufen schwierig. Sie bestellen alles online.“ Für den Einzelhandel sei das nicht gut.

Was Hohmann und Heil, Expert Ommert, Campo, Hausrat Vogt und Kik zur 2G-Vorgabe sagen, lesen Sie in der Printausgabe der Fuldaer Zeitung vom 2. Dezember und im E-Paper.

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