Seit Montag kann in Apotheken im Landkreis Fulda der digitale Impfpass erworben werden. (Symbolfoto)
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Seit Montag kann in osthessischen Apotheken der digitale Impfpass erworben werden. (Symbolfoto)

„Ins kalte Wasser geworfen“

Apotheker stellen nun digitalen Corona-Impfpass aus - So lief der Start in Osthessen

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  • Walter Kreuzer
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  • Sarah Malkmus
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  • Harry Wagner
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Seit Montag stellen Apotheken den digitalen Corona-Impfpass aus. Nach einem etwas holprigen Start berichten die Apotheker jedoch von einem nunmehr stabilen System sowie einer moderaten Nachfrage.

Fulda/Eiterfeld/Kinzigtal - Wenn Andreas Mölleney, Inhaber der Heertor-Apotheke in Fulda, an den gestrigen Montagmorgen denkt, muss er tief durchatmen, denn „wir sind einfach ins kalte Wasser geworfen worden“. In der vergangenen Woche seien die Apotheken aufgefordert worden, sich am Montagmorgen um 8 Uhr auf dem Portal freizuschalten und im Anschluss daran mit dem Ausstellen der Zertifikate zu beginnen. Der entsprechende Registerreiter, der das Ausstellen ermögliche, sei erst am Montagmorgen auf der Seite des Deutschen Apothekerverbandes (DAV) erschienen.

Um 8 Uhr dann die erste Fehlermeldung. „Man fühlte sich wie in den Anfängen von Microsoft“, berichtet er. Fehlermeldungen, Error, Server überlastet. „Es ging gar nichts mehr“, erinnert er sich. Die Seite habe sich jedoch relativ schnell stabilisiert. Gegen Mittag habe der Apotheker nach eigenen Schätzungen bereits 40 Zertifikate ausgestellt. „Fragen können wir derzeit jedoch nicht beantworten, wir machen das, was funktioniert und schauen, was passiert“, sagt er. Wie sich die Abrechnung gestalte, wisse er bislang noch nicht. Für das Ausstellen eines Passes benötige der Inhaber aktuell etwa fünf Minuten. Wichtig dabei sei die korrekte Datenerfassung.

Corona in Hessen: Apotheker stellen nun digitalen Impfpass aus - So lief der Start

Und der erwartete Ansturm? Der halte sich laut Mölleney bislang noch in Grenzen. „Ich habe keine Schlangen vor der Tür.“ Diejenigen, die zur Erstellung in seine Apotheke kämen, hätten meist eine Reise geplant. Allerdings seien Nachfragen schon in der vergangenen Woche gekommen.

Andreas Wetterich von der Rosenapotheke in Fulda berichtet hingegen von einem regen Ansturm am gestrigen Montag – insbesondere Menschen, die eine Reise im Sommer unternehmen wollten, seien in seine Apotheke gekommen, um sich den QR-Code generieren zu lassen.

Ähnlich wie Mölleney habe es auch in seiner Apotheke Startschwierigkeiten am Montagmorgen gegeben, diese seien jedoch schnell behoben worden. „Wir werden routinierter werden in den kommenden Tagen“, ist er sich sicher. Für ihn sei es eine Herausforderung gewesen, in der Kürze der Zeit die nötige Infrastruktur bereitzustellen – etwa Laptops, Drucker sowie extra Arbeitsplätze für die Ausstellung.

Zertifikat

Ein gemeinschaftliches Zertifikat für Erst- und Zweitimpfung kann nicht ausgestellt werden, es wird ein Zertfikat für die Erstimpfung, ein weiteres für die Zweitimpfung ausgestellt. In der CovPass-App lassen sich jedoch beide Impfungen einscannen, das Datum für den vollständigen Schutz (14 Tage nach Zweitimpfung) wird dann berechnet. Zur Ausstellung des digitalen Impfpasses müssen der Impfpass oder das Impfzertifikat sowie ein Personalausweis oder ein Reisepass mitgebracht werden. / mal 

Keine Probleme meldete die Adler-Apotheke in Eiterfeld. Die Software funktioniere, versicherten die Mitarbeiterinnen, in fünf Minuten sei der Code erstellt. Bis zur Mittagszeit hatten aber nur sieben Kunden nachgefragt.

Hohe Nachfrage an digitalen Impfausweisen im Main-Kinzig-Kreis

Im Bergwinkel und Blauen Eck stehen viele Apotheker dem Angebot aufgeschlossen gegenüber wie eine Umfrage unserer Zeitung bei einigen von ihnen ergab. Noch nicht dabei ist die Löwen-Apotheke in Sterbfritz. Wie es von dort heißt, werde es mit dem Angebot „im Laufe der Woche“ losgehen. Eine hohe Nachfrage sei bereits am Montagvormittag festgestellt worden.

Davon berichtet auch Philipp Merz. Der Apotheker und Inhaber der Brüder Grimm Apotheke in Steinau betont, dass sein Haus „selbstverständlich dabei ist. Wir waren mit den technischen Voraussetzungen sehr gut vorbereitet. Innerhalb von drei bis fünf Minuten ist das Zertifikat auf die App geladen. Wir empfehlen die Covpass-App.“ Neben diesem eigens entwickelten Programm für die Mobiltelefone kann auch die Coronawarn-App genutzt werden.

Video: So bekommen Sie den digitalen Impfpass in Apotheke

„Wir haben bereits 60 Bescheinigungen eingetragen“, berichtete Merz am Montag gegen 11 Uhr. „Ich war schon um 7 Uhr in der Apotheke, um alles vorzubereiten. Die Leute kamen schon so früh, dass wir bereits um 7.45 Uhr den Laden öffneten.“ Ein Lob hat der Apotheker für den Deutschen Apothekerverband parat, der für die Entwicklung der Software verantwortlich zeichnete: „Es ist eine webbasierte, praktikable und gute Lösung.“

Detlef Krau, Apotheker und Inhaber der Apotheke Freiensteinau, hat „zur Übung“ für sich und seine geimpften Mitarbeiterinnen die Zertifikate ausgestellt. Sein Eindruck: „Bei uns läuft es schon. Erst gab es Schwierigkeiten, auf die Seite zu kommen. Das klappt jetzt aber. Es haben schon einige Leute angerufen. Wer bei uns vorbeikommt, kann das Zertifikat gleich mitnehmen.“

Digitaler Impfpass in den Apotheken: Auch im Kinzigtal gab es zum Start Probleme

Der Ablauf sei unkompliziert: Zunächst muss die Identität der Person geprüft werden. Soweit diese nicht persönlich bekannt ist, dient dazu der Personalausweis. Der Impfpass dient als Nachweis der Corona-Impfungen. Krau: „Wir drucken dann einen Zettel mit einem QR-Code aus. Dieser muss gescannt und so in die App eingefügt werden.“ Das funktioniert schon kurz nach der Impfung. Die App registriert automatisch das Datum, zu dem der vollständige Impfschutz erreicht ist.

„Wir machen natürlich mit“, betont auch Apothekerin Henriette Krick, Inhaberin der Bergwinkel-Apotheke in Schlüchtern. Die Nachfrage sei – auch mit Blick auf die Urlaubszeit – vorhanden. Sie berichtet, dass „heute Morgen das Portal zusammengebrochen“ sei und seither „etwas schleppend“ funktioniere. Daher stelle sie die Zertifikate dann aus, „wenn es vom Betrieb her passt. Der Kunde kann es dann abholen.“

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