Jens Spahn
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Angesichts stark steigender Corona-Zahlen fordert Jens Spahn die Länder auf, ihre Impfzentren wieder hochzufahren.

Kapazitäten reichen aus

Corona in Hessen: Land lehnt Spahns Vorstoß zu Impfzentren ab

Inmitten der zusehends kritischeren Corona-Lage gibt es Streit über Wege zu mehr Auffrischungsimpfungen als Schutz für den Winter. Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) fordert die Wiederbelebung der Impfzentren.

Fulda - Spahn sagte: „Um möglichst vielen möglichst schnell eine Auffrischungsimpfung zu ermöglichen, sollten die Länder die Impfzentren, die sie seit Ende September in Standby bereithalten, nun wieder startbereit machen.“ Er riet den Ländern erneut dazu, in einem ersten Schritt alle Über-60-Jährigen schriftlich einzuladen. Auffrischungen sind mindestens sechs Monate nach einer vollständigen Impfung möglich. Angeboten wird dies unter anderem Älteren, Corona-Risikogruppen und Geimpften mit Astrazeneca und Johnson & Johnson. Für alle anderen ist es aber auch möglich. Inzwischen ist die Marke von zwei Millionen solcher Booster überschritten.

Bund und Länder hatten vereinbart, die zum Impfstart eingerichteten zeitweise mehr als 400 Impfzentren zum 30. September zu schließen oder die Kapazitäten zurückzufahren. Für den Betrieb sind die Bundesländer zuständig.

Corona in Hessen: Land lehnt Spahns Vorstoß zu Impfzentren ab

Mehrere Länder lehnten eine Reaktivierung ab. Das Hessische Sozialministerium erklärte auf Anfrage unserer Zeitung: „Zum gegenwärtigen Zeitpunkt besteht keine Notwendigkeit, die hessischen Impfzentren wieder zu öffnen. Überall in Hessen sind ausreichend Impfstoff und Kapazitäten vorhanden, um zeitnah einen Impftermin für eine Erst-, Zweit- oder – entsprechend der Stiko-Empfehlung – auch für eine Auffrischimpfung zu erhalten.“

Dass die Impfungen inzwischen durch die niedergelassenen Ärzte übernommenen wurden, biete zudem den Vorteil, dass die Praxen oft einfacher und schneller zu erreichen seien als wenige Impfzentren. Zusätzlich gebe es Unterstützung durch „regionale Impfangebote der Gesundheitsämter“, so dass eine Vielzahl an Impfmöglichkeiten bestehe.

Auch der Landkreis Fulda plant zunächst keine Reaktivierung. Man habe vom Land den „Einsatzbefehl“ erhalten, das Impfzentrum zu schließen – und dem sei der Landkreis nachgekommen. Insofern sehe man jetzt keine Notwendigkeit, die Uhr wieder zurückzudrehen, erklärt Fuldas Kreis-Sprecherin Lisa Laibach. Solange das Land keine Kehrtwende mache und eine neue Richtung vorgebe, werde man nicht auf den Vorstoß von Spahn reagieren.

Laibach verweist auf die nach wie vor zahlreichen Impfmöglichkeiten in der Region. So werde das Angebot, sich bei den Hausärzten impfen zu lassen, durch mobile Impfteams, „die dorthin gehen, wo es notwendig ist“, sowie durch das Impfzentrum am Klinikum Fulda ergänzt.

Corona-Impfzentren wieder hochfahren? Ministerium: Kapazitäten reichen aus

Anders im Main-Kinzig-Kreis: „Wir haben im Main-Kinzig-Kreis die komfortable Situation, dass wir ganz unabhängig davon, ob einzelne Impfzentren in Hessen wieder hochgefahren werden oder nicht, mittlerweile drei statt nur zwei Anlaufstellen für impfinteressierte Menschen vorhalten“, erklärt Gesundheitsdezernentin Susanne Simmler. Damit reagiere man auf den Vorstoß von Spahn.

„In allen drei ,Dein-Pflaster-Impfstellen‘ im Kreisgebiet wie auch bei unseren mobilen Aktionen bieten wir diese sogenannten Booster an, wer die allgemeinen Voraussetzungen erfüllt, erhält sie bei uns auch unkompliziert“, so Simmler. In Hanau, Gelnhausen und Schlüchtern (Bahnhofstraße) werden Bürger an mehreren Tagen in der Woche geimpft, und von dort schwärmen auch ambulante Impfdienste aus. 

Ob der Vorstoß von Spahn richtig ist, mag man im Vogelsbergkreis nicht wirklich einzuschätzen. „Schwierig, aus unserer Sicht hätten die Impfzentren nicht so eilig geschlossen werden sollen“, teilt der Kreis auf Anfrage unserer Zeitung mit. Grundsätzlich sei es möglich, das Impfzentrum in Alsfeld wieder zu öffnen.

Video: Spahn will Impfzentren wieder startklar machen

Allerdings biete der Kreis ab sofort jeden Mittwoch ab 10 Uhr eine Impfsprechstunde in Alsfeld an. Das Angebot richte sich an diejenigen, die keinen Hausarzt haben beziehungsweise von ihrem Hausarzt nicht geimpft werden können. Das gelte auch für die mobilen Teams, die die Personen in Alten- und Pflegeheimen impfen, die den Piks nicht von einem Hausarzt bekommen können.

Der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, beklagte: „Niemals war das Hin und Her in der Pandemie größer als zurzeit.“ Es fehle ein Corona-Radar, Bund und Länder steuerten die Pandemie-Maßnahmen im Blindflug. „Da ist es kein Zufall, dass mit widersprüchlichen Vorschlägen Deutschland gerade planlos in die nächste Welle rutscht“, sagte Brysch. (bt)

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