Eine Rentnerin informiert sich im Internet über die Vergabe von Corona-Impfterminen
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Auch bei der zweiten Impftermin-Vergabe für die Über-80-Jährigen gab es technische Probleme.

Technische Probleme

Corona-Impfung: Wieder großer Ansturm auf die Terminvergabe - und erneut stundenlanges Warten

  • Daniela Petersen
    vonDaniela Petersen
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Klappe, die Zweite: Seit Mittwoch werden hessenweit wieder Impftermine für die Über-80-Jährigen vergeben. Doch wie schon im Januar gibt es auch dieses Mal teils technische Probleme, und die Anrufenden hängen stundenlang in der Warteschleife. 

Fulda - 0611 505 92 888: Diese Nummer kann Gisela Wehr-Tiemeier aus Petersberg inzwischen auswendig. Seit 8 Uhr probiert sie einen Corona-Impftermin für ihre Schwiegereltern Margot und Ewald Tiemeier zu bekommen. Keine Chance. Annette Schwarz-Scheuls aus Schlitz geht es ähnlich. Sie möchte gleich mehrere Termine vereinbaren, für ihre Eltern und die Schwiegermutter.

Corona: Wieder großer Ansturm bei Impftermin-Vergabe - wieder stundenlanges Warten

„Ich habe insgesamt 1316-Mal einen Anrufversuch gestartet. Mein Handy zählt das mit“, sagt sie.  Beide Frauen haben schon bei der ersten Anmelderunde im Januar versucht, Termine zu bekommen. „Ich habe da immerhin eine Vorgangsnummer erhalten“, sagt Wehr-Tiemeier. Doch einen Termin konnte sie damals nicht vereinbaren, die Telefonate endeten in einem Callcenter – und schließlich in der Warteschleife.

Nach sieben Stunden Warten war bei der ersten Anmelderunde im Januar das System ausgefallen. Weil der Corona-Impfstoff nur in begrenzter Zahl verfügbar ist, waren alle 4000 Termine für das Impfzentrum Fulda bereits nach drei Tagen vergeben, ohne dass die 90 und 92 Jahre alten Schwiegereltern der 63-Jährigen zum Zug gekommen wären.

So erging es vielen Senioren und Seniorinnen in Hessen. Rund 190.000 Menschen hatten sich im Vorfeld des Mittwochs bereits für eine Terminbuchung registriert. Über Wochen wurden sie vertröstet: Wenn Termine wieder vergeben werden können, wird das durch das hessische Innenministerium mitgeteilt, hieß es. Am Mittwoch war es soweit, die Personen der ersten Priorisierungsgruppe hatten erneut die Chance, einen Termin zu ergattern. 

Doch auch der Start dieses zweiten Anmeldeverfahrens läuft offenbar holprig an. Wieder kommt es zu technischen Problemen, wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) berichtet. Wehr-Tiemeier bekommt das zu spüren. Mit ihrem Anruf kommt sie gar nicht erst durch: „Es ist ständig besetzt“, sagt sie. Deshalb versucht sie parallel noch eine zweite Möglichkeit über die Internetseite impfterminservice.de – und landet in einem virtuellen Warteraum. Auch zahlreiche Menschen aus dem Landkreis Hersfeld-Rotenburg berichteten, dass sie stundenlang an der Hotline* nicht durchgekommen seien.

Nach mehreren Stunden in diesem Warteraum zahlt sich ihre Geduld aus. Es wird ein Platz im Buchungsportal frei, Wehr-Tiemeier wird automatisch weitergeleitet und kann die Registrierung für den Schwiegervater vornehmen. „Er wird nun am 7. und 28. März geimpft“, freut sie sich.

Noch am Morgen hat sich die Internetseite für die Terminbuchung zeitweise nicht öffnen lassen, schreibt die dpa. Das hessische Innenministerium betont hingegen: „Das große Interesse der Impfberechtigten hat nicht zu einer technischen Überlastung des Anmeldeverfahrens geführt.“ Auch wenn es aufgrund der großen Nachfrage zu Wartezeiten komme, würden beide Wege zum Impftermin stabil funktionieren.

Bei der Hotline habe es am Morgen vereinzelt Fehlermeldungen gegeben. Diese Probleme seien innerhalb von Minuten gelöst worden. „In den ersten acht Stunden konnten rund 66.000 Termine gebucht werden“, schreibt das Innenministerium. In der ersten Runde hätten insgesamt rund 60.000 Termine zur Verfügung gestanden, die innerhalb von rund vier Tagen vergeben wurden.

Corona: Impftermin-Vergabe - Janine Wissler (Linke): „keine Raketenwissenschaft“

„Es wird für jeden Impfberechtigten einen Termin im zuständigen Impfzentrum geben. Es gibt für die erste Priorisierungsgruppe keine Begrenzung der verfügbaren Termine. Jeder bekommt einen Termin“, betont das Ministerium. 

Kritik kam von der Opposition: „Dass sowohl das Onlineportal als auch die Hotline erneut schwer oder über Stunden gar nicht erreichbar sind, macht fassungslos“, erklärt die Vorsitzende der Linken-Fraktion, Janine Wissler. Erforderlich sei ein System, das barrierefrei, zielgruppengerecht und angemessen ausgestattet sei. „Das ist keine Raketenwissenschaft – andere Länder bekommen das hin.“ Sonst stehe zu befürchten, dass viele Ältere entnervt aufgeben und sich die Impfquote der Haupt-Risikogruppen deutlich verschlechtere.

Hintergrund: Land bessert nach

Nachdem das Anmeldeportal bei der ersten Runde am 12. Januar zwischenzeitlich überlastet war, hat das Land Hessen nachgebessert. So wurde das System mit dem beauftragten Dienstleister, mithilfe externer IT-Experten sowie anhand zahlreicher Hinweise von Bürgern grundlegend überprüft. Auch mehrere Lasttests gab es. 

Zudem wurden Serverkapazitäten hinzugenommen. Der virtuelle Warteraum auf dem Onlineportal dient ebenfalls zum Schutz vor Überlast. Bei großem Andrang könne so besser kanalisiert werden, heißt es. 

Dem Innenministerium zufolge hat es auch bei der telefonischen Terminvergabe Verbesserungen gegeben. Das Personal des Callcenters wurde nachgeschult, und die Anzahl der verfügbaren Plätze wurde nochmals „signifikant erhöht“. Zwischen 8 und 20 Uhr stünden täglich rund 530 Mitarbeiter zur Verfügung. Dennoch gebe es auch hier wie in jedem Callcenter Kapazitätsgrenzen. 

Auch Gisela Wehr-Tiemeier befürchtet das. „Meine Schwiegereltern haben schon gesagt, wenn das mit dem Termin so kompliziert ist, dann lassen sie das mit der Impferei eben.“ Doch die 63-Jährige gibt nicht auf und hofft, dass sie bald auch einen Impftermin für ihre Schwiegermutter bekommt. *hna.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerkes

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