Eine Seniorin mit einem Telefon.
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Kein Durchkommen: Der Selbsttest zur Anmeldung für einen Impftermin offenbart Probleme.

Probleme

Selbsttest: Die eigene Oma zur Corona-Impfung anmelden - Nach sieben Stunden Warten fällt das System aus

  • Michel Ickler
    vonMichel Ickler
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Über 80-Jährige konnten sich seit Dienstag für eine Corona-Impfung anmelden. Theoretisch. Praktisch gab es Probleme: Belegte Leitungen, überlastete Server und verzweifelte Bürger. Unser Mitarbeiter Michel Ickler hat für seine Oma Irma (81) den Selbsttest gemacht – ohne Erfolg. 

Fulda - Ob am Telefon (0611 505 92 888 oder 116 117) oder über die Internetseite impfterminservice.de (Schritt 1): Bereits kurz nach dem Anmeldestart um acht Uhr geht so gut wie nichts. Die Corona-Impf-Hotline ist besetzt. Auch über die Internetseite impfterminservice.de ist kein Durchkommen. Mit den Worten „zur Zeit wird der Online-Service von sehr vielen Antragsstellerinnen und Antragsstellern gleichzeitig genutzt“ werde ich vertröstet.

Die eigene Oma zur Corona-Impfung anmelden: Nach sieben Stunden Warten fällt das System aus

Die Telefon-Hotline und das Onlineportal wegen der großen Nachfrage zeitweise nicht erreichbar. Innerhalb kürzester Zeit seien laut Innenministerium mehrere Millionen Zugriffsversuche auf die freigeschaltete Webseite und die Hotline erfolgt. Das hatte eine technische Störung zur Folge. Über die Hotline könnten seit 15 Uhr wieder Termine vergeben werden. 

Nach vier Stunden schließlich ein Fortschritt. Die Internetseite lädt und ich kann mit der Anmeldung zur Corona-Impfung für meine Oma beginnen (Schritt 2: Weiterleitung zum Land Hessen). Nach wenigen Minuten stürzt die Seite aber ab. Die Hoffnung ist verflogen und das Prozedere beginnt von vorne. Über die Hotline des Landes habe ich es nach zahlreichen Versuchen erst gar nicht mehr versucht.  

Ähnlich ergeht es Eberhard Ebert beim Versuch, einen Corona-Impftermin zu bekommen. Der 91-Jährige aus Hünfeld traut sich selbst die Anmeldung über das Internet nicht zu und möchte es telefonisch erledigen. Doch auch er kommt nicht durch. „Ich habe es mehrfach versucht und weiß nicht weiter“, bedauert der Rentner und kritisiert. „Hessen hatte eine lange Vorlaufzeit. Da habe ich schon erwartet, dass ich mich heute anmelden kann.“ 

Aufgrund der langen Wartezeiten wirbt Hessens Innenminister Peter Beuth (CDU) gegenüber dem Radiosender Hit Radio FFH um Geduld. Es gehe um eine Gruppe von 400.000 Menschen, die nun alle einen Impftermin ausmachen könnten. „Das kann natürlich kein Call-Center der Welt leisten, alle auf einmal in Empfang zu nehmen.“ Am Ende müsse man schon sagen, man wird sicherlich ein bisschen Geduld brauchen. 

In puncto Geduld sollte Beuth Recht behalten. Nach fünfeinhalb Stunden wird diese für mich belohnt. Über das Internet kann ich meine Oma Irma nun registrieren (Schritt 3: Anmeldung). Alles was ich brauche ist Name, Anschrift, Geburtsdatum und im Idealfall eine E-Mail-Adresse. Die hat sie nicht. Deshalb gebe ich meine an. Über meine E-Mail sollte ich einen Link zur Terminvergabe (Schritt 4) bekommen.

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Eine Benachrichtigung hat mich allerdings nie erreicht, weshalb ich mich an die Corona-Impf-Hotline wenden soll. Also ist erneut Geduld am Telefon gefragt. Gegen 14 Uhr erreiche ich endlich einen Mitarbeiter des Call Centers. Die Verbindung ist allerdings schlecht. Theoretisch muss ich nur noch die Vorgangskennung, die ich bei der Anmeldung erhalten habe, meiner Oma nennen und der Impftermin ist in trockenen Tüchern – dachte ich zumindest.

„Das System ist leider ausgefallen. Wir können aktuell keine Impftermine vergeben. Versuchen Sie es bitte morgen noch einmal“, lässt der Mitarbeiter verlauten. Zahlreiche haben am Dienstag von ähnlichen Erfahrungen berichtet. Glück – wie Monika Gies – hatten nur die wenigsten. 400.000 Menschen kommen für einen Termin in Frage, lediglich 9000 haben am Dienstag einen Termin für eine Impfung gegen das Coronavirus bekommen.

Gies hat ihren Schwiegervater angemeldet und wurde nach sieben Stunden belohnt. „Nach einem Erfolgserlebnis folgte jeweils eine längere Wartezeit“, berichtet sie. Im letzten Schritt der Terminvergabe sei aber alles sehr schnell gegangen. Neben dem Corona-Impfstoff konnte auch der Wochentag und die Uhrzeit gewählt werden. Bereits am Donnerstag, 21. Januar, kann sie mit ihrem Schwiegervater zum Impfen

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