Corona in Hessen: Clubs dürfen ab Donnerstag (19.08.2021) wieder öffnen (Symbolbild).
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Die Club-Betreiber in Fulda können sich eine Öffnung mit den geltenden Corona-Regeln nur schwer vorstellen (Symbolfoto).

Serie zum Nachtleben

Club-Betreiber in Fulda reagieren mit Kritik auf neue Corona-Regeln - „Öffnung ist undurchführbar“

Das Land Hessen hat am Dienstag beschlossen, dass Clubs unter verschärften Regeln wieder öffnen dürfen. Kehrt das Nachtleben zurück? Club-Betreiber in Fulda sind eher skeptisch.

Wiesbaden - Diskotheken, Clubs und Tanzbars in Hessen dürfen ab Donnerstag wieder ihre Innenräume öffnen. Allerdings gelten strengere Corona-Regeln als beispielsweise in der Gastronomie, wie der stellvertretende Ministerpräsident Tarek Al-Wazir (Grüne) am Dienstag in Wiesbaden ankündigte. Unabhängig von der Inzidenz bekommen grundsätzlich neben Geimpften und Genesenen nur Menschen Einlass, die einen negativen PCR-Coronatest vorweisen können.

Ein üblicher Corona-Schnelltest oder Bürgertest reicht nicht aus. Zudem gilt Maskenpflicht und die Vorgabe, dass es fünf Quadratmeter Platz pro Gast geben muss. Bislang durften Diskos und Clubs nur im Außenbereich öffnen. Außerdem durften sie als Gastronomiebetriebe - ohne Tanz - betrieben werden.

Corona in Hessen: Clubs dürfen öffnen - Betreiber sind skeptisch

Kehrt damit das Nachtleben zurück? Können die Feiernden wieder in die Clubs? Die Frankfurter Initiative „Clubs am Main“ geht davon aus, dass viele Locations weiterhin geschlossen bleiben. „Wir glauben nicht, dass sich das lohnt und dass sich nur wenige Clubs dazu entschließen, unter diesen Bedingungen aufzumachen“, sagte Sprecher Victor Oswalt am Mittwoch. „Es wird versucht, einen politischen Erfolg zu verkaufen, der in der Realität nicht zutrifft.“

„Unter solch einer Auslastung lohnt sich ein Betrieb wirtschaftlich nicht“, sagte Oswalt mit Blick auf die Fünf-Quadratmeter-Regel. „Und es ist auch nicht attraktiv.“ Die Initiative kritisiert zudem, dass die Politik zu wenig das Gespräch mit den Club-Betreibern gesucht habe. „Clubs am Main“ vertritt die Interessen von etwa 30 Clubs in Frankfurt und Umgebung.

Für wie praktikabel halten Club- und Disko-Verantwortliche in Fulda die neuen Regeln? Marco D‘Andrea vom Musikpark-Betreiber Crownshage-Entertainment erklärte am Dienstag, die Entscheidung über eine Öffnung des Clubs sei noch nicht gefallen. „Uns liegt die Gesundheit unserer Gäste am Herzen, deswegen halte ich es aktuell für falsch, Dinge zu über stürzen“, sagt der Betriebsleiter. Zu den Regeln meint er: „Als die Inzidenz noch niedrig war, hätte man über eine Öffnung unter diesen Bedingungen reden können. In Anbetracht steigender Zahlen ist es schon wieder zu spät.“

Die Serie

In einer neuen Serie berichtet die Fuldaer Zeitung in loser Folge über verschiedene Aspekte des Nachtlebens in Fulda - und wie es in Zeiten von Corona stattfindet. Ebenfalls in der Serie ist folgender Artikel erschienen: S-Club in Fulda wird im September zur Bar - Übergangslösung für Corona-Durststrecke

Außerdem: In Niedersachsen, dem Sitz des Unternehmens, sei eine 3G-Regel in den Clubs schon probiert worden und gescheitert, berichtet der 31-Jährige: „Es gab vor allem Probleme mit der Kontaktrückverfolgung.“ Feiern mit Maske stellt er sich zudem schwierig vor: „Mit steigendem Pegel fallen die Hemmungen, da sind wir wieder in der Kontrollpflicht.“ Ein Konzept müsste man sich vor Ort erst ganz genau anschauen.

Michael Kling von der Alten Piesel in Künzell-Dirlos sagte unserer Zeitung: „Welche Band fährt von München nach Fulda, um dort vor 45 Leuten zu spielen?“ Denn so viele Gäste dürften maximal mit den neuen Regeln in den Kultladen. „Ich weiß nicht, wie sich das rechnen soll. Es sind zu viele Unwägbarkeiten. Die machen eine Öffnung für uns undurchführbar“, sagt Kling. Er befürchtet: „Das wird wieder ein Herbst und Winter ohne Clubs und Veranstaltungen.“

Video: Ungeimpfte in Clubs? Das sagt Karl Lauterbach

Die Chefs des Fuldaer S-Clubs hatten gegenüber unserer Zeitung zuletzt angekündigt, das Lokal ab September übergangsweise auf Bar-Betrieb umstellen zu wollen. Mit Blick auf mögliche Lockerungen ergänzte Betreiber Jens-Ole Bolik jedoch, das Vorhaben zunächst aufzuschieben. Jetzt hat Hessen erste Lockerungen für die Clubs vorgenommen. Die Beschlüsse aus Wiesbaden stoßen bei den S-Club-Betreibern jedoch auf Kritik. Die neuen Regelungen seien „nicht praktikabel“, heißt es in einer Pressenotiz.

„Eine Öffnung als Tanzlocation kommt für uns erst dann in Frage, wenn ein weitgehendes unbeschwertes Club-Erlebnis für unsere Gäste wieder möglich ist. Das zwingende Tragen einer Maske beim Tanzen trägt dazu definitiv nicht bei. Die Maske ist nicht nur extrem hinderlich, sondern aufgrund der ,körperlichen Betätigung‘ auch gesundheitlich bedenklich. Zudem lassen die beschlossenen Auflagen nur eine sehr begrenze Gästezahl zu, sodass keine Club-Atmosphäre entstehen kann“, erklärt Betreiber Clemens Neidert. Man werde die weiteren Entwicklungen beobachten.

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